Unser Kloster
Die Gottsuche
Jeder, der sich am Ideal des Evangeliums ausrichtet, um Gott zu suchen, braucht eine Ordnung und konkrete Regelungen, damit er dieses hohe Ziel in der Realität auch erreichen kann. Obwohl Benedikt seine Mönchsregel für seine Zeit, die Spätantike, und für seine konkrete Gemeinschaft auf dem Monte Cassino geschrieben hat, zeichnet sie sich durch eine so hohe Qualität aus, dass diese Klosterregel aus dem 6. Jahrhundert die Grundlage klösterlichen Lebens bis heute geblieben ist. Sie muss jedoch zu jeder Zeit neu und authentisch ausgelegt werden.
Auch unsere Klostergemeinschaft in Neuburg steht in diesem Prozess des stetigen Fragens nach dem Willen Gottes im Hier und Heute. Unter der Leitung des Abtes gestalten die Brüder gemeinsam ihren Alltag mit dem Rhythmus von Gebet und Arbeit und Erholung, Werktag und Fest. In regelmäßigen Zusammenkünften beraten sie über praktische Fragen des gemeinsamen Lebens.
Der Abt und der Konvent
Die Führungsaufgabe des Abtes ist vor allem geistlich ausgerichtet. Nach dem Verständnis der Regel vertritt er die Stelle Christi im Kloster. Für Benedikt ist der Abt Lehrer, Hirte und Vater der Brüdergemeinde. Er ist für das Heil der ihm anvertrauten Glieder vor Gott verantwortlich. Der Abt hat vor allen Dingen Sorge zu tragen, dass die Brüder auf ihrem geistlichen Weg voranschreiten. Er soll den Eigenarten der einzelnen in einer Weise dienen, die es ihnen ermöglicht, sich mit ihren Gaben in die Gemeinschaft einzubringen.
Alle Brüder unterstützen den Abt in seinem Dienst, jeder auf dem Platz, an dem er zum Nutzen aller gebraucht wird. In besonderer Weise sind hier der Prior, der Cellerar und der Novizenmeister gefordert. Der Prior ist Stellvertreter des Abtes. Er leitet die Gemeinschaft, wenn der Abt auf Reisen oder aus anderen Gründen verhindert ist. Der Cellerar ist für die wirtschaftlichen Belange des Klosters zuständig. Der Novizenmeister führt die neu hinzukommenden Brüder in das Mönchsleben ein.
Bei vielen Fragen berät sich der Abt mit der ganzen Gemeinschaft. Bei wichtigen Entscheidungen müssen die Brüder zustimmen, bei sehr wichtigen mit Zweidrittelmehrheit wie z.B. bei der Wahl eines Abtes oder bei der Aufnahme eines Bruders in die Gemeinschaft.
Für das normale „Alltagsgeschäft“ steht dem Abt das Seniorat zur Seite, der Ältestenrat. Deren Mitglieder werden zur Hälfte vom Abt ernannt, zur Hälfte vom Konvent gewählt.
Die Pax benedictina, der Frieden bei Benedikt
Alle Mönche tragen gemeinsam für den inneren Frieden in der Gemeinschaft Verantwortung. Nur so kann geistliches Leben gelingen. Dieser Friede ist der Grund, auf dem das gemeinsame Gebet ruht und über die Grenzen des Klosters hinaus fruchtbar werden kann.
Gott ist das eigentliche Ziel der Gemeinschaft. P. Anselm Grün schreibt: „Wenn Gott im Mittelpunkt steht, kann auch der Mensch in seine Mitte finden. Und wenn Gott das eigentliche Ziel einer Gemeinschaft ist, dann wird sie fähig, trotz aller Verschiedenheit der Mönche, untereinander in Frieden zu leben … Nicht ob man sich in der Gemeinschaft wohlfühlt ist das Kriterium, sondern ob man sich in der Gemeinschaft getragen fühlt von Gott. Die Gemeinschaft erfüllt unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Getragen-Sein, und sie enttäuscht sie zugleich. Durch die Erfahrungen von Erfüllung und Enttäuschung werden wir immer mehr aufgebrochen für Gott, der das eigentliche Ziel unseres gemeinsamen Suchens ist.“
Ora et labora, bete und arbeite in Gemeinschaft
„Man kann doch nicht den ganzen Tag beten?“ Diese an Mönche oft gestellte Frage kann man mit Ja und nein beantworten. Es stimmt, auch Benediktiner müssen für ihren Lebensunterhalt sorgen. Und Benedikt legt großen Wert darauf, dass die Mönche mit ihrer eigenen Hände Arbeit verdienen, was sie brauchen, zumal kein Orden regelmäßige Zuwendungen aus Kirchensteuermitteln erhält. Über dieser Sorge um die alltäglichen Dinge steht bei Benedikt aber der Grundsatz „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“ (RB 43,3). Eine klösterliche Gemeinschaft hat also immer die Aufgabe, Gebet und Arbeit in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Dabei steht das Gebet deutlich an erster Stelle.
