Betrachtungen eines Teichwirts und eines Landwirts

Im Zuge der Übernahmevorbereitung baten wir befreundete Fachleute, uns ihre persönliche Meinung über den Zustand der Landwirtschaft kundzutun, um einen ungefähren Eindruck der Investitionskosten zu bekommen. Hier nun einige ausgewählte Antworten.

Tierhaltung

Wenn Kühe schon im Stall leben müssen, kann man zumindest dafür sorgen, dass sie auf trockenem Stroh – nicht in den eigenen Exkrementen – liegen können.

In einem solch vernachlässigtem Raum Milchvieh „aufzubewahren“, ist aus hygienischer Sicht unzumutbar für Tiere, die wie wir Menschen auch lieber frische Luft statt Gülle-Gestank einatmen.

Tiergesundheit

Den Befall mit Würmern sieht man Ziegen nicht sofort an. Deshalb entwurmt man sie regelmäßig auf natürliche Basis oder untersucht den Kot auf Wurmbefall. Die Tatsache, dass meist nur 20-30% der Ziegen einer Herde tatsächlich eine Entwurmung benötigen, gibt der gezielten Entwurmung den Vorrang. Sieht eine Ziege allerdings so wie dieses Tier aus, gehe ich davon aus, dass schon lange nicht mehr ordnungsgemäß entwurmt wurde.

Durch ein gezieltes Parasitenmanagement, wozu auch häufiger Standortwechsel der einzelnen Tiergattung gehört, können Tiere dauerhaft gesund erhalten werden.

Struppige, in den Flanken extrem eingefallene Tiere mit wenig Bewegungsbedürfnis laden nicht zum Streicheln, sondern zum Bedauern ein.

Tierwohl

Dass neugeborene Kälber gleich nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden, ist leider noch immer in vielen Betrieben gängige Praxis. Die Kälbchen auf dem Bild sind anscheinend direkt nach der Geburt von ihren Müttern getrennt worden. Diese Mutterkühe wurden mittlerweile auch weggebracht.

Zurückgeblieben sind wenige Wochen junge Kälber, die sich gegenseitig unruhig und suchend das Fell, die Schwänze und andere Körperteile ablecken – in der Hoffnung, das mütterliche Euter doch noch zu finden. Dass es anders geht, zeigen immer mehr Bio-Betriebe. Das Hofkonzept sollte aus meiner Sicht hinterfragt werden. Biokäse kommt nicht zwangsläufig von artgerecht gehaltenen Tieren.

Bodenbewirtschaftung

Verdichtete Böden durch permanente Überweidung mit der immer gleichen Tierart muss heute nicht mehr sein. Dafür gibt es zu viel Wissen, das man sich aneignen kann, sofern man dies möchte.

Eine artenreiche Pflanzenwelt und damit auch Rückzugsort für dringend benötigte Insekten (Naturbestäuber) sind immer mit einem klugen Weidemanagement verbunden. Davon habe ich bei meinen stundenlangen Begutachtungen über die Flächen nichts finden können.

Nachhaltiges Wirtschaften erfordert auch Ruhezeiten für Land und Lebewesen einzuplanen. Die Wiesen renaturieren, sich erholen und wieder in ihr eigentliches ökologisches Gleichgewicht kommen lassen, muss daher die erste dringliche Aufgabe der Klosterlandwirtschaft sein.

Das bedeutet: Arbeitseinsätze wie die Saat wichtiger „Wildkräuter“, sanfte Bodenbearbeitung wo nötig, Pflanzung vogelfreundlicher Hecken etc. - und für einige Zeit kein Generieren von monetären Gewinnen.

Baum und Zaun

Hier darf man einfach mal genau hinsehen. Zäune haben die Aufgabe, Tiere drinnen zu halten, ohne sie bei Ausbruchversuchen zu verletzen. Ebenso dürfen Zäune keine Gefahr für Kinder darstellen. Deshalb: Stacheldraht gehört nicht mehr in unsere Welt.

Sichere Zäune erfordern regelmäßiges Warten und Ausbessern, wie jeder Landwirt weiß. Rund ums Kloster ist dies für jedermann sichtbar seit Jahren nicht mehr geschehen.

Ebenso schlimm ist aus Sicht des mitfühlenden Menschen auch der Umgang mit den Bäumen. Die reine Vernachlässigung der vielen – teilweise uralten – Bäume ist an sich schon schlimm genug.

Die vielen eingewachsenen Drähte und Zäune allerdings geben der Sache noch einen zusätzlichen Hinweis auf völlige Natur-Ignoranz.

Fischteiche

Aus Sicht natur- und tierschutzgerechter Haltung muss diese Teichanlage umgebaut. Die Ufer sind zu steil. Wirbeltiere oder Kleinstlebewesen können sich nicht selbst retten.

Die Verschlammung ist fortgeschritten. Dies führt im Hochsommer zu Sauerstoffmangel. Auch wird das Krankheitsrisiko für die Fische erhöht (Bauchwassersucht, Verpilzung, Stress). Dies führt zu Qualtätsverlust beim Endprodukt.