Prolog 2025
05.01.2025 |
Predigt | 2. Sonntag nach Weihnachten | Joh 1, 1–5.9–14
P. Ambrosius Leidinger, 05.01.2025
Meine lieben Schwestern und Brüder!
Ein Verkaufsschlager zu Weihnachten waren wie schon viele Jahre zuvor – sie werden es nicht glauben - neue Handys. Wie viele Whatsapps haben wir zu Weihnachten geschrieben und bekommen! Und dazu noch schnell ein Selfie, sein Selbstporträt. Ich unterm Baum. Oder beim Auspacken der Geschenke. Ein Knopfdruck und das Bild geht los. So bin ich mit meinem Lieben verbunden, sie haben Anteil an diesem Moment, dieser Freude. Die Krippe ist im Grunde nichts Anderes. Eine Whatsapp von Gott. Ein Bild von sich, dass er mir schickt, für viele das wichtigste Bild, das sie von Gott haben. Jesus sagt später von sich: Wer mich sieht, der sieht den Vater. Da ist Jesus mit seinen Eltern. Umringt von den schmutzigen Hirten, etwas später kommen die Könige dazu. Man kann sagen: In dieser Hütte ist viel Platz. In diesem Stall geht es zu wie bei den Menschen. Viel Armut und Not. Was zählt und was bleibt, ist die Gemeinschaft. Die Verbundenheit. Sagen wir es mit den Worten der Bibel: Die Liebe. Die Krippe ist ein Familienphoto, zeigt die Familie Gottes. Und das sind Hirten und Könige. Selbst, wer nicht auf diesem Bild mit drauf ist, selbst wer 2000 Jahre danach geboren ist, gehört dazu.
Die schöne Schilderung aus dem Lukasevangelium musste dem Johannesevangelium Platz machen. Erhaben, aber doch etwas fremd klingt das. Im Anfang war das Wort. Wer sein Evangelium so beginnt, redet über Grundsätzliches, über Erstes und Letztes. Und genau darum geht es Johannes: Weihnachten ist nicht nur diese schöne heilige Nacht, in der die Welt einen Moment still steht. Es ist die grundsätzliche Botschaft für unser Leben. Im Anfang war das Wort. Da gibt es ein Wort, ein einziges, aus dem alles kommt, ein Wort, das alles umfasst, das Welt und Mensch trägt. Es kann nicht irgendein Wort sein. Es muss das Wort Gottes sein, das ins Leben ruft, das am Leben erhält. Wenn wir in der Bibel nachschauen, was Gott ganz am Anfang zu Maria sagte, als Gott sich aufmachte, Platz zu nehmen in einem Menschenherz, dann sehen wir den Engel, der Maria aufsucht und Wunderbares zu ihr spricht: „Fürchte dich nicht, sagt er. Du hast bei Gott Gnade gefunden.“
Fürchte dich nicht, du hast bei Gott Gnade gefunden. Damit fängt Gottes Menschwerdung an, mit dem Wort: „Fürchte dich nicht.“ Gott schickt es oft voraus, wenn er mit Menschen etwas vorhat. 365-mal steht in der Bibel: „Fürchte dich nicht.“ Für jeden Tag des Jahres einmal. Für jeden Menschen steht da: „Fürchte dich nicht.“ Und der Grund: „Du hast bei Gott Gnade gefunden.“ Könnte es das Weihnachtswort sein, das wir suchen? Dieses Wort kann alles bergen: Vergangenheit und Zukunft. Not und Mühsal. Freiheit und Unsicherheit. Ja, selbst Kreuz und Tod. Alles ist in diesem Wort aufgehoben, alles, was Maria und ihrem Sohn noch bevorsteht und was sich an Weihnachten schon ankündigt. Es ist aufgehoben in der Verheißung, die zuerst kommt und die über allem steht: „Fürchte dich nicht, du hast bei Gott Gnade gefunden.“ Dieses Wort gilt für Maria, dieses Wort gilt auch für uns. Es gilt uns. Dafür ist Gott Mensch geworden. Jesus Christus selbst ist die Zusage: Du, Mensch, hast Gnade gefunden vor Gott. Du, Mensch, mit deinem Weg, mit deiner Lebensgeschichte, mit deinen Fehlern und Schwächen, mit deinen Möglichkeiten und Grenzen bist in Gnaden. Nie mehr sollst du Angst haben. Nie mehr sollst du verzweifeln müssen. Nie mehr sollst du fürchten, dass du aus meiner Gnade herausfällst. Fürchte dich nicht. Du hast bei Gott Gnade gefunden. Wir sind eingeladen, mit diesem Wort zu leben Tag für Tag. Das ganze Jahr hindurch. Mit ihm alle Not ertragen. So leben, dass jeder Mensch weiß: Er ist in Gnaden. Bei Gott und bei uns. Bringen wir diese Weihnachtsbotschaft allen Menschen, denen wir begegnen.
Amen.










