Marienpredigt zur 13er Wallfahrt im Juli 2017

P.Johannes Naton OSB, 13.7.2017 in der Stiftskirche Neuburg

Evangelium: Joh 2, 1-11

Liebe Schwestern und Brüder,

eine Marienpredigt ist zu halten, das gehört sich so im Rahmen einer Dreizehnerwallfahrt.

Aber das ist für mich als Benediktiner gar nicht so leicht! Natürlich ehre und achte auch ich die Gottesmutter und Jungfrau Maria, die seliggepriesen wird durch alle Geschlechter, wie wir es aus dem Magnificat im Lukas-Evangelium wissen.

Aber wenn Sie einmal die Regel des Heiligen Benedikt von Nursia sorgfältig durchlesen, werden Sie eine erstaunliche Entdeckung machen:

Fast die Hälfte des Regeltextes besteht aus Bibelzitaten oder Paraphrasierungen biblischer Sentenzen. Der dreifaltige Gott, die Apostel, viele Heilige und biblische Gestalten werden erwähnt oder angedeutet: Nur Maria kommt nicht vor! Weder ihre Person noch Anweisungen zu irgendeiner Form konkreter Marienverehrung! Wie das? Ist Benedikt nicht katholisch?

Nun, man muss Verständnis für seine marianische Sparsamkeit haben, sie ist einfach zeitbedingt. Benedikt von Nursia ist ein Mensch des 5. Jahrhunderts, damals kannte man weder den Rosenkranz, der erst 600 später die frühmittelalterliche Paternoster-Schnur verdrängte, noch die vielen Marienfeste, die erst ab dem 7.Jahrhundert populär wurden, und auch marianische Wallfahrten waren noch nicht bekannt.

Benedikt legt in seiner Regel größten Wert auf die biblischen Texte, keiner der Psalmen darf im Mönchsgebet fehlen. Und er legt größten Wert auf die rechtgläubige Verehrung des DREIFALTIGEN GOTTES. Das lag wohl daran, dass er in seiner Jugend den Arianerstreit und die Anzweiflung der göttlichen und menschlichen Natur Jesu als einen Grund für die Kirchenkrise seiner Zeit erkannte und mit betont christozentrischen Frömmigkeit die Menschen wieder zur Mitte des Glaubens, zum erlösenden Gott Jesu Christi führen wollte.

Dass Maria als Jungfrau den Sohn Gottes geboren hat, das dürfte Benedikt ohne jeden Zweifel geglaubt und verkündigt haben. Aber diese betonte Jungfräulichkeit der Gottesgebärerin war im Konzil von Ephesus im Jahr 431 war für die Menschen damals vor allem eine Aussage über JESUS: Seine Göttlichkeit war durch dieses Dogma gegen die Arianer und Adoptianisten verteidigt worden. Und so gilt der Verkündigungseifer des Benedikt immer wieder der Dreifaltigkeit und der Erlösungsmacht Christi.

Ist Benedikt dann ein marianischer Versager, da er damals seinen Mönchsgemeinschaften das tägliche Marienlob nicht zur Pflicht machte?

Ich denke, Benedikt ist im tieferen Sinne sehr wohl marianisch, aber auf diskretere Weise, als das heute vielleicht vielen lieb wäre.

Er redet nicht ÜBER Maria, aber er redet IM SINNE VON MARIA! Er macht sich immer wieder das Marienwort zu eigen: WAS ER EUCH SAGT, DAS TUT! Und er macht sich die besondere marianische Haltung zu eigen: ER BEWAHRTE SEINE WORTE UND ERWOG SIE IM HERZEN! Das ganze Geheimnis der benediktinischen Spiritualität ist, immer wieder die Worte Jesu, das Evangelium, zu vernehmen, sich ihnen zu stellen, sie in Gottesdienst und geistlicher Lesung ins Herz aufzunehmen und immer wieder darüber nachzusinnen.

Eine solche Konzentration auf das Wesentliche und ein solches Vertrauen auf die Heilsmacht, die dem Evangelium innewohnt, ist allemal marianisch. Eine spirituelle Form der Jungfräulichkeit ist es, wenn man demütig auf große Wunder und Spektakel verzichten kann und etwa mit der heiligen Theresia sagen kann: GOTT ALLEIN GENÜGT! Zum weihnachtlichen Wunder der Menschwerdung, zum österlichen Wunder des leeren Grabes und zum pfingstlichen Wunder der Geistschenkung an uns Menschen muss nichts mehr hinzukommen. Maria hat diese drei Wunder selbst erlebt. Ihre Konsequenz ist, dass sie nicht über sich selber redet, sondern die Menschen auf Jesus hinweisen will. So redet auch Benedikt in seiner Regel kein Wort über sich selbst, seine Person oder seine Geschichte, sondern allein über die Möglichkeiten, die er kennt, um als Mensch zu Gott zu finden.
Benediktinische Marienfrömmigkeit müsste daher eine unaufgeregte, zuversichtliche und immerzu christozentrische Spiritualität sein. Würde bei Rosenkranzgebet der Name Jesu aus dem Zentrum des Betens gedrängt, verkäme er zu einem banalen Glasperlenspiel.

Weil aber die Frucht des Leibes Mariens der Dreh- und Angelpunkt ist, können wir so mit Maria und Benedikt immer wieder neu unser Leben an ihm ausrichten. Ganz unspektakulär, ganz diskret, treu und darum auch voll der Gnade. Amen.