Neuburg unter weltlichen Herrschern

 
Carl Maria von Weber (*18. November 1786 in Eutin; + 5. Juni 1826 in London) war Komponist, Dirigent und Pianist.
Die früheren Besitzer von Stift Neuburg, das Ehepaar Sophie und Johann Friedrich Heinrich Schlosser: Gemälde Abtei Neuburg

Die Verpfändung an Johann Peter Werle war der erste Schritt zur Veräußerung des Klosters. 1804 verkaufte die kurfürstlich badische katholische Kirchenkommission das Stift mit allen dazugehörigen Gütern an einen Regierungskommissar Ludwig Hout. Zu dieser Zeit verkehrte Carl Maria von Weber oft in Neuburg. In der Bibliothek des Stiftsherrn fand Weber eines Tages Apel und Laun´s Gespensterbuch mit der Geschichte des Freischütz, die ihn zu seiner gleichnamigen Oper inspirierte, die er aber erst zehn Jahre später niederschrieb. Den romantischen Geist hat Weber damals in jenem Neuburger Sommer zum ersten Mal in sich gespürt als die Offenbarung seines ureigenen Genies.
1825, nach dreimaligem Besitzerwechsel, erwarb der Frankfurter Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser, der Ehemann von Goethes Nichte und sein Freund, mit seiner Gemahlin Sophie Charlotte geborene du Fay, das Anwesen. Bis zu seinem Tod 1851 verbrachte Schlosser regelmäßig die Sommer- und Herbstmonate auf Stift Neuburg. Ihm bot es "durch den Reiz seiner Lage und seiner äußeren Verhältnisse nicht minder als durch seine innere Beschaffenheit, und die daselbst getroffenen Einrichtungen, in einem seltenen Grade alle jene Annehmlichkeiten, die von einem zu Lust und Genuss bestimmten Landsitze gefordert werden können." So Schlosser in einer eigenhändig geschriebenen Darstellung aller Einzelheiten des Stiftes.
 
Josef Görres (1776 - 1848), Privatdozent in Heidelberg, Herausgeber der „Deutschen Volksbücher“ und des „Rheinischen Merkur“, Publizist der Freiheitskriege und Sprecher des katholischen Volksteils
Justinus Kerner (1786 - 1862), Arzt und Schriftsteller in Weinsberg, Mittelpunkt der Schwäbischen Dichterschule
Ernst Fries (1801 - 1833), Landschaftsmaler im Übergang von der Romantik zum Realismus
Carl Philipp Fohr (1795 - 1818), einer der bedeutendsten Maler der Romantik, von dem es im Kurpfälzischen Museum ein Ölgemälde des Neckartals bei Stift Neuburg

Neuburg wurde Treffpunkt bedeutender Männer der Spätromantik. Da war einmal Josef Görres (1776 - 1848), Privatdozent in Heidelberg, Herausgeber der „Deutschen Volksbücher“ und des „Rheinischen Merkur“, Publizist der Freiheitskriege und Sprecher des katholischen Volksteils, ferner Justinus Kerner (1786 - 1862), Arzt und Schriftsteller in Weinsberg, Mittelpunkt der Schwäbischen Dichterschule, dann Ernst Fries (1801 - 1833), neben Carl Philipp Fohr (1795 - 1818) der bedeutendste Maler der Romantik, von dem es im Kurpfälzischen Museum ein Ölgemälde des Neckartals bei Stift Neuburg gibt.
 
Kardinal Johannes von Geißel (* 5. Februar 1796 in Gimmeldingen; + 8. September 1864 in Köln), geadelt 1839, zwischen 1837 und 1841 Bischof von Speyer und von 1845 bis 1864 Erzbischof von Köln
Kardinal Karl August von Reisach (* 6. Juli 1800 in Roth bei Nürnberg; + 16. Dezember 1869 in Contamine-sur-Arve), Bischof von Eichstätt zwischen 1836 und 1846, danach Erzbischof von München und Freising von 1846 bis 1856 und schließlich Kurienkardinal
Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler (* 25. Dez. 1811 in Münster; + 13. Juli 1877 in Kloster Burghausen), Bischof von Mainz und Politiker der Deutschen Zentrumspartei, Gründer der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung)
Bischof Johann Michael Sailer (geadelt 1826; * 17. November 1751 in Aresing, Oberbayern; + 20. Mai 1832 in Regensburg), bedeutender katholischer Theologe und Bischof von Regensburg

