Die Neugründung 1926
Wiederbesiedelung von Neuburg 1926
In Baden gab es bis zur Säkularisation zahlreiche Klöster, etwa so berühmte wie Salem, St. Blasien, St. Peter, St. Märgen, St. Trudpert oder Gengenbach. Deshalb war der vielseitige Wunsch nach einem Benediktinerkloster in unserer Region verständlich. Nach langen Überlegungen und einem kurzen Neubeginn auf dem Michaelsberg bei Bruchsal entschied sich die Erzabtei Beuron für das ehemalige Benediktinerkloster Stift Neuburg. Die Nähe zur Stadt und Universität Heidelberg sowie die lange Geschichte von Neuburg als ehemaliges Tochterkloster von Lorsch sprachen für diesen Standort. Hinzu kam, dass zu diesem Zeitpunkt der vormalige Besitzer, Alexander von Bernus, bereit war, das Anwesen an die Benediktiner zu veräußern. Erzabt Raphael Walzer von Beuron war von dem Standort in Heidelberg begeistert und setzte sich persönlich nachdrücklich für diese Neugründung ein. Hochbetagt lebte er von Algerien kommend von 1964 bis zu seinem Tod am 19. Juni 1966 in Neuburg.
Nach ersten Verkaufsverhandlungen 1924 zogen die Mönche vom Michaelsberg, wo sie zuvor zwei Jahre lang waren, am 30. November 1926 nach Neuburg. Weitere Mönche folgten aus Beuron. Innerhalb von zwei Jahren wurde Neuburg bereits zur Abtei erhoben und in die Selbstständigkeit entlassen. Als ersten Abt setzte der Erzabt 1929 Adalbert von Neipperg ein, der bereits 1934 von seinem äbtlichen Amt zurücktreten musste.
In der Folgezeit leiteten Administratoren die Neuburger Mönchsgemeinde, zuerst der Beuroner P. Amandus Gsell, ab 1938 P. Lukas Bischoff, der bereits in den Anfängen der Gründergruppe vorgestanden hatte.
Die wirtschaftliche Situation Neuburgs in den Gründerjahren
Der junge Konvent sah sich zunächst mit vielen finanziellen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Das neu gegründete Kloster war durch den Kauf des Anwesens mit einer hohen Hypothek belastet. Wie aus alten Fotos ersichtlich war die ehemalige „Romantikerklause“ zum Zeitpunkt der Übernahme in einem vernachlässigten und der weitläufige Park in einem verwilderten Zustand. Die Gebäude mussten notdürftig saniert und den neuen Anforderungen des Konventes angepasst werden. Auch die Kirche war zu renovieren und das Kirchendach zu erneuern. Zusätzliche Mönchszellen wurden benötigt. Das Studium der jungen Mönche war zu finanzieren. Neuburg benötigte deshalb dringend zur Tilgung seiner Schulden und dem Ausbau des Klosters regelmäßige Einnahmen.
In der Folgezeit hielten die Patres Exerzitien, Einkehrtage, Fastenpredigten, halfen bei Pfarrvertretungen, Beichtaushilfen und in der Seelsorge der zahlreichen Schwesterhäuser, insbesondere in den umliegenden Krankenhäusern. In über zwanzig Schwesternhäusern waren die Priestermönche als Beichtväter tätig.
Die Übernahme einer Pfarrstelle ist normalerweise in der Beuroner Kongregation nicht vorgesehen. Trotzdem übernahm die Abtei im Mai 1933 bis 1955 die Pfarrkuratie in Schlierbach auf der gegenüberliegenden Neckarseite. In dieser Zeit wurde das Hotel Restaurant „Jägerhaus“ von der Abtei als Pfarrhaus und Gästehaus erworben. 1941 verkaufte die Abtei das Gebäude wieder an die Pfarrgemeinde Schlierbach.
Seit der Wiederbesiedlung engagiert sich die Abtei auch in der pastoralen Betreuung der Pfarrei St. Laurentius, Ziegelhausen, insbesondere in der Filiale Peterstal.
