Neuburg, seit 1130 im Dienste Gottes und der Menschen
Die Abtei Lorsch wurde 763 von Erzbischof Chrodegang von Metz (754 durch den Papst zum Erzbischof und Nachfolger des Bonifatius ernannt) errichtet und mit Mönchen aus dem lothringischen Reformkloster Gorze besiedelt.
Ob es auf der Hügelkuppe zwischen Neckar und Mausbach östlich von Heidelberg schon vor der Klostergründung eine Ansiedlung gegeben hat, etwa eine Burg, lässt sich nicht sicher belegen. Die Quellen besagen nur, dass der "fromme und begüterte Anshelm" in Lorsch eintrat. Er "stiftete die Zelle zu Niwenburg; er ließ da eine Kirche bauen und sie zu Ehren des heiligen Apostels Bartholomäus weihen; auch ließ er Wohnungen einrichten für solche, die Gott hier dienen wollten, und schenkte jenem Ort all sein Vermögen und Besitztum."
1130 entsandte Abt Diemo die ersten Mönche nach Neuburg. Diese Gemeinschaft bildete eine Cella, also ein von der Mutterabtei abhängiges Kloster, dem ein Propst vorstand. Geistliche Grundlage des mönchischen Lebens war hier wie in Lorsch die Regel des hl. Benedikt (*480; † 547), die durch die Klosterreform Benedikts von Aniane (* vor 750; † 821) in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts zur einzigen Mönchsregel im Karolingischen Reich geworden war.
Die ersten vier Jahrhunderte
Die junge Gründung entwickelte sich nicht so gut, wie man es erhofft hatte. Zwar erhielt sie auf Bitten des Propstes Marquard am 14. Mai 1144 die päpstliche Anerkennung und wurde durch eine Bulle Lucius II. (Papst von 1144 bis 1145) dem Schutz des apostolischen Stuhles und der Schirmvogtei von Lorsch unterstellt.
1165 gab es in Neuburg keine Mönche mehr, vermutlich wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Fürstabt Heinrich von Lorsch musste es daraufhin wiederbesiedeln, von Schuldenlasten befreien und neu mit Gütern ausstatten, die in Plankstadt, Seckenheim, Viernheim, Gernsheim, Lützelsachsen, Großsachsen und Neuenheim lagen.
Die große Zeit der Reichsabtei Lorsch ging bereits ihrem Ende entgegen. Misswirtschaft, Verfall der klösterlichen Disziplin und das Absinken der kaiserlichen Macht schwächten das Kloster und führten schließlich 1232 zu dessen Auflösung.
1195 schon war Neuburg auf Veranlassung Pfalzgraf Konrads von Staufen (* ca. 1134; † 1195, Halbbruder von Kaiser Friedrich Barbarossa) und seiner Gemahlin Irmingard von Abt Sigehard von Lorsch in ein Frauenkloster umgewandelt worden. Auch unter der ersten Äbtissin Cunegundis und ihren Nachfolgerinnen kam es zu keiner Blüte klösterlichen Lebens. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht blieb die Lage prekär. Ohne die Zuwendungen des Pfalzgrafen, der dem Kloster sehr zugetan war, hätte es kaum überleben können.
Mit der Aufhebung von Lorsch gingen dessen Rechte (und Pflichten) als Mutterkloster an den Bischof von Mainz über, dann an das Hochstift Worms, zu dessen Diözese Neuburg bis 1806 gehörte. Dort favorisierte man die Reform von Cîteaux (1098), die sich seit 1115 unter dem Einfluss Bernhards von Clairvaux (* um 1090; † 1153) rasch über ganz Europa verbreitet hatte. Unter Mitwirkung der nahen Zisterzienserabtei Schönau wurde Neuburg dem neuen Orden einverleibt. Um 1303 werden die Nonnen erstmals Zisterzienserinnen genannt.
Kardinal Nikolaus von Kues (* 1401 in Kues an der Mosel, heute Bernkastel-Kues; † 11. August 1464 in Todi, Umbrien), war ein schon zu Lebzeiten berühmter, universal gebildeter deutscher Philosoph, Theologe und Mathematiker. Er gehörte zu den ersten deutschen Humanisten in der Epoche des Übergangs zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit.
Der Übertritt führte zu einem Aufschwung des klösterlichen Lebens. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, von der noch die doppelgeschossige Seitenkapelle und die Kirche in ihrer Grundform zeugen. Allerdings kam es hierdurch wieder zu drückenden finanziellen Engpässen, sodass Äbtissin Elisabeth und ihr Konvent 1360 beschlossen, die Zahl der Nonnen in Zukunft auf zwanzig zu beschränken. Aber auch die innere Verfassung des Klosters entwickelte sich nicht zum Besten. Die Quellen sprechen für die Epoche um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert von Totschlägen innerhalb Neuburgs Mauern. Heidelberger Bürger beklagten sich über das sittenlose und weltliche Benehmen der Nonnen.
