Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis 2016

P. Ambrosius Leidinger OSB, 18. September 2016 St. Elisbabeth Nienburg

Lukas 16,1-13

Meine lieben Schwestern und Brüder!

Von Jesus nun wird uns ein Verwalter als Vorbild vor Augen gestellt, der korrupt ist, und den Jesus klug nennt. Wie kann das sein?

Zuerst wollen wir seine korrupte Seite betrachten. Eine Gefährdung, von der sich niemand freisprechen kann. Auch für Jesus bleibt dieser Verwalter ein Betrüger.

Jesus weiß um die Gefährdung, die dem Menschen gerade vom Geld her entsteht. Und er knüpft an die Prophetenkritik an, die immer auch Sozialkritik war.

Wenn Jesus den Mammon - das Wort kommt aus dem Persischen und bedeutet „Teufelsdreck“ - ungerecht nennt, dann meint er die soziale Ungerechtigkeit, die immer wieder durch die Gier nach Geld verursacht wird. Jesus verdammt nicht das Geld. Das Geld ist wertneutral. Gut ist sein Erwerb, wenn es dem Leben dient und nicht Leben zerstört oder die soziale Verantwortung ausblendet. Allein der Dienst am Leben wird bleiben, wenn im Tod der Wert des Geldes für jeden endgültig wertlos geworden ist.

Ich möchte stellvertretend für vieles den am meisten herausfordernde Konflikt in unserer Gesellschaft benennen: der Konflikt zwischen dem notwendigen Geldverdienen und dem Leben in Ehe und Familie.

Beide Elternteile oder noch gravierender allerziehende Mütter, die arbeiten gehen müssen, und die sich deswegen nur unzureichend um ihre Kinder kümmern können, die zu wenig verdienen und mit ihren Kindern in die Armut rutschen, die soziale Unterstützung brauchen, die Kita-Plätze brauchen: da ist ja in unserer Gesellschaft kein Randphänomen mehr. Der Staat und auch die Kirche mit ihrer Caritas müssen immer wieder überlegen, ob sie da genug tun.

Nun zur Klugheit des Verwalters. Jesus stellt sie uns als vorbildlich vor Augen.

Wir haben es mit einem Gleichnis zu tun. Da kommt es auf den Vergleichspunkt an. Dieser „springende Punkt“ liegt darin, dass ein Mensch seine konkrete Situation klar erfasst und dementsprechend klug und entschlossen handelt. Mit den Mitteln, die ihm noch zur Verfügung stehen, versucht er, sich seine Zukunft zu sichern. Was Jesus an diesem Verhalten aber lobt, ist der nüchterne Blick für die eigene Situation und vor allem sein entschlossenes Handeln.

Jesus will uns hier sagen: Wenn ihr, die ihr mir nachfolgt, die ihr euch an mir orientiert doch genauso entschlossen handeln würdet wie dieser korrupte Verwalter.

Es ist diese Entschlossenheit, eben diese Lebensklugheit, die wir Christen heute von diesem Verwalter als vorbildlich lernen können.

Dieser Mann war ja sehr kreativ. Er hat in seiner Not intuitiv erfasst, auf was es ankommt, und blitzschnell gehandelt.
Erfinderisch sein im Guten, vorausschauend, klug und entschlossen Gutes tun: Vielleicht will Jesus uns das sagen.
Ein weiterer Schlüssel für kluges Verhalten sind die Worte, die im Anschluss an dieser Geschichte zu finden sind. Es wird die Zuverlässigkeit in kleinen Dingen genannt.

Es sind nicht allein die großen Taten, sondern vielmehr die Treue und die Verlässlichkeit im Kleinen, auf die es ankommt.
Um bei mir als Priester und Mönch zu bleiben. Es sind nicht die großen Worte, die mehr oder weniger wohlformulierten Predigten, es ist die Bereitschaft, im Alltag treu zu sein, auch wenn es manchmal zum Davonlaufen ist, offen zu sein für die Gegenwart Gottes im Klein- Klein des Alltags, mich immer wieder nach Christus hin auszurichten, offen zu sein für die Menschen in Not und für sie da zu sein.

Für Eltern gilt das Gleiche, für Eheleute: Selten sind es die großen Worte, oder teure Geschenke, auf die es ankommt, sondern ein gutes Wort, die kleinen Gesten, die Zeit, die man sich für die Kinder nimmt als Eltern.

Alles, auch das, was noch so alltäglich erscheint, noch so banal, kann ein Ausdruck meines Glaubens sein. In unserer Klosterregel steht, das Klostergut wie Altargerät zu behandeln. Das Kleine und Unscheinbare ist genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als das Große, das sich in den Vordergrund drängt. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert, sagen wir. Gerade in den kleinen Aufgaben des Alltags kann ich also meinen Glauben leben. Dazu macht Jesus uns Mut.

Wenn Jesus uns am Ende der Geschichte sagt: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes, dann sagt er uns: schaut, auf welches Ziel ihr als Christen lebt. Schaut darauf, wie andere ihre Ziele verfolgen und erreichen, wie die Kinder dieser Welt hinter dem Geld her sind, wie sie alles einsetzen, um immer mehr davon zu bekommen. Davon könnt ihr lernen. Seid genau so engagiert und einsatzbereit in der Ausübung eures Glaubens, eurer Hoffnung und eurer Liebe.

Jesus will uns Mut machen zum Tun.

Als Kinder des Lichtes brauchen wir uns aber nicht durch Angst vor Versagen lähmen lassen. Gott kann auch auf unseren krummen Lebenszeilen gerade schreiben. Die Gaben, Begabungen, Talente sind sein Geschenk an uns, das wir mit unseren Möglichkeiten verwalten dürfen.

Noch einmal anders gesagt:
Gläubig handeln aber hieße, nicht zu kapitulieren vor unserer Begrenztheit, vor der Situation, den Umständen, sondern im Vertrauen auf Gott realistisch zu sein, aber auch kreativ wie der korrupte Verwalter, vielleicht ungewöhnliche Wege zu betreten, Neues zu wagen.

Frère Roger von Taizé hat einmal gesagt: das wenige, das du vom Evangelium begriffen hast und das dich bewegt, das lebe ganz konsequent, das genügt. Dann bist du ein guter und kluger Knecht des Herrn, eine gute und kluge Magd Christi. Amen.