Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag 2017

P. Johannes Naton OSB, 11.06.2017 in der Stiftskriche Neuburg

Lesung: 2 Kor 13,11-13; Evangelium: Johannes 3,16-18

Liebe Schwestern und Brüder,

Ein Theologiestudent muss seine Prüfung ablegen. Die meisten Fragen kann er mehr schlecht als recht beantworten. Das Gesicht des Professors wird mit jeder Antwort des Studenten finsterer, und schließlich sagt er: „Das war bisher nicht überzeugend. Können Sie mir wenigstens die Dreifaltigkeit erklären?“ Da strahlt der Student erleichtert und sagt: „O ja, das kann ich!“

Da ruft der Professor: Dann sind Sie durchgefallen. Das Mysterium der Dreifaltigkeit kann kein Mensch erklären!

Die Trinität ist wirklich mysteriös: Einerseits kennt jedes Kind die Formel vom VATER SOHN UND HEILIGEM GEIST, und andererseits können die wenigsten Christen erklären, was es damit auf sich hat. Einerseits hat es jahrhundertelang erbitterten Kirchenstreit wegen der Dreifaltigkeitslehre gegeben, andererseits bekennen sich heute praktisch alle christlichen Konfessionen, so zerstritten sie auch seien, genau zu dieser Dreifaltigkeit. Einerseits sind wir alle auf den DREIFALTIGEN GOTT getauft, andererseits glauben sehr viele Christen, dass die Dreifaltigkeit gar kein wichtiges Thema wäre. Und haben diese nicht recht, wenn der Theologieprofessor sagt, dass sowieso niemand die Dreifaltigkeit erklären kann?

Naja, die Anekdote war um der Pointe willen etwas übertrieben formuliert: Kein Mensch kann GOTT erschöpfend erklären. Aber von einem Theologen, oder von dem, der einer werden will, kann ich schon verlangen, dass er die diversen Thesen der Dreifaltigkeitslehre darstellen kann. Paulus muss sich doch etwas gedacht haben, als er den Korinthern in seinem Brief nicht nur die Gnade Christi, sondern auch die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Geistes wünsche.

Von Paulus an bis ins 4.Jahrhundert haben die Christen in der Verkündigung darum gerungen, wer genau dieser Jesus von Nazareth sei. Und die frühen Konzilien haben dann jeweils am Höhepunkt eines solchen Streites eine Entscheidung gesucht. Ist Christus wirklich Sohn Gottes? Ist er nur ein guter Mensch oder wirklich auch Gott? Wenn er Gott ist, war er dann auch richtig Mensch oder hatte er nur einen Scheinleib und konnte weder richtig leiden noch sterben? Ist der Heilige Geist nur ein Werkzeug Gottes, ein nützliches Geschöpf, oder ganz Teil und Wesen Gottes?

In langen Streitigkeiten entstand die Formel: EIN GOTT IN DREI PERSONEN ODER NATUREN!
Heute sagen viele Zeitgenossen dazu: Das ist mir egal. Sowas ist Privatsache. Jeder muss selbst bestimmen, wie er sich Gott vorstellt. Hauptsache ist doch, dass die Menschen gut zueinander sind. Die Kirche sollte lieber über aktuelle Dinge predigen, die die Leute wirklich bewegen.

Gut, das kann man machen. Reden wir über Autos! In unserem Kloster haben wir mehrere Autos, eines tankt Diesel, eines Benzin. Jetzt könnte ich sagen: Das ist doch egal, ob Benzin oder Diesel. Das kann jeder Autofahrer selbst bestimmen. Hauptsache, der Wagen kriegt irgendeinen Kraftstoff und ich kann ihn benutzen.

Und tatsächlich: Ob ich in den Tank Benzin oder Diesel fülle, ist wirklich egal, jedenfalls so lange ich mit dem Wagen nicht fahren will. Ich kann ja auch ganz andere Dinge mit dem Auto machen: Es vor dem Haus parken, um die Nachbarn zu beindrucken, darin sitzen und Autoradio hören oder einfach die Familientradition pflegen, weil meine Vorfahren schon immer Autobesitzer waren. Auch das kann jeder selbst bestimmen. Sobald ich aber mit dem Auto fahren will, wird sich erweisen, ob der Kraftstoff der richtige oder der falsche war.
Und nun zurück zur Dreifaltigkeit: Auch hier kommt es darauf an, wie ich damit umgehe. Wenn mein Glaube für mein Alltagsleben keine Rolle spielt und wenn ich nicht allzu viel von ihm erwarte, dann sind Aussagen über die Dreifaltigkeit tatsächlich erst mal unwichtig. Und tatsächlich machen viele Getaufte von ihrem Glauben extrem sparsam Gebrauch. Aber wenn es zur Krise kommt und man in Gott Halt finden will, dann wird es schnell ernst.

