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Geschichte Neuburgs

Die Abtei Lorsch wurde 763 von Erzbischof Chrodegang von Metz (754 durch den Papst zum Erzbischof und Nachfolger des Bonifatius ernannt) errichtet und mit Mönchen aus dem lothringischen Reformkloster Gorze besiedelt.

Reichsabtei Lorsch, Kupferstich von M. Merian, 1615

Schon früh gelangte die Reichsabtei im heutigen Heidelberger Raum zu Besitz und Einfluss. 850 schenkten zwei fränkische Freie aus Dossenheim, Eschrich und Heimrich "dem heiligen Märtyrer Gottes, Nazarius, welcher im Rheingau im Kloster, welches Lorsch genannt wird, ruht, im Lobdengau, im Steinbachtal ein Besitzrecht von zehn Huben." Nur wenige Jahre später errichtete Abt Thiotrich auf dem Heiligenberg, einer alten keltischen und später römischen Kultstätte, eine Basilika zu Ehren des Erzengels Michael. 882 schenkte Ludwig III. (* um 835; † 882), ein Enkel Karls des Großen, das umliegende Waldgebiet mit weiteren Gütern dem Kloster Lorsch, sodass die materielle Grundlage der jungen Mönchsgemeinschaft gesichert war.

Ob es auf der Hügelkuppe zwischen Neckar und Mausbach östlich von Heidelberg schon vor der Klostergründung eine Ansiedlung gegeben hat, etwa eine Burg, lässt sich nicht sicher belegen. Die Quellen besagen nur, dass der "fromme und begüterte Anshelm" in Lorsch eintrat. Er "stiftete die Zelle zu Niwenburg; er ließ da eine Kirche bauen und sie zu Ehren des heiligen Apostels Bartholomäus weihen; auch ließ er Wohnungen einrichten für solche, die Gott hier dienen wollten, und schenkte jenem Ort all sein Vermögen und Besitztum."

1130 entsandte Abt Diemo die ersten Mönche nach Neuburg. Diese Gemeinschaft bildete eine Cella, also ein von der Mutterabtei abhängiges Kloster, dem ein Propst vorstand. Geistliche Grundlage des mönchischen Lebens war hier wie in Lorsch die Regel des hl. Benedikt (*480; † 547), die durch die Klosterreform Benedikts von Aniane (* vor 750; † 821) in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts zur einzigen Mönchsregel im Karolingischen Reich geworden war.

Die ersten vier Jahrhunderte

Die junge Gründung entwickelte sich nicht so gut, wie man es erhofft hatte. Zwar erhielt sie auf Bitten des Propstes Marquard am 14. Mai 1144 die päpstliche Anerkennung und wurde durch eine Bulle Lucius II. (Papst von 1144 bis 1145) dem Schutz des apostolischen Stuhles und der Schirmvogtei von Lorsch unterstellt.

1165 gab es in Neuburg keine Mönche mehr, vermutlich wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Fürstabt Heinrich von Lorsch musste es daraufhin wiederbesiedeln, von Schuldenlasten befreien und neu mit Gütern ausstatten, die in Plankstadt, Seckenheim, Viernheim, Gernsheim, Lützelsachsen, Großsachsen und Neuenheim lagen.

Die große Zeit der Reichsabtei Lorsch ging bereits ihrem Ende entgegen. Misswirtschaft, Verfall der klösterlichen Disziplin und das Absinken der kaiserlichen Macht schwächten das Kloster und führten schließlich 1232 zu dessen Auflösung.

1195 schon war Neuburg auf Veranlassung Pfalzgraf Konrads von Staufen (* ca. 1134; † 1195, Halbbruder von Kaiser Friedrich Barbarossa) und seiner Gemahlin Irmingard von Abt Sigehard von Lorsch in ein Frauenkloster umgewandelt worden. Auch unter der ersten Äbtissin Cunegundis und ihren Nachfolgerinnen kam es zu keiner Blüte klösterlichen Lebens. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht blieb die Lage prekär. Ohne die Zuwendungen des Pfalzgrafen, der dem Kloster sehr zugetan war, hätte es kaum überleben können.

