Unsere Vision

Wohin entwickelt sich das Kloster Stift Neuburg? Ist es überlebensfähig? Was tun die Mönche für ihre Zukunft? Wer kann wie dabei helfen?

All diese Fragen haben wir im letzten Jahr, seit dem Amtsantritt des fünften Abts von Neuburg Winfried Schwab, überdacht, diskutiert und im Gebet vorgetragen. Viele Möglichkeiten wurden diskutiert, manche verworfen, manche weiterentwickelt. Das Ergebnis wollen wir Ihnen vorstellen.

Das Kloster

Im März 2016 übernahm Pater Winfried Schwab OSB aus der Benediktinerabtei Stift Admont die Leitung der Abtei Neuburg. Vorausgegangen waren zahlreiche Gespräche, in denen der Konvent seinen Willen zur Weiterführung des Klosters bekräftigte. Der Konvent umfasst 11 Mönche mit einem Altersdurchschnitt von 72 Jahren (Stand 31.8.2017). Fünf der Mönche sind Priester. Ein geordneter Betrieb des Klosters ist nur mit Angestellten möglich. Trotz der vermeintlichen Schwäche des Konvents stehen alle Mönche hinter dem Neuanfang und wollen ein lebendiges, lebendes und lebensfähiges Kloster weitergeben.

Das Umfeld

Stift Neuburg ist in Heidelberg bekannt. Leider weniger als Kloster, sondern hauptsächlich als Ausflugsort oder landwirtschaftlicher Betrieb. Diese für alle überraschende Erkenntnis wurde in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg von Studenten im Rahmen von Seminararbeiten ermittelt. Betriebswirtschaftlich gesprochen hat die Marke „Stift Neuburg“ keinen Markenkern.

Die Überlebensfähigkeit

Die Überlebensfähigkeit muss aus zwei Perspektiven betrachtet werden.

  • Spirituell: Seit der Gründung der ersten Klöster verändert sich naturgemäß die klösterliche Landschaft. Manche gehen unter, andere erleben einen Boom, der vielen unerklärlich ist. Die Abtei Tholey aus der Beuroner Kongregation ist ein Beispiel in Deutschland, das wohl bekannteste ist derzeit aber die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Österreich.

    Die Abtei Neuburg muss wieder in die Herzen der Heidelberger und der Metropolregion gelangen. Zugleich muss die überregionale Bekanntheit wachsen. Gelebte Spiritualität hat eine Strahlkraft, die Neuberufungen anzieht.

  • Wirtschaftlich: Benediktiner sind keine Bettelordensgemeinschaft. Sie sind bestrebt, aus sich heraus alles für den Bestand Notwendige zu erwirtschaften. Von diesem Zustand ist Stift Neuburg weit entfernt. Im Kloster herrscht ein teilweise jahrzehntelanger Instandhaltungsstau. Die Zellen der Mönche etwa genügen heutigen Anforderungen schon lange nicht mehr. Fehlende Nasszellen oder eine Wärmedämmung aus den 60er Jahren seien nur genannt. Das ist weder alten, oft über 80-jährigen Mitbrüdern zumutbar, noch ist es für mögliche Novizen attraktiv.

    Eine Einnahmequelle sollen die derzeit noch verpachteten Stiftsbetriebe werden, die wir in Eigenregie übernehmen. Bis sie allerdings Gewinn erwirtschaften können, sind hohe Investitionen in Infrastruktur und Ausstattung notwendig.

  • Die nächsten Schritte

    Sanieren wir zuerst die alten Zellen der Mönche oder warten wir, bis neue eingetreten sind? Wie schließen wir die Alterslücke zwischen den derzeitigen Konventualen und möglichen Novizen? Das sind nur einige der Fragen, die sich stellen. Solche Fragen spielten bei der Entwicklung des jetzigen Konzepts eine Rolle. Einzelne Bausteine sind immer im Gesamtzusammenhang zu sehen, der weiter unten aufgeführt wird.

    Eintritte junger (!) Mönche, so sehr sie zu wünschen wären, sind derzeit eher unwahrscheinlich. Wer jetzt in das Stift Neuburg eintritt, findet einen Altersschnitt von 72 Jahren – also Ordensleute der Großvätergeneration. Der komplette Mittelbau, mithin die Generation der Väter, fehlt. Dies soll durch mehrere Aktivitäten abgemildert werden.

  • Die Aufnahme älterer Novizen (+/- 50 Lebensjahre). Die Einordnung älterer Novizen in einen Konvent ist erfahrungsgemäß herausfordernd. Insbesondere der zu gelobende Gehorsam kann zu Akklimatisierungsschwierigkeiten führen. In der jetzigen Situation – nur ein verbliebener Neuzugang innerhalb der letzten 30 Jahre – ist diese Maßnahme aber dringend notwendig. Insbesondere mit Blick auf die Arbeitslast ist jede helfende Hand ein Segen.

    Die Auswahl älterer Novizen muss besonders sorgsam erfolgen. Der Konvent ist nicht in der Lage, „Problemfälle“ zu verkraften. Eine hohe Integrationsfähigkeit bei gleichzeitiger Innovationsfähigkeit sind Musskriterien für ein erfolgreiches Aufnahmegesuch.