Um 1460 kehrte der Neuburger Konvent auf Veranlassung Kurfürst Friedrichs des Siegreichen (*1425; † 1476) zur ursprünglichen benediktinischen Observanz zurück. Unter der bedeutenden Äbtissin Margarethe Folin von Irmtraut schloss er sich spätestens 1478 der gerade aufblühenden Bursfelder Reform- Kongregation an, die vom päpstlichen Legaten Nikolaus von Cues (* 1401; † 1464) gefördert wurde. Noch einmal begann eine rege Bautätigkeit, verbunden mit einem Aufstieg des klösterlichen Lebens.
Die Aufhebung in der Reformation
Schon unter der Regierung der Äbtissin Katharina (1513- 1526), der jüngsten Tochter des Kurfürsten Philipp (*1448; † 1508), machte sich in der Abtei der Einfluss von Luthers Lehre bemerkbar, ebenfalls unter ihrer Nachfolgerin, der Gräfin Sabina von Zweibrücken und Bitsch (1526/27 -1535). Äbtissin Anna von Frankenstein (1535-1549) hingegen erzwang mit Hilfe ihres Beichtvaters, dass die klösterliche Gemeinschaft dem alten Glauben treu blieb. 1539 hatte sie mit dem Konvent schwere Streitigkeiten wegen der Konfessionszugehörigkeit, die aber durch einen Vergleich beigelegt wurden.
Wann genau und wie die neue Lehre in Neuburg eingeführt wurde, ist nur ungefähr auszumachen. Die letzte Äbtissin Pfalzgräfin Brigitta (1554-1562 ), Tochter Johannes II. von Simmern-Sponheim (*1492; † 1557 ), öffnete der vordringenden Reformation die Tore. Kurfürst Ottheinrich (1502; † 1559), ihr Vetter, gestattete ihr die Verkündigung der lutherische Lehre.
1568 werden noch eine Margarethe von Helmstedt als Verwalterin und ein Konvent urkundlich erwähnt.
1572 bestand ein solcher nicht mehr. Von jetzt an liegt das Schicksal Neuburgs in der Hand der Kurfürsten von der Pfalz.
Die Herrscher nutzen den Wechsel der Konfession aus, um ehemaligen katholischen Kirchenbesitz ihrem Privatvermögen einzuverleiben. So geschah es auch mit Neuburg. Zunächst beließ Kurfürst Friedrich IV. (* 1574; † 1610) die Einnahmen aus dem Klostervermögen der reformierten Güterverwaltung. Am 1. Juni 1598 wurde das ehemalige Kloster dann vom Kurfürsten als Wittum (Altersversorgung) seiner Gemahlin Luise Juliane verschrieben. Es diente der kurfürstlichen Familie als „Lusthaus“, was damals so viel wie „Landhaus“ hieß. Mit den anrückenden bayrischen Truppen unter Tilly ((* 1559; † 1632), Johann Tserclaes Tilly war Oberbefehlshaber der katholischen Liga-Truppen im Dienste des Kurfürsten von Bayern. Nach der Absetzung Wallensteins 1630 war Tilly bis zu seinem Tode auch Oberkommandierender des kaiserlichen Heeres) im September 1622 änderten sich auch die kirchlichen Verhältnisse.
1629 gab ein Restitutionsedikt Neuburg der katholischen Kirche zurück. Neuburg wurde aber den Jesuiten überlassen, die bis zu ihrer ersten Vertreibung 1632 in Neuburg blieben.
1648 fiel Neuburg durch die Restitution der Pfälzischen Fürsten wieder der Reformierten Kirche zu.
1672 fasste Kurfürst Karl I. Ludwig (1617 - 1680) den Plan, das alte Kloster in ein adliges Fräuleinstift umzuwandeln. Seine Töchter aus zweiter Ehe, die Raugräfinnen, und die Töchter des kurpfälzischen Adels erhielten von ihm standesgemäßen Unterhalt. Die Klosterbauten wurden einer gründlichen Renovierung unterzogen, ein Turm der Kirche zugefügt und die Wehrhaftigkeit des Ganzen einigermaßen wiederhergestellt. Dabei erhielten die Klostergebäude ihr heutiges Aussehen.
Die Bezeichnung „Stift“, die Neuburg seither geblieben ist, hat seit der Reformation einen erheblichen Bedeutungswandel durchgemacht. Anfangs waren es noch ehemalige Kollegiatstifte, die als Versorgungsanstalten für unverheiratete, meist adlige Damen weiterlebten. Später wurden solche Institutionen als „Stifte“ eigens errichtet. Das „Stift“ Neuburg hatte einen durchaus religiösen Charakter wie aus seiner Regel, die Karl Ludwig selbst verfasst hat, hervorgeht.
Die Zahl der reformierten Stiftsdamen war im Entstehungsjahr des Stiftes auf zwölf Damen unter zwei Vorsteherinnen festgesetzt worden. Auch Lutherischen stand der Eintritt offen, „sofern sie nur jedes Religionsgezänk vermeiden wollten“. Die Mitgliederzahl schmolz sofort nach dem Tod Karl Ludwigs erheblich zusammen, bis der Untergang der alten Simmernschen Linie des Kurhauses schließlich auch 1681 den Untergang dieser Lieblingsstiftung des Kurfürsten bedeutete.
