Gründonnerstag
17.04.2025 |
Predigt | Lesejahr C Gründonnerstag | Joh 13, 1–15
P. Ambrosius Leidinger, 17.04.2025
gehalten in St. Elisabeth
Liebe Schwestern und Brüder,
es ist Abend. Dreizehn Menschen sitzen zum Essen an einem Tisch - Jesus und seine zwölf Jünger. Sie haben ganz unterschiedliche Charaktere, Lebenshintergründe und Lebenserfahrungen. Seit drei Jahren gehören sie zusammen. Mit ganz unterschiedlichen Erwartungen kamen sie zu Jesus. Durch ihr Leben mit dem Meister in diesen letzten drei Jahren haben sich viele Gemeinsamkeiten entwickelt trotz ihrer großen Unterschiedlichkeit. Immer noch haben sie unterschiedliche politische Ansichten und unterschiedliche Hoffnungen und Pläne für ihr eigenes Leben. Sie sitzen um einen Tisch versammelt. Die Stimmung ist eher bedrückend. Sie sind da, um ihr größtes Fest – das Pascha-Fest - zu feiern. Die Worte und Handlungen des Meisters leiteten sie an, miteinander ins Gespräch zu kommen. Da wurde über die vergangenen Wochen und Monate gesprochen, über auch über die Gegenwart und Zukunft. Über die schönen Stunden, die sie miteinander hatten, über die Enttäuschungen, über die Hoffnungen, die Trauer, die Angst, über das Leben, den Tod und das Leben nach dem Tod. Auch darüber, worüber man vorher nicht sprechen konnte und wollte, haben sie an diesem Abend gesprochen. Es gab Fragen und Antworten, Erklärungen, Auseinandersetzungen, Vorwürfe, Warnungen und Mahnungen. Manchmal schwiegen sie - hilflos. Aber ihre Freundschaft war entscheidend. Immer wieder haben sie bei Jesus gelernt, wovon eine Freundschaft lebt: Vor allem von dem Vertrauen zueinander, dem Miteinander im Alltag, von der Offenheit für den anderen, dass man wirklich aufeinander hört, von der Sorge für den anderen, von der Freude des Miteinanders und des Teilens, und auch vor allem, von der Bereitschaft, immer wieder zu verzeihen.
Auch heute ist es so, wenn wir uns um seinen Tisch versammeln und sein Gedächtnis feiern. Es sind nun mehr als dreizehn, viel mehr sind wir geworden, und manchmal doch weniger als dreizehn, wenn wir um seinen Tisch zusammen kommen. Auch wir haben unterschiedliche Lebensgeschichten und Weltanschauungen, ungleiche Ansichten und Meinungen, wenn wir um diesen Tisch sitzen. Dieser Tisch ist wie damals ein Ort der Begegnung. An diesem Tisch wird auch heute gesprochen, vieles vielleicht geklärt im Herzen vor Gott, Gefühle, Hoffnungen, Ängste und Pläne steigen auf. Auch heute wird hier über das Leben, den Tod und das Leben nach dem Tod gesprochen, genau wie damals wird an diesem Tisch gebetet und aneinander gedacht. Auch heute sind wir - seine Freunde und Jünger - eingeladen, uns an diesem Tisch, an diesem Ort Zeit zu nehmen, um innezuhalten, zusammenzuhalten, Stärkung zu finden.
Das Gespräch mit Jesus hat ihnen damals die unmittelbaren schweren Stunden nicht genommen. Die Schmerzen, das Leid wurden nicht gelindert. Aber die Zeit, die sie mit ihrem Meister verbracht haben und die Gespräche, die sie damals geführt haben, haben den Jüngern später in ihrer Arbeit, in ihrer Verkündigung, in den schweren Stunden ihres Lebens, in der Zeit der Verfolgung geholfen. Sie haben verstanden, dass das Leid innerlich angenommen hatte, bevor es äußerlich auf ihn einstürzte. Er wusste genau, was es bedeutet, zum Brot „Das ist mein Leib“ zu sagen und es dann zu zerbrechen und zu verteilen. Und bevor er am Karfreitag an die Grenzen seiner Menschheit kam, hat er das Leid vorweggenommen und sich hineinbegeben. Aber wie konnte er das? Von einem Märtyrer, - es war der hl. Polykarp - er wurde öffentlich verbrannt, sagte die Kirche: „In ihm brannte das Feuer der Liebe so stark, dass das Feuer, das seinen Leib zerstörte, sein Herz nicht erreichen konnte.“ Das ist das Geheimnis des Leidens und auch der Gnade: Der Schmerz bleibt; das Leid wird nicht reduziert; aber im Inneren brennt eine Liebe, die das Leid ertragen will.
Die Zeit mit dem Herrn und die Gespräche mit ihm und vor allem sein Beispiel, das uns jetzt in der sakramentalen Wirklichkeit des Mahles, im Zeichen der Herzensgemeinschaft, und der Fußwaschung vor Augen steht, haben den Jüngern später die Kraft gegeben, die Botschaft überzeugend weiter zu gehen. Auch heute wird das Zusammensein mit dem Herrn, die Stunden, die wir mit ihm verbringen, uns später Kraft schenken in unseren schweren Stunden. Deshalb ist die Eucharistie die Kommunion, die Herzens-Gemeinschaft schlechthin. Deshalb ist die Eucharistie nicht nur der bewusste Einstieg Jesu in das Leid des Karfreitags, sondern auch unser bewusster Einstieg in die Gnade. Oder, besser gesagt: Jesu bewusster Einstieg in unser Leben, in unser Herz. So sind wir Gemeinschaft, sind miteinander, alle gehalten von Jesu Liebe. Heile Menschen können wir nicht werden, indem wir das Leid verdrängen oder wegschauen, sondern nur indem wir uns erfüllen lassen von einer Liebe, die so stark ist, dass sie das Leid annehmen kann, ohne daran zu zerbrechen. Indem wir uns erfüllen lassen von der Gnade, die weiß, warum es sich lohnt, nicht zynisch zu werden oder zu verbittern. Aus Liebe zu dem, mit dem uns jedes Leid verbindet. Aus Liebe zu Jesus.
Amen