Franz Josef Mone (* 12. Mai 1796 in Mingolsheim; + 12. März 1871 in Karlsruhe), badischer Archivar und Historiker
Charles-Forbes-René, Comte de Montalembert (* 15. April 1810 in London; + 13. März 1870 in Paris), französischer Historiker und Politiker
Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (* 25. Oktober 1757 in Nassau; + 29. Juni 1831 in Cappenberg, Westfalen), bedeutender preußischer Staatsmann und Reformer.
Beda Weber, eigentlich Johann Chrysanth Weber, (* 26. Oktober 1798 in Lienz; + 28. Februar 1858 in Frankfurt am Main), Schriftsteller, Theologe und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung

Zu Gast waren auf längere oder kürzere Zeit außerdem die Kardinäle Johannes von Geißel (1796 - 1864) Johannes Baptist Jocob von Geißel, geadelt 1839 war Kardinal. Er war von 1837 bis 1841 Bischof von Speyer und von 1845 bis 1864 Erzbischof von Köln und Karl August von Reisach (1800 - 1869), die Bischöfe Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler (1811 - 1877) und Johann Michael Sailer (1751 – 1832), Franz Josef Mone (1796 – 1871), Charles de Montalember (1810 – 1870), Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757 – 1831), Beda (Johann Chrysanth) Weber (1798 – 1858), Clemens Brentano (1778 – 1842), Melchior Ferdinand Diepenbrock (1798 -1853), Ludwig Tieck (1773 – 1853), Johann Friedrich Overbeck (1789 – 1869), Eduard Jakob von Steinle (1810 – 1886) und Philipp Veit (1793 - 1877), Bischof Karl Joseph von Hefele (1809 – 1893) und Johann Adam Möhler (1796 – 1838).
 
Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche (* 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz); + 28. Juli 1842 in Aschaffenburg), Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik
Kardinal Melchior Ferdinand Joseph Freiherr von Diepenbrock (* 6. Januar 1798 in Bocholt; + 20. Januar 1853 auf Schloss Johannesberg im damaligen Österreichisch Schlesien), Fürstbischof von Breslau
Johann Ludwig Tieck ( 31. Mai 1773 in Berlin; + 28. April 1853 ebenda), Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik
Johann Friedrich Overbeck (* 3. Juli 1789 in Lübeck; + 12. November 1 869 in Rom), Maler, Zeichner und Illustrator, einer der bedeutendsten Protagonisten der Nazarener Kunst
 
Edward Jakob von Steinle, auch Eduard von Steinle, (* 2. Juli 1810 in Wien; + 19. September 1886 in Frankfurt am Main), Maler des 19. Jahrhunderts
Philipp Veit (* 13. Februar 1793 in Berlin; + 18. Dezember 1 877 in Mainz), Maler der Nazarener Schule
Bischof Karl Joseph von Hefele ( *15. März 1809 in Unterkochen; + 5. Juni 1893 in Rottenburg am Neckar), katholischer Kirchenhistoriker und der 3. Bischof des Bistums Rottenburg-Stuttgart
Johann Adam Möhler (* 6. Mai 1796 in Igersheim; + 12. April 1838 in München), katholischer Theologe, prägte die jüngere Tübinger Schule der Kirchen- und Bibelforschung

Zu nennen sind auch Goethes Enkel Walther und Wolf und Marianne von Willemer, Goethes „Suleika“, die fast jeden Sommer nach Neuburg kam. Wolfgang Maximilian von Goethe (1820 – 1883) war ein weiterer Enkel Goethes. Er arbeitete als Jurist und Preußischer Legationsrat.
 
Walther Wolfgang von Goethe (* 9. April 1818 in Weimar; + 15. April 1 885 in Leipzig), Kammerherr und Komponis, letzter lebender Nachfahre Johann Wolfgang von Goethes
Wolfgang Maximilian von Goethe (* 18. September 1820 in Weimar; + 20. Januar 1883 in Leipzig), weiterer Enkel von Johann Wolfgang von Goethe, Jurist und preußischer Legationsrat
Marianne von Willemer (*20 November 1784 in Linz; + 6. Dezember 1860 in Frankfurt am Main), aus Österreich stammende Schauspielerin und Tänzerin
HI. Klemens Maria Hofbauer (1751 - 1820), Angehöriger des Redemptoristen-Ordens, österreichischer Priester und Prediger, Stadtpatron von Wien, unter seiner geistlichen Betreuung ist das Ehepaar Schlosser am 21. Dezember 1814 zum Katholizismus konvertiert
 
Das Ehepaar Schlosser konvertierte 1814 in Wien bei Clemens Maria Hofbauer (* 1751; † 1820) zur katholischen Kirche. Im Bibliotheksflügel richtete er die erste Goethe-Gedenkstätte ein mit Schriften von und über den Dichter, Autographen, Bildern und sonstigen Erinnerungsgegenständen. Die wertvolle Bibliothek mit mehr als 30000 Bänden sollte später an das Mainzer Priesterseminar gehen. Park und Terrasse gestaltete der Karlsruher Gartenbaudirektor Johann Metzger (*1789; † 1852), der sich auch um die Erhaltung des Schlosses und die Gestaltung der Scheffelterrasse verdient gemacht hat.
Da das Ehepaar Schlosser keine Kinder hatte, ging Neuburg nach dem Tod der Frau Rat 1865 über eine Nichte Marie du Fay an die Familie der Freiherren von Bernus, ebenfalls einer angesehenen Frankfurter Familie. In ihrem Besitz blieb es bis 1926. Unter dem letzten weltlichen "Stiftsherrn", Alexander von Bernus, wurde Neuburg noch einmal zu einem Treffpunkt bedeutender Geister, allerdings ganz anderer Couleur als zu Schlossers Zeiten.
 