Mit der Aufhebung von Lorsch gingen dessen Rechte (und Pflichten) als Mutterkloster an den Bischof von Mainz über, dann an das Hochstift Worms, zu dessen Diözese Neuburg bis 1806 gehörte. Dort favorisierte man die Reform von Cîteaux (1098), die sich seit 1115 unter dem Einfluss Bernhards von Clairvaux (* um 1090; † 1153) rasch über ganz Europa verbreitet hatte. Unter Mitwirkung der nahen Zisterzienserabtei Schönau wurde Neuburg dem neuen Orden einverleibt.
Um 1303 werden die Nonnen erstmals Zisterzienserinnen genannt.

Zisterzienserkloster Schönau um 1580, Kurpfälzer Skizzenbuch
Das ehemalige Kloster Bursfelde an der Weser, Mutterkloster der gleichnamigen bedeutenden Reformkongregation
Der Übertritt führte zu einem Aufschwung des klösterlichen Lebens. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, von der noch die doppelgeschossige Seitenkapelle und die Kirche in ihrer Grundform zeugen. Allerdings kam es hierdurch wieder zu drückenden finanziellen Engpässen, sodass Äbtissin Elisabeth und ihr Konvent 1360 beschlossen, die Zahl der Nonnen in Zukunft auf zwanzig zu beschränken. Aber auch die innere Verfassung des Klosters entwickelte sich nicht zum Besten. Die Quellen sprechen für die Epoche um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert von Totschlägen innerhalb Neuburgs Mauern. Heidelberger Bürger beklagten sich über das sittenlose und weltliche Benehmen der Nonnen.
Kardinal Nikolaus von Kues (* 1401 in Kues an der Mosel, heute Bernkastel-Kues; † 11. August 1464 in Todi, Umbrien), war ein schon zu Lebzeiten berühmter, universal gebildeter deutscher Philosoph, Theologe und Mathematiker. Er gehörte zu den ersten deutschen Humanisten in der Epoche des Übergangs zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit.

Um 1460 kehrte der Neuburger Konvent auf Veranlassung Kurfürst Friedrichs des Siegreichen (*1425; † 1476) zur ursprünglichen benediktinischen Observanz zurück. Unter der bedeutenden Äbtissin Margarethe Folin von Irmtraut schloss er sich spätestens 1478 der gerade aufblühenden Bursfelder Reform- Kongregation an, die vom päpstlichen Legaten Nikolaus von Cues (* 1401; † 1464) gefördert wurde. Noch einmal begann eine rege Bautätigkeit, verbunden mit einem Aufstieg des klösterlichen Lebens.

Die Aufhebung in der Reformation

Schon unter der Regierung der Äbtissin Katharina (1513- 1526), der jüngsten Tochter des Kurfürsten Philipp (*1448; † 1508), machte sich in der Abtei der Einfluss von Luthers Lehre bemerkbar, ebenfalls unter ihrer Nachfolgerin, der Gräfin Sabina von Zweibrücken und Bitsch (1526/27 -1535). Äbtissin Anna von Frankenstein (1535-1549) hingegen erzwang mit Hilfe ihres Beichtvaters, dass die klösterliche Gemeinschaft dem alten Glauben treu blieb. 1539 hatte sie mit dem Konvent schwere Streitigkeiten wegen der Konfessionszugehörigkeit, die aber durch einen Vergleich beigelegt wurden.

Wann genau und wie die neue Lehre in Neuburg eingeführt wurde, ist nur ungefähr auszumachen. Die letzte Äbtissin Pfalzgräfin Brigitta (1554-1562 ), Tochter Johannes II. von Simmern-Sponheim (*1492; † 1557 ), öffnete der vordringenden Reformation die Tore. Kurfürst Ottheinrich (1502; † 1559), ihr Vetter, gestattete ihr die Verkündigung der lutherische Lehre.

1568 werden noch eine Margarethe von Helmstedt als Verwalterin und ein Konvent urkundlich erwähnt.