    Eine Anzahl von 2-4 Novizen in der Altersgruppe von 45-55 ist als optimal zu bewerten und garantiert eine kontinuierliche Fortführung des Klosters.

  • Eine starke Botschaft: Kultur und Kirche waren über Jahrhunderte unteilbar miteinander verbunden, ebenso wie Wissenschaft und Kirche. War die Kirche immer auch wichtiger Mäzen für Künstler und Wissenschaftler, ging diese Funktion mit der Säkularisierung nach und nach verloren. Dies zu ändern ist erklärtes Ziel der Benediktinerabtei Neuburg.

    Hochkarätige Wissenschaftler und Künstler, die eine geistliche Berufung verspüren, sollen sich im attraktiven Umfeld von Neuburg versammeln können.

    „Das führende europäische Benediktinerkloster für Wissenschaft und Kultur“ zu werden – nicht mehr aber auch nicht weniger ist das Ziel. Neuburg wird dabei auch Angehörigen anderer Ordensgemeinschaften die Möglichkeit bieten, in Heidelberg in klösterlichem Umfeld zu studieren. Die Vielfalt katholischen Lebens soll zu einem Gravitationszentrum für Berufungen werden.

  • Flankiert wird dieses Bestreben durch konkrete Maßnahmen:

  • Die Errichtung eines Colleges: Durch die zu erwartenden Masterstudenten, Doktoranden und Postdocs, die ein spirituell begleitetes Studium suchen, erwarten wir eine „gefühlte Verjüngung“ des Konvents. Diese und der Austausch mit den akademischen Mitbewohnern soll das Kloster insbesondere auch für jüngere Novizen attraktiv machen.
  • Museum für Gegenwartskunst: Kunst als Ausdruck des von Gott gegebenen freien Geistes war schon immer Grund für den Diskurs. Diesem wollen wir in Neuburg neues Leben einhauchen. Dabei haben wir uns bewusst für die Gegenwartskunst entschieden. Der Mut zur Auseinandersetzung auch mit unbequemen und kritischen Positionen zeichnete die Benediktiner stets aus. Wir sind der festen Überzeugung, dass unser kleines Kloster dazu der herausragende Platz inmitten der profanierenden Welt der Metropolregion ist.
  • Teilnahme am Programm „Kloster auf Zeit“: Die Initiative österreichischer Klöster vermittelt Ordensinteressierte an „passende“ Klöster. Dabei ist erst einmal von einem Aufenthalt von 6-12 Monaten bei völliger Einbindung in das Klosterleben die Rede. Stift Neuburg ist das erste Kloster in Deutschland, das an diesem Programm teilnimmt. Das gefühlte Alter des Konventes soll verringert werden.
  • Zeitgemäße Infrastruktur: Eine Komplettsanierung der klösterlichen Klausurräume ist dringend nötig. Ein. Die Infrastruktur, moderne Medien betreffend, muss den aktuellen Erfordernissen ebenso angepasst werden wie etwa die sanitären Anlagen. Behindertengerechtes Wohnen, Wärmedämmung und Schallisolierung sind weitere Stichworte.

    Dies sind jedoch nur einige wenige Punkte einer langen Liste notwendiger baulicher Maßnahmen. Derzeit erarbeiten wir einen Architekten die Planung für die gesamte Fläche (Kloster inkl. Wirtschaftsbetriebe). Danach werden wir die Einzelprojekte in Angriff nehmen.

  • Verschränkte Wirtschaftsbetriebe: Zwar werden durch Wirtschaftsbetriebe keine Novizen generiert, aber eine schlechte Betriebsführung verfälscht die Außenwahrnehmung. Daher ist ihre Führung in Eigenregie dringend notwendig. Benediktinische Ideale, beispielsweise die Gastfreundschaft, lassen sich besser umsetzen, und gleichzeitig entstehen attraktive Arbeitsplätze – auch für Klostermitglieder. Das Kloster als Ort des Glaubensstärkung und der Kontemplation ist und bleibt oberstes Ziel unseres Strebens.

    Zur benediktinischen Spiritualität gehört das Leben „von der eigenen Hände Arbeit“. Ein Kloster ohne ausreichende materielle Grundlage widerspricht daher grundsätzlich unserer Lebensweise.

    Mögliche Partner

    Um all das erfolgreich umsetzen zu können, sind wir auf Partner und Spenden angewiesen. Wir wissen uns im Gebet von unseren Oblaten, dem Freundeskreis und vielen Freunden unterstützt. Wir führen darüber hinaus Gespräche mit kirchlichen Institutionen und privaten Spendern, sondieren Fördermittel und Stiftungszuschüsse. Wichtig ist uns aber, und das ist eine nicht zu verhandelnde Position, dass das Kloster im Mittelpunkt allen Handelns steht.

    Wir sind ein römisch-katholisches Benediktinerkloster. Das wollen wir bleiben.

  • Sie: Wir würden uns freuen, wenn Sie uns auf diesem Weg begleiten und uns nach ihren Kräften unterstützen. Beten Sie für uns, halten Sie nach geeigneten möglichen Novizen Ausschau und ermutigen Sie sie, den Weg als Mönch zu gehen, helfen Sie uns, Dinge abzuarbeiten, spenden Sie. All dies hilft uns und macht Sie zum Teil unseres Klosters und unserer Geschichte.