Predigt zum Hochfest Erscheinung des Herrn 2018

P. Ambrosius Leidinger OSB, 6. Januar 2018 in der Stiftskirche Neuburg

Meine lieben Schwestern und Brüder!

Wie oft ist diese Szene gemalt worden! Wie oft wurde sie nacherzählt, neu gedichtet. Die Herkunft der Sterndeuter bleibt im geheimnisvollen Dunkel. Für einen Augenblick tauchen sie auf, dem neugeborenen Kind zu huldigen, und dann verschwinden sie wieder im Dunkel der Geschichte.

Es wird von Männern erzählt, die buchstäblich alles stehen und liegen lassen und sich auf die Suche machen, in die Fremde ziehen, ins Ungewisse. Sie haben am Himmel etwas gesehen, was sie nicht mehr ruhen lässt. „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“

Das Ziel bleibt unbestimmt und vage, und dennoch: Der Blick auf den Himmel mit seinen Sternen muss in ihnen eine tiefe Sehnsucht wachgerufen haben, die sie auf diese Reise führt, auf einen langen, beschwerlichen Weg.

Es ist diese Sehnsucht nach einem umfassenden Sinn, nach der tiefsten Wahrheit unseres Lebens, die Sehnsucht, die uns Mönche ins Kloster führte, uns immer wieder nach Gott auszustecken, uns immer wieder auf den Weg zu machen zum Geheimnis, in dem unser Leben geborgen ist.

Von dieser Frage nach dem Ganzen haben sich diese Männer bewegen lassen, und sie haben gesucht und nicht aufgegeben, bis sie die Antwort gefunden hatten.

Und dann erleben sie die große Freude des Findens - in einem neugeborenen Kind!

Oft und oft haben die Maler diese Szene gemalt! Die Großen und Weisen beugen sich vor dem kleinen Kind.

Von diesem Kind wird man einmal sagen, es sei der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand komme zu Gott, den Vater, außer durch ihn (Joh 14,6).

Zweideutig und missdeutbar wird der spätere Weg dieses Kindes bleiben. Man wird ihn an der Seite der Kleinen und Schwachen sehen, an der Seite der Sünder, an der Seite derer, die sozial abgehängt waren.

Die Sterndeuter aus dem Osten sind am Ziel ihrer langen Reise angekommen. Und merkwürdig: dieses Ziel war kein Ziel zum Ausruhen.

Sie mussten zurück in ihr Land, wieder auf den Weg. Einen Spalt breit hat sich ihnen Gottes Präsens gezeigt, im Kind, und in dem der Engel Gottes sie berührte und sie auf einen anderen Weg nach Hause schickte, um der Heimtücke des Königs Herodes zu entgehen.

Von dieser Geschichte geht eine große Faszination aus. Offensichtlich rührt sie etwas in uns an, eine Frage, die wir uns stellen müssen. Die Sterndeuter geben sich mit dem Leben, so wie es ist, nicht zufrieden. Sie suchen nicht das kleine, vorläufige Glück. Im Gegenteil: Sie suchen die große Hoffnung für ihr Leben! Das ist es doch, was uns an dieser Geschichte so fasziniert, was unser Herz berührt.

Und so erhebt sich kritisch die Frage an uns: Haben wir uns noch etwas von diesem leidenschaftlichen Gott- Suchen bewahrt...? Oder ist unser Leben allzu behäbig geworden, klein, klein?

Das ist die existentielle Frage an uns Mönche! Haben wir uns eingerichtet, schlecht und recht, und den Ruf Gottes, der uns auf den Weg brachte, vergessen? Unser Weg ist Wagnis. Und wenn wir dann etwas wagen sollen, zucken wir zurück und sagen: Es wird doch nichts.

Ist unser inneres Ohr für Gott taub geworden und die Augen, die nach den Sternen Ausschau halten, d.h. doch nach dem Göttlichen, blind geworden?

Unser Glaube schenkt ganz gewiss ein Stück Sinn, gibt Sicherheit, schenkt Geborgenheit; hoffentlich können wir das hier und da erfahren!

Und doch geht es uns bisweilen wie den Sterndeutern. Da ist zunächst der tiefe Friede, das Kind gefunden zu haben. Aber dann müssen sie wieder hinaus, auf einen Weg voller Ungewissheit, es brechen immer wieder Fragen auf, Zweifel.
Wir können uns die Antwort auf die entscheidenden Fragen unseres Lebens nicht einfach in fix und fertigen Sätzen vorsetzen lassen.

Wir müssen die Antwort selber suchen, unsere eigene Antwort. Eine Antwort, die wir nur mit dem eigenen Leben geben können.
Dazu will uns die alte Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland wieder inspirieren, Jesus zu suchen, mit der ganzen Leidenschaft eines hoffentlich noch jungen Herzen, und unser Leben von ihm bestimmen zu lassen.

Und ich kann Ihnen sagen: Das kann auf weite Wegstrecken ein sehr beschwerlicher Weg sein. Aber ganz sicher ist es ein guter Weg. Es ist ein faszinierender Weg. Jedenfalls mich hat er immer wieder fasziniert. Amen.