1572 bestand ein solcher nicht mehr. Von jetzt an liegt das Schicksal Neuburgs in der Hand der Kurfürsten von der Pfalz.
Die Herrscher nutzen den Wechsel der Konfession aus, um ehemaligen katholischen Kirchenbesitz ihrem Privatvermögen einzuverleiben. So geschah es auch mit Neuburg. Zunächst beließ Kurfürst Friedrich IV. (* 1574; † 1610) die Einnahmen aus dem Klostervermögen der reformierten Güterverwaltung. Am 1. Juni 1598 wurde das ehemalige Kloster dann vom Kurfürsten als Wittum (Altersversorgung) seiner Gemahlin Luise Juliane verschrieben. Es diente der kurfürstlichen Familie als „Lusthaus“, was damals so viel wie „Landhaus“ hieß. Mit den anrückenden bayrischen Truppen unter Tilly ((* 1559; † 1632), Johann Tserclaes Tilly war Oberbefehlshaber der katholischen Liga-Truppen im Dienste des Kurfürsten von Bayern. Nach der Absetzung Wallensteins 1630 war Tilly bis zu seinem Tode auch Oberkommandierender des kaiserlichen Heeres) im September 1622 änderten sich auch die kirchlichen Verhältnisse.

Grabplatte der Äbtissin Katharina von der Pfalz in der Stiftskirche

Die Herrscher nutzen den Wechsel der Konfession aus, um ehemaligen katholischen Kirchenbesitz ihrem Privatvermögen einzuverleiben. So geschah es auch mit Neuburg. Zunächst beließ Kurfürst Friedrich IV. (* 1574; † 1610) die Einnahmen aus dem Klostervermögen der reformierten Güterverwaltung. Am 1. Juni 1598 wurde das ehemalige Kloster dann vom Kurfürsten als Wittum (Altersversorgung) seiner Gemahlin Luise Juliane verschrieben. Es diente der kurfürstlichen Familie als „Lusthaus“, was damals so viel wie „Landhaus“ hieß. Mit den anrückenden bayrischen Truppen unter Tilly ((* 1559; † 1632), Johann Tserclaes Tilly war Oberbefehlshaber der katholischen Liga-Truppen im Dienste des Kurfürsten von Bayern. Nach der Absetzung Wallensteins 1630 war Tilly bis zu seinem Tode auch Oberkommandierender des kaiserlichen Heeres) im September 1622 änderten sich auch die kirchlichen Verhältnisse.

1629 gab ein Restitutionsedikt Neuburg der katholischen Kirche zurück. Neuburg wurde aber den Jesuiten überlassen, die bis zu ihrer ersten Vertreibung 1632 in Neuburg blieben.

1648 fiel Neuburg durch die Restitution der Pfälzischen Fürsten wieder der Reformierten Kirche zu.

1672 fasste Kurfürst Karl I. Ludwig (1617 - 1680) den Plan, das alte Kloster in ein adliges Fräuleinstift umzuwandeln. Seine Töchter aus zweiter Ehe, die Raugräfinnen, und die Töchter des kurpfälzischen Adels erhielten von ihm standesgemäßen Unterhalt. Die Klosterbauten wurden einer gründlichen Renovierung unterzogen, ein Turm der Kirche zugefügt und die Wehrhaftigkeit des Ganzen einigermaßen wiederhergestellt. Dabei erhielten die Klostergebäude ihr heutiges Aussehen.

Die Bezeichnung „Stift“, die Neuburg seither geblieben ist, hat seit der Reformation einen erheblichen Bedeutungswandel durchgemacht. Anfangs waren es noch ehemalige Kollegiatstifte, die als Versorgungsanstalten für unverheiratete, meist adlige Damen weiterlebten. Später wurden solche Institutionen als „Stifte“ eigens errichtet. Das „Stift“ Neuburg hatte einen durchaus religiösen Charakter wie aus seiner Regel, die Karl Ludwig selbst verfasst hat, hervorgeht.
Die Zahl der reformierten Stiftsdamen war im Entstehungsjahr des Stiftes auf zwölf Damen unter zwei Vorsteherinnen festgesetzt worden. Auch Lutherischen stand der Eintritt offen, „sofern sie nur jedes Religionsgezänk vermeiden wollten“. Die Mitgliederzahl schmolz sofort nach dem Tod Karl Ludwigs erheblich zusammen, bis der Untergang der alten Simmernschen Linie des Kurhauses schließlich auch 1681 den Untergang dieser Lieblingsstiftung des Kurfürsten bedeutete.

