Abtei im Herbst
Wenn nicht der Herr das Haus baut ...

... müht sich jeder umsonst, der daran baut (Ps 127,1)

Menschen bauen. Das ist ein Urtun - wie essen, sprechen und schlafen. Wenn es schon vom Tier gilt, dass es sich seine Lebenswelt nach eigenem Bedarf gestaltet, um wie viel mehr richtet sich der Mensch ein. Er baut und baut um. Kein Haus ist auf Dauer, immer nur vorläufige Bleibe für ein paar Generationen, vielleicht nicht einmal das. Das erkennen wir auch an unserer Klosterkirche, die wir gegenwärtig bereits fünfzig Jahre nach dem letzten Umbau wieder von Grund auf renovieren und unseren Bedürfnissen anpassen. Wir leben nicht mehr im Paradies, in selbstverständlich dauernder Bleibe. Wir sind Vertriebene, gezwungen zu bauen, um zu bleiben - wenigstens für eine Weile.

 

 
Menschen und Zeiten in Neuburg

1130

Gründung durch die >Reichsabtei Lorsch, eines der berühmtesten Zentren benediktinischer Kultur (seit 763)

1195

Umwandlung in ein Nonnenkloster

um 1300

Neuburg wird Zisterzienserinnenkloster, Blüte klösterlichen Lebens, rege Bautätigkeit

1460

Kurfürst >Friedrich der Siegreiche veranlasst die Rückkehr des Konvents zur benediktinischen Observanz 

1562

Offizielle Aufhebung des Klosters als Folge der Reformation, danach unterschiedliche Nutzung

1672

„Fürst-Gräff- und Adeliches Fräulein und Jungfern Stifft“ (daher bis heute der Name Stift Neuburg)

1706

Beginn der jesuitischen Epoche, das Kloster wird restauriert und ausgebaut

1773

Der Jesuitenorden wird vom Papst aufgehoben und seiner weltlichen Güter für verlustig erklärt

1798

Der Kurfürst verpfändet das Stift an einen Privatmann zu Gunsten der Universität Heidelberg

1804

Verkauf des Stifts mit allen Gütern an den Regierungskomissar Ludwig Hout. Der Komponist Carl Maria von Weber ist zu Gast auf Neuburg, in dessen Bibliothek er „Das Gespensterbuch“ von Apel und Lau mit der >Freischützgeschichte findet, die ihn zu seiner bekannten Oper inspiriert

1825

Das Stift geht an den Kaiserlichen Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser aus Frankfurt über, einen Verwandten und Freund Goethes. Neuburg wird zu einem Zentrum der Spätromantik, zu seinen Gästen zählen u.a. auch Friedrich Schlegel und Clemens Brentano

1908

Unter seinem letzten privaten Besitzer, >Alexander von Bernus, wird Stift Neuburg nochmals zum Treffpunkt von einflussreichen Intellektuellen der Zeit: Rudolf Steiner, Stefan George, Friedrich Gundolf, Wilhelm Trübner und Klaus Mann wohnen in Neuburg

Literatur: Alexander von Bernus, Wachsen am Wunder (1984)

1927

Die Benediktiner ziehen wieder in Neuburg ein

1929

Adalbert von Neipperg (1890-1948) wird 1. Abt von Neuburg
Literatur: Benedikt Pahl OSB, Abt Adalbert von Neuburg und die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Benediktinerabtei Neuburg (1997)

1949

Tatkräftiger Ausbau des Klosters unter Abt Dr. Albert Ohlmeyer

1960

Einweihung der renovierten und um den jetzigen Altarraum erweiterten Klosterkirche

1988

Wahl und Weihe von P. Franziskus Heereman zum 4. Abt von Neuburg

2001

Umfassende Renovierungsarbeiten (Pfortenbereich, Kapitelsaal, Aula für Veranstaltungen, Neugestaltung des Noviziats usw.)

2010

Renovierung der Klosterkirche