Die bekannte Theologin Uta Ranke-Heinemann, einst evangelisch, dann zum Katholizismus konvertiert, kam eines Tages zu dem Schluss, dass sie nicht mehr an den dreifaltigen Gott glauben könne. Dieses Dogma sei nur eine Erfindung der Päpste, aber kein Wille Gottes.

Wenig später trat sie ganz aus der Kirche aus. Der Gott der Christen sei ihr schlicht zu grausam, da er seinen Sohn am Kreuz leiden ließ.

Diese Kritik ist nicht originell, sie ist ein uraltes Argument von Gegnern des Christentums. Mich überrascht es ein wenig, dass eine professionelle Theologin erst im hohen Alter über die Frage des grausamen Vatergottes stolpert. Aber ihr Handeln ist konsequent und respektabel: In dem Moment, da sie die Dreifaltigkeit nicht mehr glauben kann, kann sie sich auch im Christentum nicht mehr zuhause fühlen. Das Christentum ohne Dreifaltigkeit ist wie ein Benziner-Auto, das man mit Diesel betankt: Man kommt damit nicht weit.

Denn wenn wir die Dreifaltigkeitsvorstellung aufheben, bleibt tatsächlich nur ein isolierter Gott im Himmel, der von fern einem guten, aber hilflosen Jesus am Kreuz beim Leiden zuschaut, und ein Geist, der recht unbestimmt zwischen beiden umherweht. Damit wäre zwar die Unterscheidung der Drei Personen VATER SOHN UND GEIST einigermaßen berücksichtigt, aber nicht ihre Untrennbarkeit in der Gottheit: Vater und Sohn sind eins, so sagt es Jesus immer wieder im Johannesevangelium, und so schickt der Vater eben nicht jemanden anderes in die Welt, um zu leiden, sondern er selbst wird leidend, und die Ausdrucksform dafür ist eben die Person SOHN, also Christus. Vielleicht hilft uns das Bild vom Wasser, das kochend zu Dampf wird und Turbinen betreibt oder gefroren zu Eis als Kühlmittel wirkt, die selbe Materie in drei Aggregatszuständen. Freilich wäre ich mit diesem Bild in der Theologieprüfung ebenso durchgefallen wie der Student am Beginn der Predigt, aber als Brücke hin zu einer Dreifaltigkeitsvorstellung, die zum Nachdenken anregt, mag das Bild dienen.

Denn die christliche Formel vom DREIFALTIGEN GOTT will ausdrücken, dass Gott die Welt wirklich durchdringt und erlöst. dass er ganz die menschliche Elendsposition einnimmt, um dem Menschen einen Weg in den vollkommenen Frieden zu ermöglichen. Es wurzelt in der alten jüdischen Jahwe-Erfahrung im brennenden Dornbuch: Ein Gott FÜR UNS. Und gerade in Krisenzeiten ist es für meinen Glauben überlebenswichtig, dies glauben zu können.

Wenn ich an mir selbst und meinen Kräften zweifle, wenn ich an meiner Kirche und ihren Führungsetagen zweifle, wenn ich an der Politik und der Gesellschaft in unserem Land verzweifle, dann ist mein Refugium dieses CREDO: Der dreifaltige Gott ist in allem, als Schöpfer und Vater, als Erlöser und Bruder, als Geist und Beistand. Er richtet nicht, er rettet, er bringt das Leben eines jeden, der ihn sucht, in Ordnung! Die Welt kann und muss das nicht, sie muss sich nur für ihn öffnen. Die Kirche kann das auch nicht, sie muss es nur verkünden. Ich selbst kann und muss das erst recht nicht, das nicht, aber ich darf vertrauen, dass das Evangelium wahr ist: Im dreifaltigen Gott bin ich gerettet. AMEN!