Wort in die Zeit 211 - Dezember 2018

Liebe Freunde der Abtei und Leser unserer Hauszeitschrift!
 
In den letzten drei Jahren und vor allem in den letzten Monaten ist unsere Abtei durch diverse Ereignisse und zahlreiche Presseberichte sehr in die Kritik geraten. Es ist für uns, aber umso mehr für Außenstehende unverständlich, wie es dazu kommen konnte. Auch wenn es sehr schwer ist dies zu vermitteln, möchten wir es nachfolgend versuchen.
 
2007 haben wir unter Abt Franziskus, wie nahezu alle anderen Abteien in Deutschland, unseren Ökonomiebereich, einschließlich der Gärtnerei, verpachtet. Br. Theodor, Br. Pius und Br. Adolf, die die Landwirtschaft über viele Jahrzehnte betreuten, konnten mit zunehmendem Alter die schwere körperliche Arbeit nicht mehr leisten. Es kam zu einem Vertrag mit drei Pächtern, die das Anwesen nachfolgend im Nebenerwerb und mit wenigen Angestellten bewirtschafteten.
 
Zwischen den drei Pächtern kam es sehr bald zu Differenzen, so dass ein Partner nach kurzer Zeit ausschied. Dieser hatte zuvor bereits Br. Theodor und Br. Pius in der Landwirtschaft unterstützt und war mit den Gegebenheiten am besten vertraut. Es folgten Unterverpachtungen. Ein Kunstschmied und die Klosterbrauerei wurden angesiedelt. In dem Gebäude in dem früher unser eigener Klosterladen untergebracht war, wurde durch die Pächter ein Gastronomiebetrieb mit kleinem Biergarten eingerichtet und
ebenfalls unterverpachtet.
 
Der Gasthof und der Hofladen wurden sehr schnell von der Bevölkerung angenommen. Tatsächlich gab es immer wieder Schwierigkeiten zwischen Pächtern und Unterpächtern. Da die meisten Besucher zwischen dem Pachtbetrieb und der Abtei nicht differenzieren konnten, wurden wir, die Mönche, immer wieder z.T. mit sehr abfälligen Kommentaren konfrontiert.
 
Wir bedauern, dass die Gewächshäuser entfernt wurden, um Fläche für Großveranstaltungen auf der Gartenterrasse zu schaffen. Diese Veranstaltungen führten zu Beschwerden wegen Lärmbelästigungen in der Nachbarschaft und im nahe gelegenen Gästehaus.
 
In der Adventszeit haben die Pächter Weihnachtsmärkte organisiert. Diese wurden wegen dem besonderen Ambiente sehr bald in der Region bekannt und beliebt. Die Abtei hat die Weihnachtsmärkte am Anfang unterstützt und sich mit einem eigenen Stand für Kerzen, Bilder und Flohmarktartikel beteiligt. Entgegen zahlreicher Äußerungen hatte die Abtei aus den Weihnachtsmärkten jedoch keine finanziellen Vorteile.
 
An den Fischteichen wurden ohne unsere Zustimmung drei große, kerngesunde, alte Eichen gefällt und veräußert. Da das gesamte Klosterareal sowohl unter Denkmalschutz als auch unter Landschaftsschutz steht, war diese Aktion in vertragswidrig.
 
Das Ökonomieareal wurde zusehend vernachlässigt, vor allem die Bäume der Streuobstwiesen. Die etwa 500 Efeusorten umfassende und unter Fachleuten bekannte Efeusammlung wurde nicht mehr gepflegt und ist heute nicht mehr zu retten.
 
Wir können und möchten hier nicht alles, welches zur Kündigung der Pacht führten, aufzählen. In den Medien wurde ausschließlich von einem Formfehler im Pachtvertrag berichtet. Wir können Ihnen aber versichern, dass es zahlreiche Versuche gab, mit den Pächtern ins Gespräch zu kommen, um die Schwierigkeiten gütlich abzustellen.
 
Der Neuanfang
Den Statuten der Beuroner Kongregation entsprechend legte Abt Franziskus aus Altersgründen 2016 sein Amt nieder. Als Nachfolger wurde Pater Winfried aus der Abtei Admont in der Steiermark gewählt. Wir Mönche und alle unsere Freunde und Wohltäter haben sich über die Wahl des jungen Abtes gefreut und damit eine positive Zukunft von Neuburg erhofft.
 
Abt Winfried trat ein schwieriges Erbe an, da zu diesem Zeitpunkt der Rechtstreit mit den Pächtern in vollem Gang war. Immer wieder wurde er persönlich kritisiert. Er war sehr zurückhaltend bei Stellungnahmen, für etliche Außenstehende, insbesondere für die Medien, unverständlich.
 
