Christi Himmelfahrt
29.05.2025 |
Predigt | Lesejahr C Christi Himmelfahrt | Apg 1,1-11 2. Eph 1,17-23 Mk 16,15-20
P. Ambrosius Leidinger, 29.05.2025
gehalten in der Abteikirche
Meine lieben Schwestern und Brüder! „Während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben“. „Welche Beweise habt ihr für das, was ihr da behauptet?“, so wurde natürlich schon damals gefragt. Und die Antwort war ebenso frappierend wie enttäuschend: „Keine! Der Osterglaube ist da, die Glaubenszeugen leben unter uns! Aber wir haben keinen Beweis im strengen Sinn!“ Im Jahre 40, also nur zehn Jahre nach den österlichen Ereignissen, lebten in Jerusalem und Galiläa schon unzählige Menschen, die den Glauben angenommen hatten. Diese erstaunliche Tatsache ist der Ausgangspunkt aller Schriften des Neuen Testaments. Woher es kommt, dass so schnell so viele Menschen zum Glauben an den auferstandenen Herrn gelangten, lässt staunen. Welche Beweise habt ihr? Unter anderem wurden die Schriften des Alten Bundes herangezogen: Wenn sich dort eine Ankündigung fand, dann waren für die Menschen damals die österlichen Ereignisse eindeutig bewiesen - eine uns heute fremde Denkweise.
Um beim heutigen Fest zu bleiben: Da heißt es bei Lukas: „Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben“. Zum Vergleich: Im zweiten Buch der Könige heißt es wörtlich: „Während Elija, der Prophet, mit seinen Jüngern ging und redete, erschien ein feuriger Wagen und trennte sie voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.“ Was in den Heiligen Schriften nur ein einziges Mal erwähnt wird: Elija war der Einzige, der nicht wie alle andern starb, sondern in den Himmel fuhr, das hat sich in Jesus wiederholt, ja gesteigert: Er muss nicht im Grab bleiben wie alle anderen. Diese Entsprechungen hatten für damalige Menschen, die schon über 1000 Jahren mit den Heiligen Schriften lebten, die Kraft eines Beweises!
Viel wichtiger ist uns das Zeugnis der Auferstehungs- Zeugen. Folge dessen, was Himmelfahrt und Pfingsten genannt wird, ist, dass die Jünger von Jerusalem aus in der ganzen Welt zu predigen begannen und viele Zeichen taten. Bei Paulus heißt es: „Gott hat seine Macht an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid.“ Gott muss handeln, unser Auge des Herzen erleuchten, damit Verstehen entstehen kann und dadurch eine Hoffnung über den Tod hinaus. Im Evangelium und der Apostelgeschichte verwendet Lukas beide Male genau dieselbe Formulierung: „Er wurde vor ihren Augen emporgehoben.“ Es handelt sich also nicht um ein aktives Tun, sondern es ist ein passives Geschehen: Gott nimmt Jesus sozusagen in seine Arme und hebt ihn zu sich empor. Wir denken an ein Baby im Kinderwagen, das seine Mutter oder sein Vater zu sich emporhebt und es ans Gesicht drückt: dann haben wir verblüffend genau die Originalaussage des Evangelisten vor Augen: So hebt der himmlische Vater Jesus zu sich empor und lässt ihn für immer sein Gesicht schauen. Himmelfahrt ist also eigentlich Heimkehr zum Vater. Die Frage, wohin Jesus gegangen ist, ist die Frage, wo Gott ist.
Zwei Missverständnisse, was Himmel ist, die immer wieder auftauchen: Der Himmel Christi ist nicht der Raum, den die Wetterfrösche vor Augen haben. Er ist kein Ort, den man sehen kann, weder mit dem Fernrohr, noch mit der Phantasie. Und man kann erst recht nicht mit Raketen hineinschießen oder mit Weltraumschiffen hineinfahren. Dann wäre Himmelfahrt ein physikalischer Vorgang: Jesus steigt kilometerweit nach oben. Das andere, das immer wieder auftaucht: Himmel nun ist keine Art sicherer Hort, in den man sich zurückziehen kann, weg von der Welt. Als ob Christus sich bereits dorthin abgesetzt habe. Er hat es geschafft. Er ist den irdischen Kalamitäten enthoben. Die Konsequenz aus dieser Vorstellung wäre: Wir tun es ihm nach! Etwa wenn es in alten Liedern heißt: „Aus dem bösen Weltgetümmel folgen wir ihm in den Himmel.“ Oder: „Die Welt, die mag nun fahren, mit ihrer Lust und Pracht, in ihr sind nur Gefahren, nichts, was mich selig macht.“ Oder das Kindergebet: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ - Was ist hier passiert? Die christliche Hoffnung umfasst nicht mehr den ganzen Menschen, auch mit seiner Verantwortung für die Welt, sie schrumpft zusammen auf die Sehnsucht einer weltflüchtigen Seele nach sicherer Geborgenheit im Seelenhimmel. Ohne Auftrag! Ohne Verantwortung. Wie denn eigentlich: In Watte gepackt, dumm passiv seelisch dahindämmernd, oder wie? Diese Vorstellung ist schlichtweg unchristlich.
Die frühmittelalterlichen Maler und die Maler der Ikonen haben nicht so primitiv vom „Himmel oben“ gedacht. Sie malten ihn nicht blau, sondern golden, und wählten ihn als Hintergrund, als den tragenden Grund, auf dem sie die Menschen darstellten. - Himmel als tragender Grund des Menschen und der Welt. Himmel umgibt uns von allen Seiten, weil uns Gott von allen Seiten umgibt. Dorthin ist Christus heimgekehrt. Heimgekehrt, um ganz beim Vater zu sein. Er ist nicht mehr nur einigen Menschen in Palästina nahe, zeitlich und räumlich begrenzt, er ist uns allen nahe. Die Schrift sagt das im Bild so: „Er sitzt zur Rechten Gottes“ (Mk 16,19). „Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden“ (Mt 28,18). Er umfängt den Osten und den Westen. Er ist der tragende Grund auch unserer Zeit. Himmel bedeutet für uns, ganz bei Christus zu sein und damit ganz beim Vater zu sein. Hier setzt nun die Konsequenz ein, die sich aus der Himmelfahrt Christi und dem Pfingstereignis für uns ergibt: „Geht in alle Welt, verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16, 15)
Bischof Kamphaus schrieb:
„Man kann nicht Christ sein auf Kosten der Erde, sich von ihr absetzen in ein besseres Jenseits. So sagt der Bote Gottes den Jüngern: „Was steht ihr da und starrt in den Himmel!“ (Apg 1,11). Warum sehnt ihr euch nach drüben?- Der Himmel liegt nicht über uns, sondern vor uns, als Aufgabe, als Möglichkeit schon hier in der Welt. Das heißt nicht, dass wir das Paradies auf Erden erwarten. Der Himmel fällt nicht mit dieser Welt zusammen, heute nicht und in Zukunft nicht. Aber gerade diese Erde in ihrer Zerrissenheit und Dunkelheit, mit ihren Kalamitäten und offenen Fragen, ihr gilt die Verheißung Gottes. Darum dürfen wir uns nicht einfach mit den Verhältnissen hier abfinden, wir müssen alles tun, sie zu ändern, sie zu bessern.“
In der Treue zu Christus für die Erde da sein, das will uns das Himmelsfahrtfest lehren.
Amen.