Grabplatte, vermutlich der Markgräfin Beatrix von Baden, durch Heirat Pfalzgräfin von Pfalz- Simmern (1492 – 1535), heute im Park.
Grabplatte des Wigbertus de Erlickheim, gestorben 1452
Grabplatte der Äbtissin Agnes Ulnerin von Dippurg, gestorben 1452
Ein Teil von Tillys Truppen lagerte während des 30jährigen Krieges 1622 unterhalb des Klosters. Kupferstich von Nikolaus Bellus.
Ansicht des Klosters von 1640 von einem unbekannten Künstler

Die Zeit der Jesuiten

Mit dem neuen Kurfürsten Philipp Wilhelm (*1615; † 1690) aus der katholischen Linie Pfalz-Neuburg gelangten die Katholiken in Heidelberg wieder zu größerem Einfluss.

Die Zeiten waren unruhig. Französische Heere verwüsteten die Stadt gleich zweimal 1689 und 1693.

1693 entging Neuburg nur knapp dem gleichen Schicksal. Ein französischer Hauptmann, zugleich Hofmeister des Generals de Lorge, wurde während einer Erkundung von einem Wegelagerer in der Nähe des Klosters erschossen und tot ins Stift gebracht. Als Wiedergutmachung ordnete der General die Zahlung einer sehr hohen Geldsumme oder die völlige Zerstörung des Anwesens an. Nur durch Vermittlung des Kapuzinerpaters Placidus konnte die Unschuld des Stiftes bewiesen und der General de Lorge somit beschwichtigt werden.

Nachdem die Katholiken mit Hilfe französischer Soldaten die Reformierten vom Stift gejagt hatten, betraten sie am 11. Mai 1698 mit einer großen Prozession die Stiftskirche und weihten sie zu ihrem Gottesdienst ein. Fortan hielten hier sonn- und feiertags Ordensleute aus Heidelberg (Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner) katholischen Gottesdienst.

Zeitweilig wurden seine Gebäude als Armenhaus genutzt. Arme Leute und Kinder wurden hier aufgenommen, wobei die Kinder in einer Manufaktur unbekannter Art, wahrscheinlich in der „Stiftsmühle“, beschäftigt wurden.

1706 übergab Kurfürst Johann Wilhelm (* 1658; † 1716) gegen den Widerstand der Benediktiner die ehemalige Abtei "ewig und erblich dem Kolleg und den Vätern der Gesellschaft Jesu zu Heydelberg". Damit begann eine neue Epoche.

Die Jesuiten mühten sich sehr um die Renovierung und den Ausbau des Klosters.

So wurde ein dreiteiliges barockes Eingangstor geschaffen und davor eine Mariensäule aufgestellt. Die meisten älteren Teile der heutigen Anlage gehen in ihrer Gestalt auf diese Zeit zurück, so die Kirche, der Süd- und der Westflügel. Ferner legte man vom Mausbachtal her eine eigene, noch heute funktionierende Wasserleitung, die u.a. einen Brunnen speist, der zu früheren Zeiten als Pferdetränke diente. In Verbindung damit dürfte damals das Landwirtschaftsgebäude mit drei sandsteingefassten Toren errichtet worden sein. Es hat in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem neuen Wohntrakt weichen müssen.

<h5><i>Die Zeichnung von Stephan von Stengel (1750 – 1822) zeigt sehr eindrucksvoll die Nebengebäude vor der Klosterkirche</i></h5>
Stengel Federzeichnung
Toreinfahrt von Stift Neuburg, Photographie um 1930
Toreinfahrt mit Pferdefuhrwerk
Die Marienstatue von 1747 auf der Mariensäule vor dem Kloster
Die Eingangstür zur Brunnenstube im Mausbachtal. Auf dem Türsturz befindet sich die Inschrift 17 IHS 25.
Der Brunnen vor dem alten Ökonomiegebäude, Aufnahme um 1927

Im Übrigen diente das ehemalige Kloster den Heidelberger Patres gern zu fröhlichem Aufenthalt und zur Erholung von der Arbeit.

