Pfingsten

31.05.2026 |

Predigt | Lesejahr A - Dreifaltigkeitssonntag,  Joh 3, 16-18

P. Ambrosius Leidinger, 31.05.2026

Meine lieben Schwestern und Brüder!
 
Es war im Rheinland: Nach einer schlechten Prüfung fragt der Theologie- Professor den Studenten: „Na, können Sie mir denn wenigstens die Hl. Dreifaltigkeit erklären?“ „Jawohl, das kann ich!“ Und der Professor: „Tut mir leid, dann sind Sie durchgefallen. Die Hl. Dreifaltigkeit kann niemand erklären.“
Bei Mutter Teresa fand ich einen ganz anderen Zugang zum Geheimnis der Hl. Dreifaltigkeit. Sie sagt:
„Wenn einer fragt, zeig uns deinen Gott, dann müssen wir antworten: Sieh unser Leben, wie wir uns um Menschen mühen, wie wir mit Konflikten umgehen, mit eigener und fremder Schuld, wie wir nicht ruhen angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt, wie wir versuchen Frieden zu stiften, … sieh, wie wir sterben, dann weißt du, wer Gott, der Dreifaltige, ist. Du weißt, wer Gott ist, wenn Jesus sich in deinem Leben zeigt und in deinem Tod.“ Wenn Jesus sich in unserem Leben zeigt, dann ist der Dreifaltige Gott gegenwärtig.
Dadurch, dass Gott in Jesus Mensch wurde, hat er uns Menschen in seine Gemeinschaft mit seinem Sohn hineingenommen, nicht irgendwie, nicht nur geistig, sondern wirklich, leibhaftig, durch den Tod hindurch.
Diese Kraft der Liebe, die aus Gott kommt, diese Beziehung von Vater und Sohn, bestimmt Jesus in seiner ganzen Identität und Sendung. Die Kraft dieser Liebe ist der Hl. Geist.
Die Liebe Gottes für unsgeht unserer Entscheidung für ihn voraus. Anselm Grün schreibt: „Gott liebt uns nicht, weil wir glauben, sondern wir können glauben, weil wir geliebt sind.“ Glaube ist Antwort auf eine bereits geschehene Zuwendung von Gott.
„Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte…“
Gott kommt nicht als Richter, nicht als moralische Instanz. Er kommt als Zuwendung. Johannes Bours formuliert es so: „Das Gericht Gottes besteht darin, dass er uns ernst nimmt – nicht darin, dass er uns verurteilt.“
Die Worte vom Gericht stehen im Zusammenhang des Gespräches mit Nikodemus, dem Pharisäer, der bei Nacht zu Jesus kommt. Aus dem Gespräch wird Offenbarung, aus der Frage eines Einzelnen ein Wort über das Ganze. Der berühmte Satz „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt“ fällt nicht in eine Atmosphäre klarer religiöser Überzeugung, sondern in die Nacht eines suchenden Menschen. Das Christliche beginnt nicht im Tageslicht souveräner Gewissheit. Es beginnt im Dunkel, im tastenden Fragen, im Unverstanden-Sein.
„Gott hat die Welt so sehr geliebt.“ Nicht: Gott hat die Frommen geliebt. Nicht: Gott hat den gelungenen Menschen geliebt. Dass Gott die Welt liebt, heißt also: Er liebt nicht nur das Ideale. Er liebt den Menschen in seiner Ambivalenz, seiner Verstrickung, seiner Gottesferne, seiner Angst, seiner Selbstverschließung. Gottes Liebe ist nicht Reaktion auf Liebenswürdigkeit von unserer Seite. Gott Liebe geht viel tiefer. Gottes Liebe ist Ursprung von allem.
Clemens von Alexandrien, ein Kirchenvater der Frühen Kirche, sagt es so:
„Der Mensch ist von Gott geschaffen worden, weil er um seiner selbst willen von Gott erwünscht ist. Ist nun der Mensch um seiner selbst willen von Gott erwünscht, dann hat Gott, da er gut ist, etwas Gutes liebgewonnen. Liebenswert ist der Mensch, geliebt wird der Mensch von Gott.“