Das gemeinsame Gotteslob gibt die Struktur eines jeden Tages vor. Wenn wir uns zu den verschiedenen Gebetszeiten versammeln, folgen wir der biblischen Aufforderung, die allen Gläubigen gilt, allezeit zu beten, d. h. das ganze Leben aus der Gemeinschaft mit Gott heraus zu gestalten und von ihm prägen zu lassen. Schon im Judentum und bei den ersten Christen war es üblich, zu bestimmten Zeiten des Tages die gewohnte Arbeit zu unterbrechen und sich auf Gottes Wirklichkeit im Gebet neu zu besinnen. Unter dem Einfluss der Regel Benedikts hat sich in der lateinischen Kirche die bis heute gültige Stundenliturgie entwickelt.
Das Stundengebet ist Gotteslob, bei dem wir Gott, dem Schöpfer und Erlöser, die Ehre geben, aber es ist auch stellvertretendes Bitten und Beten für die vielen Menschen, die heute nicht mehr beten können, die stumm geworden sind vor Gott, aus deren alltäglichem Horizont er entschwunden ist.
Die Welt mit ihren Nöten und ihrer Gottesverfinsterung in das Licht Gottes zu halten, so dass sie Heil erfährt und das Leben Sinn empfängt, ist für uns Mönche vielleicht das wichtigste Tun. Viele kommen mit einem Gebetsanliegen zu uns und haben das Vertrauen, dass ihr Anliegen vor Gott gebracht wird. Eine alte kirchliche Überzeugung sagt, die Welt bestehe nur noch, weil es Orte gibt, an denen unablässig gebetet wird.
Die Eucharistiefeier ist die Quelle und der Höhepunkt des gesamten christlichen Lebens, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert. Die beste Tageszeit ist für sie im Kloster ausgespart. In der Messe werden wir hineingenommen in den Tod und die Auferstehung Christi. Seine Liebe hält uns hinein in das Leben des Dreifaltigen Gottes.
An jedem Morgen versammeln sich in Neuburg die Mönche um 8.00 Uhr, sonntags um 10.00 Uhr, zur Feier des Geheimnisses von Tod und Auferstehung Jesu. Aber bereits vorher, am frühen Morgen, beginnt das Gebet werktags um 7.00 Uhr mit den Vigilien und den Laudes, dem kirchlichen Morgenlob. Am Abend feiern wir die Vesper, das Abendlob, um 17.30 Uhr.
Die Zeit zwischen den Gebeten am Morgen und am Abend ist mit einem Wechsel von Arbeit, Erholung und einer Gebetszeit am Mittag gefüllt. Am Vormittag schließt sich nach der Messe die ca. dreistündige Arbeitszeit an. Um 12.00 Uhr beten wir die Sext.
Bevor wir um 15 Uhr für zweieinhalb Stunden wieder an die Arbeit gehen, ist eine Ruhepause, die Siesta. Der Tageslauf wird vollendet mit der Komplet, dem kirchlichen Nachtgebet, um 19.30 Uhr.
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Gottesdienst und Seelsorge
Die Mönchsväter übten die sogenannte „ruminatio“, das „Wiederkäuen“ eines Bibelwortes, das sie innerlich immer wieder wiederholten und meditierten. So wurden sie sich auch der Gegenwart Gottes bewusst, der durch sein Wort in ihr Herz sprechen will.
Das berühmte Jesusgebet war das beliebteste Wort, in dem die Mönche die Quintessenz ihrer Christusbeziehung ständig wiederholten und sich aneigneten: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner“. Mit dem Atem verbunden wurde es zum unablässigen Gebet bei allen Lebensvollzügen. Dieses „Wiederkäuen“ führt den Beter immer stärker in die Verbundenheit mit Gott und in die eigene Mitte, in der Gott in ihm wohnt.
Auch die „lectio divina“ spielt im Mönchtum eine wichtige Rolle. Gemeint ist das meditative Lesen eines Bibelabschnittes oder eines anderen Buches. Für Benedikt ist es ein wichtiger Weg, Christus nahe zu sein und Verstand, Sinn und Herz zu beflügeln.
„Müßiggang ist der Seele Feind“, schreibt Benedikt.
Die Arbeit ist Gegengewicht zum intensiven Gebetsleben. Hier kommen die schöpferischen Kräfte und das Bedürfnis nach körperlicher Betätigung und Bewegung zu ihrem Recht. Der Wechsel von Gebet und Arbeit hält das Verhältnis von Seele und Leib in einem gesunden Gleichgewicht. Mit diesem Grundsatz haben die Klöster ja im Laufe der Jahrhunderte bedeutende Kulturleistungen erbracht.