Dem Wirken der Gesellschaft Jesu an der Heidelberger Universität war aber keine "Ewigkeit" bestimmt.

1773 wurde der Orden vom Papst aufgehoben und seiner weltlichen Güter verlustig erklärt. So kam Neuburg für kurze Zeit an den Orden der Lazaristen, bei denen viele ehemalige Jesuiten Unterschlupf gefunden hatten, die weiterhin als Professoren wirkten.

Die Universität bestürmte aber 1798 die kurpfälzische Regierung mit der Bitte die Übernahme des Stiftes zur Tilgung ihrer finanziellen Verbindlichkeiten.

1799 wurde Neuburg so dem Rotgerber Johann Peter Werle als Sicherheit für die der Universität vorgestreckte Geldsumme von 28000 Gulden verpfändet. Das war der erste Schritt zur vollständigen Privatisierung des „Stiftes“.

Neuburg unter weltlichen Besitzern

Die Verpfändung an Johann Peter Werle war der erste Schritt zur Veräußerung des Klosters. 1804 verkaufte die kurfürstlich badische katholische Kirchenkommission das Stift mit allen dazugehörigen Gütern an einen Regierungskommissar Ludwig Hout. Zu dieser Zeit verkehrte Carl Maria von Weber oft in Neuburg. In der Bibliothek des Stiftsherrn fand Weber eines Tages Apel und Laun´s Gespensterbuch mit der Geschichte des Freischütz, die ihn zu seiner gleichnamigen Oper inspirierte, die er aber erst zehn Jahre später niederschrieb. Den romantischen Geist hat Weber damals in jenem Neuburger Sommer zum ersten Mal in sich gespürt als die Offenbarung seines ureigenen Genies.

1825, nach dreimaligem Besitzerwechsel, erwarb der Frankfurter Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser, der Ehemann von Goethes Nichte und sein Freund, mit seiner Gemahlin Sophie Charlotte geborene du Fay, das Anwesen. Bis zu seinem Tod 1851 verbrachte Schlosser regelmäßig die Sommer- und Herbstmonate auf Stift Neuburg. Ihm bot es "durch den Reiz seiner Lage und seiner äußeren Verhältnisse nicht minder als durch seine innere Beschaffenheit, und die daselbst getroffenen Einrichtungen, in einem seltenen Grade alle jene Annehmlichkeiten, die von einem zu Lust und Genuss bestimmten Landsitze gefordert werden können." So Schlosser in einer eigenhändig geschriebenen Darstellung aller Einzelheiten des Stiftes.

Neuburg wurde Treffpunkt bedeutender Männer der Spätromantik. Da war einmal Josef Görres (1776 - 1848), Privatdozent in Heidelberg, Herausgeber der „Deutschen Volksbücher“ und des „Rheinischen Merkur“, Publizist der Freiheitskriege und Sprecher des katholischen Volksteils, ferner Justinus Kerner (1786 - 1862), Arzt und Schriftsteller in Weinsberg, Mittelpunkt der Schwäbischen Dichterschule, dann Ernst Fries (1801 - 1833), neben Carl Philipp Fohr (1795 - 1818) der bedeutendste Maler der Romantik, von dem es im Kurpfälzischen Museum ein Ölgemälde des Neckartals bei Stift Neuburg gibt.

Zu Gast waren auf längere oder kürzere Zeit außerdem die Kardinäle Johannes von Geißel (1796 - 1864) Johannes Baptist Jocob von Geißel, geadelt 1839 war Kardinal. Er war von 1837 bis 1841 Bischof von Speyer und von 1845 bis 1864 Erzbischof von Köln und Karl August von Reisach (1800 - 1869), die Bischöfe Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler (1811 - 1877) und Johann Michael Sailer (1751 – 1832), Franz Josef Mone (1796 – 1871), Charles de Montalember (1810 – 1870), Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757 – 1831), Beda (Johann Chrysanth) Weber (1798 – 1858), Clemens Brentano (1778 – 1842), Melchior Ferdinand Diepenbrock (1798 -1853), Ludwig Tieck (1773 – 1853), Johann Friedrich Overbeck (1789 – 1869), Eduard Jakob von Steinle (1810 – 1886) und Philipp Veit (1793 - 1877), Bischof Karl Joseph von Hefele (1809 – 1893) und Johann Adam Möhler (1796 – 1838).

