Klosterkirche
Die Idee
Die durch die Jahrhunderte immer wieder umgebaute und neu gestaltete Abteikirche erfährt 2010/2011 ihre letzte umfassende Renovierung und Umgestaltung des Innenraums.
Schon viele Jahre hatten wir Neuburger Benediktiner den Plan, unsere Klosterkirche zu verschönern. Ein sakraler Raum sollte entstehen, in dem die Einfachheit und Schönheit den Eintretenden berührt und für die geheimnisvolle Gegenwart Gottes öffnet. 2010/2011 wurde diese Vorstellung mit Hilfe Vieler in die Tat umgesetzt.
Neben dem Architekten Christian Taufenbach sei die Künstlerin Maria Theresia von Fürstenberg genannt, die die Fenster im Kirchenschiff neu gestaltete, und Christoph Beißer, der alles herstellte, was aus gerostetem Cortenstahl gefertigt ist.
Gang durch die Kirche
Eine Kirche ist immer auch ein Katechismus oder eine Glaubensschule. Schon die Tür erinnert an Jesus, der von sich gesagt hat: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ (Joh 10,9) Wer weiter geht, kommt als erstes zum Tauferinnerungsort, einem Brunnen, aus dem ständig Wasser der klostereigenen Quelle fließt. Aller Gottesdienst verweist uns auf die eigene Taufe, auf unser Christsein. Dass wir zu Christus gehören, erinnern wir uns, wenn wir das geweihte Wasser nehmen und uns mit ihm bekreuzigen.
Im Eingangsbereich ist ein Raum entstanden, der sich nach oben öffnet. Die renovierte Klais-Orgel von 1962 mit 34 Registern und 3 Manualen ist jetzt mit einer Stahlkonstruktion im Dachstuhl aufgehängt.
Der Blick in die Kirche trifft auf einen offenen Raum und geht ungehindert bis zum Altar. Es gibt keine streng voneinander getrennten Bereiche mehr für den Priester, die Mönche und die übrigen Gläubigen. Sie alle werden verbunden durch einen durchgehenden Boden aus Douglasienholz, das aus dem Heidelberger Stadtwald stammt. Die Kirchenbänke sind in großer Schlichtheit gestaltet. Das Chorgestühl bezeichnet mit seiner doppelten L-Form den gesonderten Ort des Gebetes für die Mönche. Hier ist ein intimer Raum entstanden, wo die Gemeinschaft fünfmal am Tag zum Gotteslob zusammenkommt.
Der Altar ist ein Symbol für Christus. Auf ihm wird das eucharistische Mahl gefeiert, das für uns Christen von zentraler Bedeutung ist. Hier erinnern wir uns daran, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist und sein Leben bis ans Kreuz für uns eingesetzt hat. In diese Hingabe werden wir hineingenommen, wenn wir den Leib und das Blut Christi unter den Gestalten von Brot und Wein empfangen. – Der Altar ist aus Teilen zweier früherer Seitenaltäre gefertigt worden. Er ist mit einem rostigen Stahlmantel umkleidet, der auf der Innenseite mit Weißgold belegt ist als Ausdruck unserer Verehrung. Hier kommt die Kostbarkeit und Würde des Altares noch einmal besonders zur Geltung.
Auf der rechten Seite steht der Ambo, ebenfalls aus gerostetem Cortenstahl gefertigt. Er ist der Ort der Verkündung und Auslegung der Bibel. Zum Tisch des Brotes gehört im christlichen Gottesdienst der Tisch des Wortes. Beide ergänzen einander, was auch in der künstlerischen Gestaltung zum Ausdruck kommt. – Den Abschluss des Altarraumes bildet ein goldenes Kreuz, das auf der einen Seite die Darstellung des gekreuzigten Christus trägt, auf der anderen mit kostbaren Steinen geziert ist.
Die Botschaft der Decke über dem Kirchenschiff ist nicht ohne Erklärung zu entziffern. Die unregelmäßigen weißen Streifen richten sich in ihrer Breite nach den Wortlängen des lateinischen Eröffnungsverses zum Kirchweihfest: „Terribilis est locus iste: hic domus Dei est et porta caeli. – Ehrfurchtgebietend ist dieser Ort: Hier ist das Haus Gottes und das Tor zum Himmel.“ Dadurch klingt noch einmal die Besonderheit dieses Raumes an, der ganz der Erfahrung und der Feier der Gegenwart Gottes geweiht ist.
Dies wird auf eigene Weise durch die Buntglasfenster verdeutlicht. Die figürlichen Scheiben im Altarraum blieben in ihrer bisherigen Gestalt erhalten. Sie wurden vor fünfzig Jahren von Valentin Feuerstein geschaffen. In der Mitte sehen wir ein Christusfenster, links daneben ein Marienfenster, rechts an Benediktsfenster und an beiden Seiten je ein Fenster mit Szenen aus dem Alten Testament. Damals setzte man im Kirchenschiff farblose Fenster ein. Diese wurden nun durch farbige, aber bewusst äußerst einfach gehaltene ersetzt. Die Künstlerin Maria Theresia von Fürstenberg hat Farben und Struktur der bestehenden Fenster aufgegriffen, ohne in Konkurrenz zu ihnen zu treten. So entsteht eine verhaltene Atmosphäre, in der das Blau den Grundton bildet und sich mit den anderen Farben zu unterschiedlichen Nuancen des Violett verbindet. Alle neuen Fenster haben in der Mitte ein weißes Feld, das in betontem Kontrast zu dem Glas steht, das es einfasst. Es deutet inmitten der leuchtenden Pracht deutet auf Christus hin, dem ungeschaffenen Licht, aus dem alle Farben der Schöpfung hervorgehen.
Für die Seiten- oder Sakramentskapelle wurden Altar und Tabernakel neu gestaltet. Auch hier wurde auf größtmögliche Schlichtheit geachtet. Der Tabernakel greift das Blau und das Weiß der Fenster auf. Der Beichtstuhl bietet jetzt die Möglichkeit zum Gespräch. - Die Kapelle gewährt in ihrer neuen Gestalt einen Durchblick zur ehemaligen Johanneskapelle, die jetzt dem Gedächtnis der Heiligen gewidmet ist. Dies ist der älteste erhaltene Bauteil des Klosters aus dem 14. Jahrhundert. Hier befinden sich eine Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert und eine Figur Papst Gregors des Großen aus dem 13. Jahrhundert. In einem der historischen Buntglasfenster ist der Apostel Bartholomäus dargestellt, der Patron der Kirche und des Klosters. Hier befindet sich auch eine Bank, auf der sich der Beter niederlassen und mit den Heiligen ins Gespräch kommen kann.
Wer diese Kirche betritt, wird wenig erleben, was ihn ablenkt. Der Raum will zur Begegnung mit Gott und mit sich selbst einladen. Dies geschieht, wenn man sich einen Augenblick Zeit nimmt und alles loslässt, was einen innerlich gefangen hält und ablenkt.
Wir Neuburger Mönche wünschen unseren Besuchern Augenblicke in unserer Kirche, die ihr Leben vertiefen und bereichern.





















