Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis 2017

P. Ambrosius Leidinger OSB, 27.08.2017in der Stiftskirche

L. 21. S. Ev. Mt 16,13-20

Meine lieben Schwestern und Brüder!

Was Matthäus hier in kurzen, zusammengerafften Worten schildert als wäre es selbstverständlich, ist es ganz und gar nicht. Jemanden einen neuen Namen zu geben bedeutet doch, dass er damit in gewisser Weise ein neues Leben beginnt, ein Leben, das eine ganz neue Tragweite bekommt wie etwa bei einer Hochzeit, wenn ein Ehepartner einen neuen Familiennamen annimmt und etwas ganz Neues anfängt oder wie bei uns im Kloster bei der Einkleidung mit dem neuen Klosternamen.

In der Kuppel des Petersdomes ist dieser Text des Evangeliums, das Bekenntnis Jesu zu Petrus, in goldenen Lettern zu lesen: „Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam ...„Du bist Petrus - der Fels - und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen ...” (18). Darauf beruft sich das Papsttum.

Dieses außergewöhnliche Bekenntnis Jesu zu Petrus kommt nicht von ungefähr. Da die Leute nicht erfassen, wer er wirklich ist, fragt er die Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (15).

Und Petrus spricht für sie alle das urchristliche Glaubensbekenntnis: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (16).
Darauf ist Petrus nicht von sich aus gekommen. Das geht weit über menschliche Möglichkeiten hinaus. ,,Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (17). Hier bricht das in einen Menschen ein und aus ihm heraus, was Gottes Geist ihm eingibt.

Dieses Wort vom Felsen steht schon immer in der Glaubensgeschichte Israels ganz im Mittelpunkt. Es schließt die ganze Gotteserfahrung Israels ein.

Das Volk Israel kommt vom Felsen her, vom Sinai. In einer Felsspalte erfährt Mose den Vorübergang der Schönheit der Herrlichkeit Gottes (Ex 33,21). Der Dekalog ist vom Finger Gottes in Felstafeln eingegraben (Ex 24,12). Mose schlägt an den Fels, um dem dürstenden Volk in der Wüste Wasser zu verschaffen (Ex 17). Eine Anspielung darauf ist: „Jahwe gibt seinem Volk Früchte des Feldes, Wein aus dem Felsen, Honig und Öl aus der Felswand“ (Dt 32,13).

Der wichtigste Fels nach dem Sinai war der Zions- Fels. Die Stadt auf dem Felsen, Jerusalem, galt als besonders sicher. „Denn Jahwe birgt mich in seinem Tempel am Tag des Unheils. Er hebt mich auf den Felsen d.h. den Zionsberg empor“, so Ps 27.

Die Metapher Fels ist ein Bild für Sicherheit und gleichzeitig öffnet sich der Fels für etwas ganz Neues, für ein ganz neue Gotteserfahrung.
Die Fruchtbarkeit, die in dieser Spannung liegt, ist das Handeln Gottes an uns.

Und so auch bei Petrus: Bei allem, was von Petrus zu sagen ist, gilt dieses: Er ist der Fels, der Garant, und gleichzeitig entsteht etwas ganz Neues. Beides gehört bei Gott zusammen. Wer nur Sicherheit sucht, hat kein Vertrauen in Gottes Welt, die sich stets verändert. Anderseits: wer sich nicht auf den Fels stellt, der hat sein Leben auf Sand gebaut.

Bei all dem gilt: Jesus ist der eigentliche Fels. Jesus ist der Baumeister. Er ist der „Eckstein“ (1 Petr 2,6). „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,11). Petrus und die Kirche stehen und fallen mit ihm. Die Kirche ist kein Verein, dessen Existenz von
den Vereinsmitgliedern abhängt. Sie gründet ganz auf Gottes Gnade. Die Pforten der Unterwelt können ihr bei allem menschlichen Versagen von uns Christen im letzten nichts anhaben.

Wie sich Petrus zu Jesus bekennt, so bekennt sich Jesus zu Petrus. Er antwortet mit einer Seligpreisung: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jona .....(17).

Petrus ist Fels und Schlüsselmann (vgl. 19). Er soll den Willen Gottes von Jesus her auslegen und sagen, wo's langgeht auf dem Weg, an dessen Ende die enge Pforte zum Himmelreich aufgeschlossen wird.

Aber noch ein wichtiger Aspekt fehlt: Schauen wir noch einmal ins Alte Testament.

Wir haben den Fels als eine Gottesmetapher betrachtet. Aber es gibt noch einen weiteren ganz wichtigen Bezug. „Fels“ ist auch Bildwort für den Stammvater Abraham.

In Jesaja werden wir aufgefordert: „Blickt auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid. Schaut auf DEN SCHACHT, AUS DEM IHR HERAUSGEBOHRT WURDET. BLICKT AUF ABRAHAM, EUREN VATER, UND AUF SARA, DIE EUCH GEBAR (Jes 51,1-2)“.

Abram bekam von Gott einen neuen Namen Abraham, d.h. Vater der Menge (Gen 17,5). Es ist wie wenn Jesus Simon aus Betsaida Fels aramäisch Kefas als Beinamen gibt. Petrus ist wie Abraham der Vater des Glaubens. Petrus wird Jesu neuer Stammvater, der neue Abraham.

Petrus hat im neuen Namen Anteil an der Felsqualität des Gottes Israels. Auf seinen Glauben wird Verlass sein, Kefas ist der erste Jude, der Jesus als Messias verstand und ihn als Messias bekannte.

Er persönlich sammelt wie ein Stammvater nach der Hinrichtung Jesu die kleine Herde des neuen Israel und wird so zum „Vater der Menge“.

„Die lebendigen Steine" (1 Petr 2,5) , die Christen, werden durch den Petrus- Dienst von den Todesmächten abgehalten (Mt 16,18). Der Hintergrund dieser Felsmetapher impliziert ein in der Geschichte bleibendes Petrus- Amt, einen Felsen- Dienst, der von Mose auf Abraham auf Petrus übergeht und von dort auf seine Nachfolger, die Päpste.

Nur diese Felsqualität, diese Glaubensüberzeugung, birgt in sich die Fruchtbarkeit, wie Abraham und Petrus Vater des Glaubens zu werden, den Glauben weiter zu schenken, lebendige Steine zu sein im Hause Gottes. Wir können dann durch unser Leben wie Abraham und Petrus Zeugnis ablegen für Gott, für Jesus, den Sohn des lebendigen Gottes. Amen.