Alexander von Bernus (* 6. Februar 1880 in Aeschach bei Lindau; + 6. März 1965 auf Schloss Donaumünster in Donaumünster), deutscher Schriftsteller und Alchemist bzw. Spagyriker
Heinrich Wilhelm Trübner (* 3. Februar 1851 in Heidelberg; + 21. Dezember 1917 in Karlsruhe), deutscher Maler, gehörte dem so genannten „Leibl-Kreis“ um Wilhelm Leibl, stilistisch dem Realismus, Naturalismus und im Spätwerk dem deutschen Impressionismus an
Stefan Anton George (* 12. Juli 1868 in Bingen am Rhein; + 4. Dezember 1933 in Locarno), deutscher Lyriker

Karl Joseph Wolfskehl (* 17. September 1869 in Darmstadt; + 30. Juni 1948 in Auckland, Neuseeland), deutscher Schriftsteller und Übersetzer

Häufig kehrte der Maler Wilhelm Trübner (1851-1917), Akademie- Professor in Karlsruhe, im Stift ein und suchte sich Motive. Einige seiner Bilder befinden sich im hiesigen Kurpfälzischen Museum. Es kamen und gingen der Lyriker Stefan George (1868 – 1933), Karl Wolfskehl (1869 – 1948), Friedrich Gundolf (1880 -1931), Friedrich Gundolf war Dichter und Literaturwissenschaftler Rainer Maria Rilke (1875 – 1926), Richard Dehmel (1863 – 1920), Alfred Kubin (1877 – 1959), Friedrich Schnack (1888 – 1977), Richard Benz (1884 – 1966) und Klaus Mann (1906 – 1949). Weltanschaulich stand Alexander von Bernus der Anthroposophie nahe. In einem Briefwechsel mit Rudolf Steiner (1861 – 1925), dem Begründer der Anthroposophischen Gesellschaft, bot von Bernus diesem die Anhöhe hinter dem Stift, den sogenannten Stiftsbuckel, zum Bau des Goetheanums an, das dann aber in Dornach bei Basel als Zentrum der Anthroposophischen Gesellschaft entstand.
 
Friedrich Gundolf (Dichter und Literaturwissenschaftler) (1880 -1931)
Rainer Maria Rilke (Lyriker) (1875 – 1926)
Richard Dehmel (Dichter und Schriftsteller) (1863 – 1920)
Alfred Kubin (Graphiker, Schriftsteller und Buchillustrator) (1877 – 1959)
 
Friedrich Schnack (Schriftsteller und Journalist) (1888 – 1977)
Richard Benz (Kunsthistoriker und Schriftsteller) (1884 – 1966)
Klaus Mann (Schriftsteller) (1906 – 1949)
Rudolf Steiner (1861 – 1925), Begründer der Anthroposophischen Gesellschaft

Die Nachkriegsjahre gestatteten es dem Privatmann nicht mehr, einen so ausgedehnten Besitz wie Stift Neuburg zu halten. Als die Benediktiner im Badener Land ein Kloster eröffnen wollten und Bernus der Erzabtei Beuron das Stift anbot, begrüßten viele diese Gründung. Kurz vor dem Verkauf an die Benediktiner veröffentlichte Bernus eine Gedichtsammlung mit Holzschnitten von Joachim Lutz (1906 – 1954) über "Stift Neuburg". Dass dem Dichter die Trennung nicht leicht geworden ist, dokumentiert sein Gedicht "Abschiedsabend auf Stift Neuburg - Mir selbst und einigen Freunden zum 13. Februar 1927". In ihm schrieb er: "Wer selber je empfunden, / Was Abschiednehmen sei, / Wer solchen Tod erlitten, / Der fragt nicht erst: Warum? / Mein Stift, ererbt, erworben, / Verwaltet wie ein Amt: / Heut gebe ich‘s dem Orden / Zurück, von dem es stammt."
 
Ostpark, Fotographie

Der Ostpark, Gemälde von Imogen von Bernus, 1914
 
Einfahrtsweg, Heinrich Friedrich Trübner, 1913
 
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Die Neugründung 1926