Wir Menschen sind im Grunde die einzigen Wesen der Erde, die mit Bewusstsein spüren und merken können, dass in uns etwas lebt vom Strom der Unendlichkeit, dass unser Leben dazu bestimmt ist, mit Gott verbunden zu sein und darin reich zu werden, reif zu werden, groß zu werden.
So groß, so maßlos, ist unsere innerste Sehnsucht. Und sie darf es sein. Die schönste Welt voll Glück und Frieden könnte uns nicht genügen. Und gleichzeitig sind überall auch Strukturen des Bösen, die Erbsünde, in uns, in jeder Gesellschaft: das können wir nicht ausrotten.
Aber wir können uns Jesus zuwenden, wir können uns an Jesus orientieren, wir können von ihm Erlösung erfahren.
Denn – noch einen Schritt weitergedacht: wir Menschen sind nicht von dieser Welt, wir sind von Gott. Wir sind auf der Welt nicht zu Hause. Zu Hause sind wir nur in einer ewigen Liebe. Gott ist der Ursprung von allem.
Geliebt ist der Mensch von Gott, gerade in seiner Gebrochenheit.
Die Welt wird das nie verstehen.
Johannes Duns Scotus, der große schottische Theologe und Philosoph der Scholastik sagt: „Gott sucht Mitliebende“.
Denn so wie diese drei göttlichen Personen miteinander und füreinander leben, und uns in diese Gemeinschaft aufnehmen wollen, so sind auch wir als Geschöpf Gottes im tiefsten dazu bestimmt, miteinander und füreinander dazu sein.
Das ist der Entwurf und der Bauplan Gottes für unsere Welt.
Mutter Teresa sagt weiter:
„Schau dir das an: So zu leben, das haben wir doch von Jesus gelernt. Von Jesus, der uns rät, den anderen so zu akzeptieren und anzunehmen, wie wir uns selbst lieben: dann sind wir auch bei Gott.“
Und so übernehmen wir vor Gott Verantwortung für uns selbst, für unsere Mitmenschen und für unsere Welt. Der Christ steht ganz und gar positiv zum Leben, ohne Ressentiment, ohne Zynismus.
Und wie dieser Geist den Vater und den Sohn in liebevoller Verbindung hält, so will dieser Geist auch uns in Verbindung halten.
Benedikt sagt im Kapitel über das Gebet mit großer Einfachheit, dass wir vor dem „Gott des Universums“ nicht durch Vielreden erhört werden, sondern „in der Reinheit des Herzens“. Unser Gebet soll „kurz und lauter“ sein. Das ist auch für den Trinitätssonntag ein wichtiger Aspekt. Das Fest verlangt großes theologisches Denken, gewiss. Aber es verlangt zuerst Anbetung. Es lädt nicht zu theologischer Geschwätzigkeit ein, sondern zu jener Sammlung, in der das Denken betend wird.
So antwortet die Kirche auf die Offenbarung des dreifaltigen Gottes zuerst mit Lobgesang.
Der Hl. Thomas von Aquin, der große Theologe des Mittelalters, sagte am Ende seines Lebens, sein ganzes theologisches Spekulieren sei im letzten nur Stroh. Alles, was er über Gott gesagt habe, habe er unter dem Vorbehalt formuliert, dass Gott immer größer ist als es unser Verstand erfassen kann. Nur die Anbetung sei im letzten die angemessene Haltung gegenüber dem Schöpfer.
Das ist kein Rückzug hinter die Vernunft. Es ist ihre Vollendung. Thomas sagte auch, alles was der Vernunft widerspricht, ist nicht von Gott. Es kann über der Vernunft sein, aber nie gegen sie.
Denn dort, wo die Wahrheit größer ist als das, was der Mensch besitzen kann, wird Lob zur angemessenen Form der Erkenntnis.
Amen.
Autor

P. Ambrosius Leidinger OSB

Subprior, Gastpater