Abtei im Herbst
Kirchenjahr
Ostern - Überfülle des Lebens

Ich wünsche Ihnen gesegnete und frohe Ostern. Unsere Schwestern und Brüder in den orientalischen Kirchen grüßen einander zu Ostern mit dem Ruf: „Christus ist auferstanden.“ Und die Antwort darauf lautet: „Ja, er ist wahrhaft auferstanden.“ Die Liturgie wird uns das in den kommenden Tagen und Wochen immer wieder in Erinnerung rufen: Ja, der Herr ist wahrhaft auferstanden. Das ist nicht nur ein Gerücht oder eine Legende.

Nein, der gekreuzigte Jesus ist nicht tot. Er lebt. Gott hat ihn nicht der endgültigen Vernichtung überlassen. Er hat ihn auferweckt. Jesus lebt. Die Hl. Schrift bezeugt es an vielen Stellen. Menschen haben das erfahren und bezeugen es. Sie bezeugen nicht nur das leere Grab, sondern eine neue Qualität von Gegenwart, für die sich im Bereich unserer Alltagserfahrungen nur unzureichende Parallelen finden.

 
Die Krippe in meinem Herzen

Wir alle haben uns aufgemacht zu dieser ungewöhnlichen Stunde und sind zur Kirche gekommen. Mag der Kirchgang für uns nun ganz selbstverständlich sein oder doch die große Ausnahme: Irgendeine Sehnsucht ist in uns lebendig. Die Botschaft von der Geburt des göttlichen Kindes will diese Sehnsucht einfangen. Das göttliche Kind kommt in misslichen Umständen zur Welt,  in Bethlehem im Viehstall vor der Stadt inmitten der Nacht. Das große Licht Gottes kommt gerade ins große Dunkel unserer Welt und so auch in das Dunkle unseres Lebens, und es bringt das, wonach wir uns sehnen: Helle und Wärme und den letzten Sinn unseres Lebens.

 
Gottes Geist wirkt

Es ist nicht einfach zu beschreiben, wie die Erfahrung der Jünger mit Jesus weitergegangen ist. Das Pfingstfest will uns etwas davon vermitteln. Mit der Himmelfahrt wird ja ausgesagt, dass Jesus den Seinen nicht mehr auf sinnenhafte Weise begegnet. Und doch ist er da; aber wie?

 
Fastenimpuls: Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegen gehen

Gott hat jedem von uns seine innerste und ureigene Berufung gegeben. Glücklich und heil sein heißt, in Harmonie mit dieser zentralen Bestimmung zu leben; das darzuleben, was Gott von seiner unendlichen Wirklichkeit in meiner begrenzten Wirklichkeit ausdrücken will. Alle Sünde und alles Unglück - sei es im Bereich des Persönlichsten oder in der großen Politik -  hängt damit zusammen, dass wir diese Berufung, die die tiefste Wahrheit unseres Herzens ist,  verloren haben. Wir leben nicht bei uns selbst, sondern in der Fremde. Die heutige Psychologie und Soziologie spricht vom Zustand der "Entfremdung".

 
Sich dem Geheimnis des Menschen öffnen

Einer der Wünsche, die man in diesen Tagen immer wieder zugesprochen bekommt, lautet: Frohe und besinnliche Weihnachten. Was damit gemeint ist, bleibt zuerst einmal im Vordergründigen. Was Freude ist, meinen wir zu wissen; aber wie steht es mit der Besinnlichkeit? Geht es dabei um eine entspannte Gemütsverfassung nach dem Endspurt der weihnachtlichen Vorbereitungen? Wünschen wir einander, dass wir endlich zur Ruhe kommen?

 
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