Neuburg unter weltlichen Herrschern
Die Verpfändung an Johann Peter Werle war der erste Schritt zur Veräußerung des Klosters. 1804 verkaufte die kurfürstlich badische katholische Kirchenkommission das Stift mit allen dazugehörigen Gütern an einen Regierungskommissar Ludwig Hout. Zu dieser Zeit verkehrte Carl Maria von Weber oft in Neuburg. In der Bibliothek des Stiftsherrn fand Weber eines Tages Apel und Laun´s Gespensterbuch mit der Geschichte des Freischütz, die ihn zu seiner gleichnamigen Oper inspirierte, die er aber erst zehn Jahre später niederschrieb. Den romantischen Geist hat Weber damals in jenem Neuburger Sommer zum ersten Mal in sich gespürt als die Offenbarung seines ureigenen Genies.
1825, nach dreimaligem Besitzerwechsel, erwarb der Frankfurter Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser, der Ehemann von Goethes Nichte und sein Freund, mit seiner Gemahlin Sophie Charlotte geborene du Fay, das Anwesen. Bis zu seinem Tod 1851 verbrachte Schlosser regelmäßig die Sommer- und Herbstmonate auf Stift Neuburg. Ihm bot es "durch den Reiz seiner Lage und seiner äußeren Verhältnisse nicht minder als durch seine innere Beschaffenheit, und die daselbst getroffenen Einrichtungen, in einem seltenen Grade alle jene Annehmlichkeiten, die von einem zu Lust und Genuss bestimmten Landsitze gefordert werden können." So Schlosser in einer eigenhändig geschriebenen Darstellung aller Einzelheiten des Stiftes.
Neuburg wurde Treffpunkt bedeutender Männer der Spätromantik. Da war einmal Josef Görres (1776 - 1848), Privatdozent in Heidelberg, Herausgeber der „Deutschen Volksbücher“ und des „Rheinischen Merkur“, Publizist der Freiheitskriege und Sprecher des katholischen Volksteils, ferner Justinus Kerner (1786 - 1862), Arzt und Schriftsteller in Weinsberg, Mittelpunkt der Schwäbischen Dichterschule, dann Ernst Fries (1801 - 1833), neben Carl Philipp Fohr (1795 - 1818) der bedeutendste Maler der Romantik, von dem es im Kurpfälzischen Museum ein Ölgemälde des Neckartals bei Stift Neuburg gibt.
Zu Gast waren auf längere oder kürzere Zeit außerdem die Kardinäle Johannes von Geißel (1796 - 1864) Johannes Baptist Jocob von Geißel, geadelt 1839 war Kardinal. Er war von 1837 bis 1841 Bischof von Speyer und von 1845 bis 1864 Erzbischof von Köln und Karl August von Reisach (1800 - 1869), die Bischöfe Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler (1811 - 1877) und Johann Michael Sailer (1751 – 1832), Franz Josef Mone (1796 – 1871), Charles de Montalember (1810 – 1870), Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757 – 1831), Beda (Johann Chrysanth) Weber (1798 – 1858), Clemens Brentano (1778 – 1842), Melchior Ferdinand Diepenbrock (1798 -1853), Ludwig Tieck (1773 – 1853), Johann Friedrich Overbeck (1789 – 1869), Eduard Jakob von Steinle (1810 – 1886) und Philipp Veit (1793 - 1877), Bischof Karl Joseph von Hefele (1809 – 1893) und Johann Adam Möhler (1796 – 1838).
Zu nennen sind auch Goethes Enkel Walther und Wolf und Marianne von Willemer, Goethes „Suleika“, die fast jeden Sommer nach Neuburg kam. Wolfgang Maximilian von Goethe (1820 – 1883) war ein weiterer Enkel Goethes. Er arbeitete als Jurist und Preußischer Legationsrat.