Zu nennen sind auch Goethes Enkel Walther und Wolf und Marianne von Willemer, Goethes „Suleika“, die fast jeden Sommer nach Neuburg kam. Wolfgang Maximilian von Goethe (1820 – 1883) war ein weiterer Enkel Goethes. Er arbeitete als Jurist und Preußischer Legationsrat.

Das Ehepaar Schlosser konvertierte 1814 in Wien bei Clemens Maria Hofbauer (* 1751; † 1820) zur katholischen Kirche. Im Bibliotheksflügel richtete er die erste Goethe-Gedenkstätte ein mit Schriften von und über den Dichter, Autographen, Bildern und sonstigen Erinnerungsgegenständen. Die wertvolle Bibliothek mit mehr als 30000 Bänden sollte später an das Mainzer Priesterseminar gehen.
Park und Terrasse gestaltete der Karlsruher Gartenbaudirektor Johann Metzger (*1789; † 1852), der sich auch um die Erhaltung des Schlosses und die Gestaltung der Scheffelterrasse verdient gemacht hat.

Da das Ehepaar Schlosser keine Kinder hatte, ging Neuburg nach dem Tod der Frau Rat 1865 über eine Nichte Marie du Fay an die Familie der Freiherren von Bernus, ebenfalls einer angesehenen Frankfurter Familie. In ihrem Besitz blieb es bis 1926. Unter dem letzten weltlichen "Stiftsherrn", Alexander von Bernus, wurde Neuburg noch einmal zu einem Treffpunkt bedeutender Geister, allerdings ganz anderer Couleur als zu Schlossers Zeiten.

Häufig kehrte der Maler Wilhelm Trübner (1851-1917), Akademie- Professor in Karlsruhe, im Stift ein und suchte sich Motive. Einige seiner Bilder befinden sich im hiesigen Kurpfälzischen Museum.

Es kamen und gingen Stefan George (1868 – 1933), der Lyriker Stephan George, Karl Wolfskehl (1869 – 1948), Friedrich Gundolf (1880 -1931), Friedrich Gundolf war Dichter und Literaturwissenschaftler Rainer Maria Rilke (1875 – 1926), Richard Dehmel (1863 – 1920), Alfred Kubin (1877 – 1959), Friedrich Schnack (1888 – 1977), Richard Benz (1884 – 1966) und Klaus Mann (1906 – 1949). Weltanschaulich stand Alexander von Bernus der Anthroposophie nahe. In einem Briefwechsel mit Rudolf Steiner (1861 – 1925), dem Begründer der Anthroposophischen Gesellschaft, bot von Bernus diesem die Anhöhe hinter dem Stift, den sogenannten Stiftsbuckel, zum Bau des Goetheanums an, das dann aber in Dornach bei Basel als Zentrum der Anthroposophischen Gesellschaft entstand.
Die Nachkriegsjahre gestatteten es dem Privatmann nicht mehr, einen so ausgedehnten Besitz wie Stift Neuburg zu halten. Als die Benediktiner im Badener Land ein Kloster eröffnen wollten und Bernus der Erzabtei Beuron das Stift anbot, begrüßten viele diese Gründung.
Kurz vor dem Verkauf an die Benediktiner veröffentlichte Bernus eine Gedichtsammlung mit Holzschnitten von Joachim Lutz (1906 – 1954) über "Stift Neuburg".

Dass dem Dichter die Trennung nicht leicht geworden ist, dokumentiert sein Gedicht "Abschiedsabend auf Stift Neuburg - Mir selbst und einigen Freunden zum 13. Februar 1927". In ihm schrieb er: "Wer selber je empfunden, / Was Abschiednehmen sei, / Wer solchen Tod erlitten, / Der fragt nicht erst: Warum? / Mein Stift, ererbt, erworben, / Verwaltet wie ein Amt: / Heut gebe ich‘s dem Orden / Zurück, von dem es stammt."