Arzneigarten – Verdauung

Die nachfolgenden Beschreibungen von Rezepten und Heilwirkungen sind z.T. rein historisch und nicht wissenschaftlich belegt. Es handelt sich um keine medizinischen Empfehlungen. Eine Therapie mit Heilpflanzen sollte grundsätzlich mit einem Arzt abgestimmt werden. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit der gesammelten Informationen.

Allium sativum, dt. Knoblauch
Der Knoblauch ist eine 70-90 cm hohe Zwiebelpflanze und zählt zu den ältesten bekannten Heilpflanzen. Man kannte und schätzte seine Wirkung schon im alten Ägypten. Hippokrates, Dioskurides und Plinius haben ihn in ihren Werken beschrieben. Knoblauch wirkt antibakteriell, antimykotisch und fett- und cholesterinsenkend. Darüber hinaus wird er eingesetzt zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen.

Aloe vera, dt. Echte Aloe
Die Aloe ist eine immergrüne Pflanze, die heute u.a. in den warmen Gebieten rund ums Mittelmeer verbreitet ist. Sie gedeiht auf trockenen, vollsonnigen Standorten. Die Anthranoide, ein Bestandteil der Aloe, haben eine anregende Wirkung auf den Darm. Daher wird in der Heilkunde der getrocknete Saft der Aloe als Abführmittel verwendet. Dieser Extrakt gilt als eines der stärksten Abführmittel der Kräuterheilkunde.

Anacyclus pyrethrum, dt. Betram
Bertram ist eine bis 30 cm hohe Staude, die im Mai-Juli weiß blüht und mildes Klima liebt. Hildegard v. Bingen hat Betram empfohlen, weil er „ […] die Säfte reinigt. Er lässt nichts unverdaut, sondern bereitet eine gute Verdauung, wenn man ihn fleißig isst.“ Heute wird Bertram wegen seines angenehm scharfen Geschmacks als Gewürz verwendet.

Carum carvi, dt. Echter Kümmel
Kümmel ist eine mehrjährige 60-80 cm hohe Staude aus der Familie der Doldenblütler. Er bevorzugt einen sonnigen Standort und tiefgründige Böden. Die weißen Dolden blühen im Juli und reifen im August aus. Die Früchte des Echten Kümmels sind die braunen, aromatischen „Kümmelkörner“, die wir aus dem Kräuterregal kennen. Bis heute wird Kümmel bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich eingesetzt. In der Säuglingspflege helfen Kümmeltee oder Kümmelzäpfen bei Blähungen.

Chamaemelum nobile, dt. Römische Kamille
Die Römische Kamille ist ein 25 cm hoher, immergrüner Bodendecker mit aromatisch duftenden weißen Blüten. Ideal für sie sind ein sonniger Standort und ein durchlässiger Boden. Die Römische Kamille wird traditionell u.a. bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Anregung des Appetits angewendet. Im Handel erhältlich sind Teemischungen, die die getrockneten Blüten der Römischen Kamille enthalten.

Chamomilla recutica (Syn. Matricaria chamomilla), dt. Echte Kamille
Die Echte Kamille ist eine 30-50 cm hohe Pflanze, die zwischen Mai und August blüht und dabei ihren charakteristischen Duft verströmt. Sie ist eine bekannte Heil- und Arzneipflanze, die bei unterschiedlichen Krankheiten eingesetzt wird. Sie wird zur Linderung von entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen und bei Krämpfen verwendet. Erhältlich ist die Echte Kamille u.a. als Tee, Öl oder als Tropfen.

Linum usitatissimum (hier L. perenne), dt. Lein
Lein oder Flachs ist eine einjährige Pflanze, die 50-90 cm hoch wird und zwischen Mai und Juni blüht. Ihr wirtschaftlicher Nutzen liegt in der Öl- und Fasergewinnung. In diesem Beet wurde aus gestalterischen Gründen die Art perenne verwendet, da das eine mehrjährige bzw. ausdauernde Art ist. Lein ist anspruchslos, mag sonnige Standorte und verträgt keine Staunässe. Hildegard v. Bingen widmete dem Leinsamen zwei Kapitel mit verschiedenen Rezepten. Wichtigster Wirkstoff der Samen sind die Ballaststoffe, darunter Zellulose und schwer verdauliche Schleimstoffe, die große Mengen Wasser binden können. Diese Stoffe wirken regulierend auf die Darmtätigkeit, weswegen Leinsamen bei Verstopfungen, Magenschleimhautentzündung und Reizdarm verwendet wird.

Mentha x piperita, dt. Pfefferminze
Die Minze ist eine sehr alte Heilpflanze. Sie war eine der 24 Heilpflanzen, die laut Abt Walahfrid Strabo in einem idealtypischen Garten einen festen Platz haben sollte. Die Gattung Mentha umfasst eine Vielzahl von Arten. In diesem Beet wurde die 50-60 cm hohe Art piperita verwendet, die erst 1696 entdeckt wurde. Sie bevorzugt warme, sonnige Standorte, bildet zahlreiche Ausläufer und blüht im Sommer weiß. Von der Antike bis zur Gegenwart finden sich zahllose Beschreibungen und Rezepte zur Heilwirkung der Minze. Heute verwendet man die Blätter und das daraus gewonnen Öl wegen seiner krampflösenden und desinfizierenden Wirkung u.a. bei Magen- Darm- und Gallenbeschwerden.

Origanum vulgare (hier O. vulgare ‘Compactum‘), dt. Oregano
Oregano oder auch Dost ist eine mehrjährige bzw. ausdauernde Staude. In diesem Beet wurde aus gestalterischen Gründen die Sorte ‘Compactum‘ verwendet. Sie wird 15 cm hoch und bildet schöne, rosa blühende Polster. Im Lorscher Arzneibuch finden sich zwei Rezepte mit Dost „Zur Förderung der Verdauung im Magen“ und „Er (der Trank) führt die Galle und den Rotz durch den Darm ab […]. Er säubert die Blase und die Nieren, nimmt alle Blähungen und Übelkeit und unterstützt die Verdauung.“ Heute wird Oregano in Teemischungen und als Öl bei Verdauungsbeschwerden verwendet.

Pimpinella anisum, dt. Anis
Anis ist uns als Gewürz in der Weihnachtsbäckerei und als Likör bekannt. Die Pflanze ist eine 50 cm hohe einjährige Pflanze mit weißen Doldenblüten. Bereits 1500 v. Chr. wird Anis im Papyrus Ebers erwähnt, einer der großen Rezeptsammlungen der altägyptischen Medizin. In der Klosterheilkunde war Anis als Gewürz und Heilmittel geschätzt. Das Lorscher Arzneibuch, das um 800 herum geschrieben wurde, beinhaltet mehrere Rezepte mit Anis zur Behandlung von „Leberleiden, Atemnot, Rotz und Milzsucht“ und zur Unterstützung der Verdauung. Ein Bestandteil des Anis‘, das Anethol, wirkt krampflösend, weshalb es bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet wird. Die verdauungsfördernde Wirkung des Anis‘ wissen diejenigen zu schätzen, die nach dem Essen einen Pernod oder Ouzo genießen.

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