Während der Nazizeit, ab 1942, wurde für Neuburg eine eigene Pfarrkuratie eingerichtet. Die Pfarrkuratie St. Bartholomäus umfasste das Gebiet von der Heidelberger Hirschgasse bis einschließlich der Neckarhelle in Ziegelhausen und den angrenzenden Wohngebieten. Mit dieser Maßnahme wollte man einer kompletten Aufhebung und Schließung des Klosters vorbeugen. Für die Pfarrei wurden mehrere Patres als Seelsorger eingeplant. Auf Wunsch des Konventes trennte man sich 1960 wieder von dieser Pfarrkuratie.
Tatsächlich hat die Abtei die Nazizeit und die Kriegsjahre, im Gegensatz zu vielen anderen Klöstern, relativ unbeschadet überdauert. Trotzdem kam es immer wieder zu Hausdurchsuchungen, Verhören und Verhaftungen. Nahezu die Hälfte des Konvents musste in den Krieg ziehen, aus dem zwei Patres und vier Brüder nicht mehr zurückkehrten. Gleichzeitig fanden Mönche aus anderen, inzwischen von den Nazis geschlossenen Klöstern, z. B. Seckau (Steiermark) und Weingarten (Württemberg), Zuflucht in Neuburg.
Während des Krieges waren pflegebedürftige Menschen mit ihren Pflegern aus einem ausgebombten Altersheim in Wanne-Eickel im Kloster untergebracht. 1944 wurde es komplett von der Organisation Todt beschlagnahmt und anschließend wurden Barackenlager errichtet. Diese Baracken dienten dann nach dem Krieg Vertriebenen aus den Ostgebieten als Behausung. Die Lager bestanden bis Ende der 50er Jahre. Mehrere Lagerbewohner fanden im Kloster Arbeit.
Die Arbeit der Brüder
In den ersten Jahren nach der Gründung lag eine sehr große Arbeitslast auf den Brüdern. Wegen der hohen Kosten wurden alle anfallenden Tätigkeiten vorzugsweise von ihnen selbst ausgeführt. Dazu kamen auch Aushilfen aus Beuron und anderen Abteien.
Neben dem Umbau der Gebäude galt es die Versorgung des Konventes sicherzustellen. Deshalb musste das umliegende und zum Kloster gehörende große Areal bewirtschaftet werden. Die alten Ökonomiegebäude waren in einem mangelhaften Zustand und für eine rentable Landwirtschaft ungeeignet. 1935/36 wurde deshalb ein neuer Stall mit Scheune im Mausbachtal gebaut. Die Milchproduktion wurde eine regelmäßige und gute Einnahmequelle.
Zur Milchproduktion kamen Ackerbau, Schweinezucht, Forellenzucht und der Obstbau auf den ausgedehnten Streuobstwiesen. Weiterhin gehörten eine Imkerei, eine kleine Schafherde, eine Hühnerfarm und eine Gärtnerei zum Kloster.
Gemessen an den kleinbäuerlichen Nebenerwerbsbetrieben in der näheren Umgebung wurde die Landwirtschaft des Klosters zu einem respektablen und vorbildlichen Gutshof. Wegen der topographischen Gegebenheiten mit den steilen Hanglagen waren die Wiesen mit den Obstbäumen und die Felder sehr mühsam zu bewirtschaften.
Solange es der Personalstand ermöglichte, gab es eine Schneiderei, Schreinerei, Schlosserei und eine Buchbinderei. Da einige Brüder die Meisterprüfung hatten, wurden auch Lehrlinge ausgebildet.
Nachkriegsjahre
Erst unter dem Ende 1948 gewählten zweiten Abt, Dr. Albert Ohlmeyer aus der westfälischen Abtei Gerleve, konnte der äußere und innere Aufbau der Gemeinschaft zielstrebig fortgesetzt werden. Die Klostergebäude wurden ergänzt und erweitert. Im Oktober 1960 wurde die renovierte und um den jetzigen Altarraum verlängerte Kirche eingeweiht. Es fehlte nicht an jungen Männern, die in Neuburg eintraten. Die wirtschaftliche Situation entspannte sich merklich.