Die Zahl der reformierten Stiftsdamen war im Entstehungsjahr des Stiftes auf zwölf Damen unter zwei Vorsteherinnen festgesetzt worden. Auch Lutherischen stand der Eintritt offen, „sofern sie nur jedes Religionsgezänk vermeiden wollten“. Die Mitgliederzahl schmolz sofort nach dem Tod Karl Ludwigs erheblich zusammen, bis der Untergang der alten Simmernschen Linie des Kurhauses schließlich auch 1681 den Untergang dieser Lieblingsstiftung des Kurfürsten bedeutete.
Die Zeit der Jesuiten
Mit dem neuen Kurfürsten Philipp Wilhelm (*1615; † 1690) aus der katholischen Linie Pfalz-Neuburg gelangten die Katholiken in Heidelberg wieder zu größerem Einfluss.
Die Zeiten waren unruhig. Französische Heere verwüsteten die Stadt gleich zweimal 1689 und 1693.
1693 entging Neuburg nur knapp dem gleichen Schicksal. Ein französischer Hauptmann, zugleich Hofmeister des Generals de Lorge, wurde während einer Erkundung von einem Wegelagerer in der Nähe des Klosters erschossen und tot ins Stift gebracht. Als Wiedergutmachung ordnete der General die Zahlung einer sehr hohen Geldsumme oder die völlige Zerstörung des Anwesens an. Nur durch Vermittlung des Kapuzinerpaters Placidus konnte die Unschuld des Stiftes bewiesen und der General de Lorge somit beschwichtigt werden.
Nachdem die Katholiken mit Hilfe französischer Soldaten die Reformierten vom Stift gejagt hatten, betraten sie am 11. Mai 1698 mit einer großen Prozession die Stiftskirche und weihten sie zu ihrem Gottesdienst ein. Fortan hielten hier sonn- und feiertags Ordensleute aus Heidelberg (Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner) katholischen Gottesdienst.
Zeitweilig wurden seine Gebäude als Armenhaus genutzt. Arme Leute und Kinder wurden hier aufgenommen, wobei die Kinder in einer Manufaktur unbekannter Art, wahrscheinlich in der „Stiftsmühle“, beschäftigt wurden.
1706 übergab Kurfürst Johann Wilhelm (* 1658; † 1716) gegen den Widerstand der Benediktiner die ehemalige Abtei "ewig und erblich dem Kolleg und den Vätern der Gesellschaft Jesu zu Heydelberg". Damit begann eine neue Epoche.
Die Jesuiten mühten sich sehr um die Renovierung und den Ausbau des Klosters.
So wurde ein dreiteiliges barockes Eingangstor geschaffen und davor eine Mariensäule aufgestellt. Die meisten älteren Teile der heutigen Anlage gehen in ihrer Gestalt auf diese Zeit zurück, so die Kirche, der Süd- und der Westflügel. Ferner legte man vom Mausbachtal her eine eigene, noch heute funktionierende Wasserleitung, die u.a. einen Brunnen speist, der zu früheren Zeiten als Pferdetränke diente. In Verbindung damit dürfte damals das Landwirtschaftsgebäude mit drei sandsteingefassten Toren errichtet worden sein. Es hat in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem neuen Wohntrakt weichen müssen.
Im Übrigen diente das ehemalige Kloster den Heidelberger Patres gern zu fröhlichem Aufenthalt und zur Erholung von der Arbeit. Dem Wirken der Gesellschaft Jesu an der Heidelberger Universität war aber keine "Ewigkeit" bestimmt.
1773 wurde der Orden vom Papst aufgehoben und seiner weltlichen Güter verlustig erklärt. So kam Neuburg für kurze Zeit an den Orden der Lazaristen, bei denen viele ehemalige Jesuiten Unterschlupf gefunden hatten, die weiterhin als Professoren wirkten. Die Universität bestürmte aber 1798 die kurpfälzische Regierung mit der Bitte die Übernahme des Stiftes zur Tilgung ihrer finanziellen Verbindlichkeiten.
1799 wurde Neuburg so dem Rotgerber Johann Peter Werle als Sicherheit für die der Universität vorgestreckte Geldsumme von 28000 Gulden verpfändet. Das war der erste Schritt zur vollständigen Privatisierung des „Stiftes“.
1773 wurde der Orden vom Papst aufgehoben und seiner weltlichen Güter verlustig erklärt. So kam Neuburg für kurze Zeit an den Orden der Lazaristen, bei denen viele ehemalige Jesuiten Unterschlupf gefunden hatten, die weiterhin als Professoren wirkten. Die Universität bestürmte aber 1798 die kurpfälzische Regierung mit der Bitte die Übernahme des Stiftes zur Tilgung ihrer finanziellen Verbindlichkeiten.
1799 wurde Neuburg so dem Rotgerber Johann Peter Werle als Sicherheit für die der Universität vorgestreckte Geldsumme von 28000 Gulden verpfändet. Das war der erste Schritt zur vollständigen Privatisierung des „Stiftes“.



















