Die Mariensäule

Dem Brauch früherer Zeiten folgend richtete das Volk seit dem Mittelalter christliche Erinnerungsmale an Wegkreuzungen und anderen markanten Punkten der Landschaft oder eines Ortsbildes auf: Bet- und Martersäulen, in neuerer Zeit vorab Feldkreuze, ebenso Bild-und Brunnenstöcke mit Anrufung Mariens oder von Wetter-, Wasser- und Feuerpatronen.

Bei einem Weg, der früher eine wichtige Verbindung zwischen Ziegelhausen / Peterstal und Heidelberg darstellte, war es begründet, an einer Kehre beim Stift Neuburg einen Bildstock zu errichten. Wann ein solcher zum ersten Mal aufgestellt wurde ist unbekannt. Jedenfalls geht die jetzige Mariensäule auf die „Gesellschaft Jesu“, die Jesuiten, zurück, die von 1709-1773 zur Zeit der katholischen Kurfürsten im Stift weilten. Bei der Restauration im Jahre 1984 kam an der Rückseite des Sockels wieder die Inschrift zum Vorschein, die das Datum der Errichtung festhält.

Sie lautet: ANNO 1774 / TERTIA MAIJ / ERECTA EST / COLUMNA / In HONOREM B.V: / P. JAC. GEISWEILER / SUB R.P.C. MASSER
Auf Deutsch: „Im Jahre 1774 am 3. Mai wurde die Säule errichtet zu Ehren der seligen Jungfrau. P. Jacobus Geisweiler ……P.C. Masser.“

Seitdem lädt die in barocken Formen gestaltete Madonnensäule Wanderer, Pilger und andere die des Weges ziehen, zum Gebet ein. Auf einer Sitzbank zur Rechten kann man eine Weile ausruhen und auf einer „ Steinernen Ruhe“ zur Linken seine Lasten abstellen. Davon machten in früheren Zeiten die Wäscherinnen von Ziegelhausen eifrigen Gebrauch, wenn sie ihre Wäschebündel auf dem Kopf nach Heidelberg trugen.

Die Unbill der Zeiten setzte der Säule sehr zu und machte mehr als einmal eine Renovation nötig. Davon zeugt eine weitere Tafel an der Rückseite des Sockels. Sie trägt den Text:

Ano D. MDCCCLVIII / DIE XXXI MAIJ / INSTAURATA EST / HAEC COLUMNA / SOPHIA JOH. SCHLOSSER / E GENTE DUFAY.
Auf Deutsch: Im Jahre des Herrn 1858 am 31. Mai wurde diese Säule restauriert. Sophie Johanna Schlosser geb. du Fay.“

Anmerkung: Diese ist die Gattin des Frankfurter Rates Johann Friedrich Heinrich Schlosser, der um 1825 das Stift als Eigentum erwarb und es zu einem Mittelpunkt der Spätromantik machte. Frau Rat war schon Witwe, als sie 1858 die Mariensäule renovieren ließ.

Von einer zweiten Renovation berichtet eine auf Papier geschriebene Urkunde, die bei der Restauration 1984 im Innern des Postaments gefunden wurde. Sie lautet:

Anno a Navitate Dni MCMXXX, a Fundatione S. Bartholomaei de Neuburg per Monachos S. Benedictini vero DCCC, haec columna, temporum hominumque incruia diruta, restaurata est per Monachos S. Bartholomaei de Neuburg Congregationis Beuronensis O.S.B. magnificentia D. Gartner de Heidelberg-Neuenheim, arte vero D. Gulielmi Rahtz, sculptoris de Heidelberg. + Adalbertus de Neippberg, I. Abbas S. Bartholomaei de Neuburg. P. Trudpert Trötschler O:S.B., scriba capituli.

Auf Deutsch: „ Im Jahr 1930 nach der Geburt des Herrn, im 800sten Jahre seit der Gründung (des Klosters) des hl. Bartholomaeus zu Neuburg wurde diese Säule, die durch die Unbill der Zeiten und Menschen Schaden erlitten hatte, restauriert durch die Mönche des hl. Bartholomäus zu Neuburg von der Beuroner Benediktinerkongregation; auf Grund der Großherzigkeit des Herrn Gartner von Heidelberg-Neuenheim und der Kunstfertigkeit des Herrn Wilhelm Rahtz, Steinmetzen zu Heidelberg. + Adalbert von Neippberg, 1. Abt des hl. Bartholomäus zu Neuburg. P. Trudpert Trötschler O.S.B., Kapitelschreiber.“

Dem Schriftstück ist eine Benedictusmedaille beigegeben. Eine zweite Urkunde ist durch Witterungs-und Umwelteinflüsse so grau und brüchig geworden, dass man kaum ein Wort lesen kann. Die Beigabe von 3 Medaillen aus dem letzten Jahrhundert lässt jedenfalls vermuten, dass es die Urkunde über die Renovation von 1858 ist.

Auffallend sind die einfachen und billigen Blechkisten, in denen beide Urkunden mitsamt den Medaillen verpackt waren. Mit dieser Einfachheit versöhnt die künstlerische Schönheit der Säule, die erst richtig wieder in Erscheinung treten wird, wenn sie eine meisterhafte Kopie der bisherigen desolaten Figur trägt. Dann zeigt die Vorderseite des Postaments die um die Jahreszahl 1984 erweiterte Inschrift:

HEILIGE MARIA / ZUFLUCHT DER SÜNDER / BITT FÜR UNS

P. Norbert Bosslet OSB