Das Ehepaar Schlosser konvertierte 1814 in Wien bei Clemens Maria Hofbauer (* 1751; † 1820) zur katholischen Kirche. Im Bibliotheksflügel richtete er die erste Goethe-Gedenkstätte ein mit Schriften von und über den Dichter, Autographen, Bildern und sonstigen Erinnerungsgegenständen. Die wertvolle Bibliothek mit mehr als 30000 Bänden sollte später an das Mainzer Priesterseminar gehen. Park und Terrasse gestaltete der Karlsruher Gartenbaudirektor Johann Metzger (*1789; † 1852), der sich auch um die Erhaltung des Schlosses und die Gestaltung der Scheffelterrasse verdient gemacht hat.
Da das Ehepaar Schlosser keine Kinder hatte, ging Neuburg nach dem Tod der Frau Rat 1865 über eine Nichte Marie du Fay an die Familie der Freiherren von Bernus, ebenfalls einer angesehenen Frankfurter Familie. In ihrem Besitz blieb es bis 1926. Unter dem letzten weltlichen "Stiftsherrn", Alexander von Bernus, wurde Neuburg noch einmal zu einem Treffpunkt bedeutender Geister, allerdings ganz anderer Couleur als zu Schlossers Zeiten.
Da das Ehepaar Schlosser keine Kinder hatte, ging Neuburg nach dem Tod der Frau Rat 1865 über eine Nichte Marie du Fay an die Familie der Freiherren von Bernus, ebenfalls einer angesehenen Frankfurter Familie. In ihrem Besitz blieb es bis 1926. Unter dem letzten weltlichen "Stiftsherrn", Alexander von Bernus, wurde Neuburg noch einmal zu einem Treffpunkt bedeutender Geister, allerdings ganz anderer Couleur als zu Schlossers Zeiten.
Häufig kehrte der Maler Wilhelm Trübner (1851-1917), Akademie- Professor in Karlsruhe, im Stift ein und suchte sich Motive. Einige seiner Bilder befinden sich im hiesigen Kurpfälzischen Museum. Es kamen und gingen der Lyriker Stefan George (1868 – 1933), Karl Wolfskehl (1869 – 1948), Friedrich Gundolf (1880 -1931), Friedrich Gundolf war Dichter und Literaturwissenschaftler Rainer Maria Rilke (1875 – 1926), Richard Dehmel (1863 – 1920), Alfred Kubin (1877 – 1959), Friedrich Schnack (1888 – 1977), Richard Benz (1884 – 1966) und Klaus Mann (1906 – 1949). Weltanschaulich stand Alexander von Bernus der Anthroposophie nahe. In einem Briefwechsel mit Rudolf Steiner (1861 – 1925), dem Begründer der Anthroposophischen Gesellschaft, bot von Bernus diesem die Anhöhe hinter dem Stift, den sogenannten Stiftsbuckel, zum Bau des Goetheanums an, das dann aber in Dornach bei Basel als Zentrum der Anthroposophischen Gesellschaft entstand.
Die Nachkriegsjahre gestatteten es dem Privatmann nicht mehr, einen so ausgedehnten Besitz wie Stift Neuburg zu halten. Als die Benediktiner im Badener Land ein Kloster eröffnen wollten und Bernus der Erzabtei Beuron das Stift anbot, begrüßten viele diese Gründung. Kurz vor dem Verkauf an die Benediktiner veröffentlichte Bernus eine Gedichtsammlung mit Holzschnitten von Joachim Lutz (1906 – 1954) über "Stift Neuburg". Dass dem Dichter die Trennung nicht leicht geworden ist, dokumentiert sein Gedicht "Abschiedsabend auf Stift Neuburg - Mir selbst und einigen Freunden zum 13. Februar 1927". In ihm schrieb er: "Wer selber je empfunden, / Was Abschiednehmen sei, / Wer solchen Tod erlitten, / Der fragt nicht erst: Warum? / Mein Stift, ererbt, erworben, / Verwaltet wie ein Amt: / Heut gebe ich‘s dem Orden / Zurück, von dem es stammt."



















































