Predigt zum 20. Sonntag im Jahreskreis 2016

P. Ambrosius Leidinger OSB, 14. August 2016 in der Stiftskirche Neuburg

Evangelium: Lukas 12, 39-51

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen; und wie froh wäre ich, wenn es schon brennen würde.“ Ein seltsames Wort aus dem Mund Jesu.

Als zwei seiner Jünger einmal auf ein Dorf Feuer vom Himmel herunterfallen lassen wollten, weil man sie dort nicht gastfreundlich aufgenommen hatte, verhinderte er das. Und hier?

Ich denke, das Feuer, von dem Jesus spricht, ist kein Feuer, mit dem er bestrafen und vernichten will; und die Spaltung, von der er hier spricht, ist auch keine Spaltung, die Menschen unbedingt in einen Krieg oder in eine Katastrophe stürzen soll.

Die ersten Christen haben das existentiell erfahren: Ihre Entscheidung für Christus trug Spaltung in ihre Familien hinein, in ihre alten Freundeskreise, in ihre Dorf- und Nachbarschafts-gemeinde, später in ganze Völker. Ihre Entschiedenheit ist ihr Feuer.

Jesus wusste, wovon er sprach. Er, der hier solch harte Worte spricht, befindet sich an einer schwierigen Station seines öffentlichen Wirkens: Er hat sich mit seiner Predigt weit aus dem Fenster gelehnt: In aller Öffentlichkeit hat er die Pharisäer angegriffen und ihre Frömmigkeit in Frage gestellt; er hat vor ihnen gewarnt und sie provoziert; „übertünchte Gräber“ hat er sie genannt. Sein Auftreten in der Öffentlichkeit ist wie Feuer und Schwert, -an ihm scheiden sich die Geister - und er kann sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass das nicht ungestraft bleiben wird; letztlich hat es ihm das Leben gekostet. Das ist die „Taufe“, von der er spricht, Taufe mit seinem „Blut“ - und das macht ihm sicher Angst. Und dennoch, er kann nicht anders. Er muss so handeln, er muss so predigten, dazu weiß er sich von seinem Vater berufen - auch wenn es Streit gibt:

Er muss Feuer auf die Erde werfen. Aber - wie gesagt - nicht einfach um des Streites Willen, sondern um die Menschen zu einer Entscheidung zu führen: Entweder ist man für ihn - oder gegen ihn. Ein „Dazwischen“, ein „Vielleicht“ oder ein „Mal sehen“ – wie heute so oft - scheint es für ihn nicht zu geben.

Nur ein entschiedenes JA zu ihm oder ein NEIN. Diese Entschiedenheit macht uns Angst.

Bei ganz wichtigen Entscheidungen im Leben kann ich nicht machen, was die anderen, die Eltern oder sonst wer mir sagen, sondern ich muss tun, was mein Herz mir sagt, was Gott mir sagt.

Dann muss mein JA ein JA sein - und mein NEIN ein NEIN - ich muss mir treu bleiben, selbst dann, wenn es kracht in der Familie, kracht zwischen Freunden - wie es bei Jesus selbst und seiner Familie der Fall war, die ihn sogar einmal abholten wollten, weil sie ihn für irrsinnig hielten, oder nehmen wir einfach die Heiligen der letzten Woche: der hl. Dominikus mit seiner Entschiedenheit, den Glauben zu verkünden, dann Edith Stein, die mit ihrer jüdischen Umwelt brach, dann der hl. Laurentius, der in aller Entschiedenheit für die Sache der Kirche eingetreten ist, und die hl. Klara und der hl. Franziskus, die mit ihren Familien gebrochen hatten. Alle sind sich treu geblieben, weil dieses Feuer Christi in ihnen gebrannt hat.

Was wäre, wenn diese großen Heiligen, die ich da gerade genannt habe, gemacht hätten, was die anderen von ihnen verlangt hätten, die Familie?! Ich denke, es wären sicher alles brave gute Leute gewesen - aber es würde heute kein Hahn mehr nach ihnen krähen. Und die Welt hätten sie nicht verändert.

Das klingt alles ziemlich hart - und es ist es auch - weil es uns deutlich macht, dass unser Glaube eben nicht ein bisschen „Dekoration“ für Festtage sein kann, und Christsein nicht mit einem Messbesuch am Sonntagmorgen abgehandelt ist, sonst geht es in unserer pluralen Zeit heute unter. Es geht hier um Entschiedenheit, eine Entschiedenheit, die ein ganzes Leben durchdringen will, jeden Tag, unsere Art und Weise, mit Menschen und mit Gott zu leben und für sie da zu sein. Eine Entscheidung, die man sicher einmal ganz grundsätzlich fällen muss, als Anfang:
indem ich irgendwann einmal ein ganz deutliches JA sage zu meiner Taufe, für die ich sicher selbst ja gar nichts „konnte“, weil damals andere über mich entschieden haben;

JA muss ich sagen zu dem, was ich an meinem Glauben als gut entdeckt habe, was mir kostbar an ihm ist. Sonst kann ich ihn wegwerfen, oder besser er verliert sich. Das ich mich sehr bewusst auch immer wieder neu für ihn entscheiden muss, weil unsere Welt so sehr in eine andere Richtung läuft. Wir werden zwar alle „automatisch“ älter - aber nicht unbedingt auch „automatisch“ klüger oder besser und reifer. Deshalb müssen wir uns sicher hin und wieder noch einmal „bekehren“ d. h. bewusst hinkehren zu Gott – und hier können wir uns den Heiligen des heutigen Tages, P. Maximilian Kolbe, vor Augen stellen, der sich in einer ganz speziellen Situation ganz radikal zu Gott hingekehrt hat, indem er sein Leben für einen anderen Gefangenen im KZ anbot.

Wir merken: das geht nie von selbst, sondern nur, wenn ich es wirklich will - und wenn ich dabei auf den höre, der Feuer auf die Erde wirft – das Bild vom Feuer passt zu Maximilian Kolbe - das Feuer seiner Liebe, das auch mich erfassen will. Amen