Dass die Mönche sich von ihrer eigenen Hände Arbeit ernähren sollen, führt auch zu einer „geerdeten Frömmigkeit“, zu einer Spiritualität, die nicht nur Fühlen und Denken befruchtet, sondern den ganzen Menschen vor Gott zur Sprache bringt, der nüchtern und realistisch an seinem Platz steht und sich ganz einsetzt mit Seele und Leib.
Die konkrete Gestalt der klösterlichen Arbeit richtet sich nach den Gaben und Fähigkeiten in der Gemeinschaft und nach den Notwendigkeiten des Klosters selbst und seiner Umgebung. Da diese einem steten Wandel unterliegen, können auch die Aufgabengebiete im Kloster wechseln.
Gebet, Arbeit und das Leben in Gemeinschaft könnte man von der Psychologie her als Kriterium seelischer Gesundheit nennen: Emotionsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit.
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Pachtbetriebe
In der Regel Benedikts hat die Gastfreundschaft einen hohen Wert. Wie Christus selbst soll der Gast im Kloster aufgenommen werden. Durch die Jahrhunderte ist die benediktinische Gastfreundschaft sprichwörtlich geworden.
Benedikt steht hier in der besten menschlichen und christlichen Tradition. Das Christentum konnte sich in den ersten Jahrhunderten wie ein Lauffeuer ausbreiten, weil die Christen für ihre Armen, Witwen und Waisen sorgten, eine würdige Bestattung ihrer Verstorbenen sicherten und weil sie, in einer Zeit, in der der Fremde keinen Schutz genoss, die Gastfreundschaft, hauptsächlich gegenüber Glaubensbrüdern, pflegten.
Heute sind die Klöster Orte, an denen suchende Menschen in einen Raum des Gottsuchens eintreten, in dem sie sich angenommen wissen, in einen Raum der Stille, in der Gott vernehmbar werden kann. Benedikt will, dass die Gäste bei ihrem Aufenthalt mit allem gut versorgt werden. Wichtiger als die leiblichen sind ihm dabei die geistigen Bedürfnisse. Die Gäste sollen im Kloster Hilfe finden und gerüstet werden für ihr Leben, für ihren Glauben, der oft angefochten ist und sich im Alltag zu bewähren hat.
Benediktinische Spiritualität will aufbauen und Hoffnung schenken, optimistisch sein und gleichzeitig realistisch. Sie will etwas von der frohen und befreienden Botschaft Jesu vermitteln, nicht moralisierend, sondern hinführend zu einer intensiven Gotteserfahrung und einer neuen Selbsterfahrung, dass ich in Christus von Gott angenommen und erlöst bin.
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Gästehaus
In seiner Regel schreibt Benedikt: „Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen; man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus“ (RB 36,1). In der älterwerdenden Gesellschaft und in den älterwerdenden Klostergemeinschaften ist das heute eine zentrale Frage geworden. Jedes Kloster hat eine eigene Krankenstation und einen Bruder, der für die Alten und Kranken die Hauptsorge trägt, so dass ein Bruder, der gepflegt werden muss, im Kloster bleiben und betreut werden kann. Dabei kann der alte oder kranke Bruder je nach seinen Kräften und Möglichkeiten an Leben der Gemeinschaft teilnehmen und sich durch kleine Dienste noch einsetzen.
Aus Aufenthalten im Kloster erwächst manchmal eine tiefe Verbundenheit zu Neuburg. Männer und Frauen können sich der Gemeinschaft als Oblaten anschließen. In der Oblation (Darbringung) bekräftigen sie ihren Willen und Entschluss, ihr christliches Leben in Familie und Beruf nach dem Evangelium auszurichten. Die Anregungen der Regel Benedikts haben sie für ihre Lebenssituation als hilfreich erfahren. Sie stehen in regelmäßigem Austausch mit „ihrem“ Kloster und mit den anderen Oblaten.
Diese Bindung ist aber nicht etwa als eine Art „Ordenseintritt light“ zu verstehen, sondern als eine in einen spirituellen Rahmen eingebettete menschliche Beziehungsaufnahme zwischen Klostergemeinschaft und Oblaten, die geprägt ist durch das gemeinsame Gebet, den Erfahrungsaustausch und durch gegenseitige Hilfeleistungen. Das Wesentliche der Oblation ist das bewusste und lebenslange Ja zu Gott und das Versprechen, sein Leben fortan auf ihn hin auszurichten. Die Neuburger Oblatengemeinschaft besteht gegenwärtig aus 30 Frauen und Männer.
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