Ab 1947 übernahm Pater Conrad Stoffel einen Lehrauftrag als Dozent für Latein des römischen Rechtes an der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg. Später arbeiteten Patres als Religionslehrer am Bunsen Gymnasium, dem Lise- Meitner- Gymnasium und dem Heidelberg College.
Darüber hinaus übernahmen sie zusätzliche seelsorgerische Tätigkeiten, wie Trauungen, Taufen und Beichtgespräche. Neuburg war wegen seiner besonderen Atmosphäre für Trauungen immer sehr beliebt. Nahe bei der Stadt gelegen, behielten die Patres auch die geistliche Betreuung, verbunden mit den täglichen Messfeiern, bei den Schwesternkonventen in den Heidelberger Kliniken und Altersheimen bei. Da waren insbesondere das St. Josefs- und St. Elisabethkrankenhaus, und das Altersheim St. Hedwig. Eine besondere Bedeutung kam dem St. Paulusheim zu. Das Kinderheim hatte am Fuße der Abtei ein großes Haus sowie eine kleine Dependance, das „Häuschen“ auf dem Klosterareal neben der Ökonomie. Lioba- Schwestern aus Freiburg- Günterstal, zu denen bereits Abt Adalbert gute Kontakte unterhielt, leiteten das Haus. Vor einigen Jahren wurde das Kinderheim in den Stadtteil Rohrbach verlegt.
In den Sommermonaten fanden regelmäßig Priesterexerzitien statt. Das heutige Gästehaus diente als Studentenwohnheim. Nahe dem Kloster wurde St. Hildegard, ein Haus für Studentinnen errichtet, das später als Bildungshaus der Diözese Freiburg diente.
Nachdem Abt Albert die für die Äbte der Beuroner Benediktinerkongregation vorgesehene Altersgrenze von 70 Jahren erreicht hatte, wählte der Konvent im Dezember 1976 P. Maurus Berve zum dritten Abt. Unter seiner Leitung wurden der West- und der Südflügel gründlich renoviert. Die Feier der Liturgie wurde den Bestimmungen des II. Vatikanischen Konzils angepasst. Nach seinem frühen Tod am 27. Januar 1986 - Abt Maurus zählte nicht einmal sechzig Jahre - übertrugen die Mönche P. Franziskus Heereman von Zuydtwyck aus der Trappistenabtei Mariawald in der Eifel die Leitung ihres Klosters, die er bis März 2016 innehatte.
2016 wählte der Konvent P. Winfried Schwab aus der Abtei Admont in der Steiermark zu ihrem neuen Abt. Wegen einer Erkrankung musste er sein Amt bereits im September 2018 aufgeben.
Bis April 2020 leitete P. Ambrosius Leidinger komisarisch die Abtei.
Im April 2020 wurde dann P. Benedikt Pahl als Konventualprior mit einer Amtszeit von 6 Jahren mit der Leitung der Abtei beauftragt.
Neuburg heute
Mit zunehmendem Alter der Brüdermönche und dem einhergehenden Personalmangel wurde es immer schwieriger, die Ökonomie in eigener Regie weiter zu betreiben. Deshalb wurde der Betrieb 2007 verpachtet. Inzwischen haben sich ein Gasthof und eine Hausbrauerei angesiedelt.
Ganz unterschiedliche Tätigkeiten werden im Kloster ausgeübt. Eine wichtige Rolle spielt die Seelsorge. Neben Aushilfen in der Pfarrei kommen durch die Nähe zur Stadt seit dem Bestehen der Abtei täglich etliche Menschen mit ihren unterschiedlichsten Sorgen und Nöten an die Klosterpforte. Die Mönche versuchen nach den gegebenen Möglichkeiten zu helfen. So bekommen zum Beispiel immer wieder Hilfsbedürftige ein warmes Mittagessen gereicht.






















