Hl. Bartholomäus

Das mittlere Fenster, das sich in der Johanneskapelle unserer Kirche befindet, stammt aus dem ausgehenden Mittelalter und zeigt den Apostel Bartholomäus, den Patron unserer Kirche und unseres Klosters, dessen Fest am 24. August gefeiert wird.

Nach frühchristlicher Überlieferung soll Bartholomäus nach Jesu Tod als Apostel zur Missionierung in Indien und Armenien gewirkt haben. Die Legende berichtet, er habe die „von einem bösen Geist besessene“ Tochter des armenischen Königs Polymios geheilt. Dieser bekehrte sich angesichts des Wunders zum Christentum und ließ sich von Bartholomäus taufen, „mit ihm seine Frau, seine Kinder und alles Volk“. Heidnische Tempel wurden zerstört. Heidnische Priester wandten sich deshalb an den Bruder des Königs.

Dieser ließ Bartholomäus gefangen nehmen und, weil er seinen Bruder vom Glauben seiner Ahnen abgebracht hatte, auf grausamste Weise hinrichten: dem Apostel wurde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen und dann der Kopf abgeschlagen. Die barbarische Hinrichtungsart des Schindens fand durch Bartholomäus’ Geschichte Eingang in die europäische Kunstgeschichte: der Apostel wird mit seiner eigenen, wie ein nicht benutztes Kleidungsstück locker über dem Unterarm hängenden Haut dargestellt. So auch auf unserem Fenster.

Die Bartholomäusreliquien gelangten von Armenien nach Rom ins neue Kloster auf der Tiberinsel (San Bartolomeo all’Isola). Kaiser Friedrich I. Barbarossa schenkte nach einem seiner zahlreichen Italienzüge den Schädel des Apostels dem Frankfurter Dom. Der Apostel wurde 1239 Patron der Domkirche. Es ist anzunehmen, dass in dieser Zeit auch unser Kloster und Kirche sich Bartholomäus als Patron erwählten und sich unter seinen Schutz und seiner Hilfe stellten.

Der einzige biblische Text, in dem Bartholomäus Nathanael ausführlich geschildert wird, ist sein Messiasbekenntnis zu Anfang des Johannesevangeliums (Joh 1, 45-51): Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: „Wir haben den gefunden, über den Mose im
Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs.“ Da sagte Natanaël zu ihm: „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ Philippus antwortete: „Komm und sieh!“ Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: „Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit.“ Natanaël fragte ihn: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete ihm: „Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.“ Natanaël antwortete ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!“ Jesus antwortete ihm: „Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen.“ Und er sprach zu ihm: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.“