Mit Abt Winfried kam ein langjähriger Studienfreund und Bundesbruder aus Ludwigshafen nach Neuburg. Als persönlichen Berater wurde er Geschäftsführer für die neu zu gründende Kloster GmbH. Sie sollte den gesamten wirtschaftlichen Bereich, die geplante Gastronomie, den Klosterladen und die Landwirtschaft aufbauen und verwalten. Die Geschäftsleitung wurde durch eine Geschäftsführerin, die Schwägerin des Geschäftsführers, erweitert. Sie wurde mit der Neuausrichtung und Leitung der Landwirtschaft beauftragt.
 
Der Wirtschaftsrat von Stift Admont hatte bei Amtsbeginn von Abt Winfried und in dessen Auftrag die Verhältnisse und die Verwaltung in Neuburg überprüft und als sehr gut bewertet. Trotzdem hat man die Mitarbeit und den Rat des bisherigen und langjährigen kaufmännischen Leiters von Neuburg, Herrn Caloni, nicht gesucht, sondern im Gegenteil wurde versucht, ihn an den Rand zu drängen.
 
Es gab auch einen gewissen Zug zu einer falschen Größe, z.B. Neuburg solle das Benediktinerkloster Nr. 1 in Europa für Kunst und Wissenschaft werden!
 
Ohne Einbindung des Konventes und des Seniorates und entgegen den Regeln und Statuten der Abtei und der Kongregation haben der Abt und die beiden Geschäftsführer umfangreiche Änderungen und Investitionen beschlossen, die die Möglichkeiten der Abtei überschritten. Die Projekte, die entwickelt wurden, waren finanziell nicht abgesichert. Es wurde nicht mehr unterschieden zwischen Ideen und einer soliden Planung. Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung wurde das große Bauprojekt eines Kollegs für Studenten und Forschern erwähnt, das weder im Seniorat noch im Kapitel besprochen worden war, mit dessen Bau aber Ende dieses Jahres 2018 begonnen werden sollte.
 
Zusätzlich wurden teure externe Berater beauftragt. Der Businessplan der GmbH war nicht erfolgversprechend, er wurde vom Wirtschaftsrat der Kongregation als unzureichend zurückgewiesen.
 
Im Rahmen der turnusmäßigen Visitation durch den Präses der Beuroner Benediktinerkongregation bekamen die Visitatoren Einblick in die anstehenden Vorgänge, Probleme und Kosten. Versuche, Abt Winfried zu bewegen, sich von seinem Studienfreund als Geschäftsführer zu trennen, waren ergebnislos. Folglich wurden Abt Winfried sowie die beiden Geschäftsführer durch den Abtpräses ihrer Ämter entbunden. Dies war gegenüber Abt Winfried eine sehr ungewöhnliche Maßnahme, die alle Beteiligten schmerzlich bedauern.
 
Mittlerweile hat Abt Winfried bei der zuständigen Kongregation in Rom Einspruch gegen seine Entlassung aus dem Amt erhoben.
 
Wie geht es weiter?
Der Konvent wird nach der Entscheidung in Rom einen neuen Vorsteher wählen.
 
Die schwierige personelle Situation innerhalb des Konventes ist nicht zu übersehen. Die Brüder werden zusehend älter und können kaum noch körperliche Arbeiten verrichten. Nachwuchs ist nicht in Sicht. Viele anfallenden Arbeiten werden von Angestellten oder freiwilligen Helfern geleistet.
 
Die Klosterbrauerei war von all den Vorgängen verschont. Deren Biere sind beliebt und werden nicht nur in der Brauerei, sondern auch in vielen Getränkemärkten angeboten. In den Räumen der Klostergaststätte ist wieder Leben eingekehrt. Zunächst wurde im Biergarten ein beschränktes Angebot an Getränken und Speisen angeboten. Inzwischen wurde auch die Gaststube geöffnet. Auf den Klosterwiesen weiden wieder Schafe. Freiwillige Helfer haben mit Aufräumarbeiten auf dem Klosterareal begonnen. Eine generelle Entscheidung über die künftige Nutzung und Pflege des Geländes insbesondere der Ökonomiegebäude steht noch aus.
 
Wir freuen uns über jede Hilfe, die uns auch schon von vielen erwiesen wurde. Ganz besonders bitten wir um Ihr Gebet und Mittragen und wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein Gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr, Gesundheit und Zuversicht.
 
Wir haben das Vertrauen, dass wir in dieser schwierigen Situation auch die Führung des Hl. Geistes erfahren und den Schutz der Muttergottes.
P. Ambrosius
 
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