Benediktinisches Mönchtum

Der „Benediktinerorden“

Benediktiner und Benediktinerinnen bilden keinen Orden im eigentlichen Sinn. Erst Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich auf Wunsch Papst Leos XIII. die benediktinischen Klöster weltweit zur sogenannten „Benediktinischen Konföderation“ zusammen. Dabei blieb das Prinzip der Eigenständigkeit der einzelnen Klöster erhalten. So gibt es keine zentrale Leitung, keine gemeinsame Ausbildung der Novizen oder Versetzungen in andere Klöster des Ordens. Beim Eintritt bindet sich der Novize immer an eine konkrete Gemeinschaft, in der er lebt.

Der von den Äbten des Äbte- Kongresses gewählte Abtprimas repräsentiert den Orden in Rom, wo er seinen Sitz in der Primatialabtei Sant’Anselmo auf dem Aventin hat. Gleichzeitig ist er Großkanzler der gleichnamigen Päpstlichen Hochschule Pontificio Ateneo Sant’Anselmo. Er setzt sich vor allem für die Verbindung, den Austausch und die praktische Hilfe der einzelnen Gemeinschaften untereinander ein.

Primatial-Abtei Sant‘Anselmo

Das Kürzel „OSB“, das die Mönche und Nonnen ihrem Namen beifügen, bedeutet: Ordo Sancti Benedicti, „Orden des hl. Benedikt“. Damit sind alle Klöster gemeint, die sich nach der Lebensordnung der Regel Benedikts ausrichten, so unterschiedlich sie konkret auch sein mögen.

Wohl gibt es Klosterverbände, sogenannte Kongregationen, die eine bestimmte eigene Tradition leben: in Deutschland sind es die Bayrische Kongregation, die Beuroner Kongregation, die Missionsbenediktiner von St. Ottilien. Die Abtei Kornelimünster gehört der Sublazenser- Benediktiner-Kongregation an, die Abtei St. Matthias in Trier der Benediktinerkongregation von der Verkündigung.

Die Erzabtei Beuron liegt im oberen Donautal. Die Erzabtei ist Stammkloster der Beuroner Kongregation.
Die Erzabtei St. Ottilien westlich von München ist das Stammkloster der gleichnamigen Kongregation der Missionsbenediktiner, die 1884 gegründet wurde.
Die Abtei Metten, 1803 aufgehoben, konnte 1830 als erstes bayrisches Kloster wiedereröffnet werden.

Weltweit leben heute etwa 19000 Benediktinerinnen in ca. 870 Gemeinschaften und etwa 8800 Benediktiner in ca. 200 Gemeinschaften.

Die Mönchsväter

Erste bezeugte Anfänge des Mönchtums gehen bis ins 3. Jahrhundert zurück. Männer und Frauen machten sich aus ihren Familien und den Städten auf, um in der Einsamkeit, abseits vom weltlichen Getriebe, ganz nach dem Evangelium zu leben. Sie führten das asketische Ideal fort, das schon zu neutestamentlicher Zeit in bestimmten christlichen Kreisen lebendig war.

Der hl. Antonius der Große, der berühmte Einsiedler in der ägyptischen Wüste (* um 251; † 356), brachte in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts in Ägypten und Syrien eine ungeheure Mönchsbewegung in Gang. „Wüstenväter“ und „Wüstenmütter“ lebten in Einsiedeleien. Während sie sich durch einfache Tätigkeiten wie Matten- und Korbflechten ihren Lebensunterhalt erarbeiteten, beteten und meditierten sie in der Einsamkeit und öffneten ihren Geist und ihre Seele ganz und gar auf Gott hin.

Der hl. Mönchsvater Antonius (um250 – 356)

Um Gott begegnen zu können, muss der nach Gott Ausschauhaltende sich zuerst selbst begegnen. In sich findet er aber immer wieder Hindernisse auf dem Weg zu Gott.

Es sind psychische Kräfte, Leidenschaften, die ihn beherrschen können, aus deren Energie er aber gleichzeitig lebt. Sie zu integrieren und für das eigene Leben und das der anderen fruchtbar zu machen, ist uns als große spirituelle Aufgabe geblieben: mit sich eins zu werden und darin mit Gott.

Diese Gottsucher, die in kleinen Gruppen oder allein lebten, wurden so zu monachoi, zu Mönchen. In ihrer Liebe zu Gott waren sie den Menschen zugekehrt. Rat- und Hilfesuchende fanden den Weg zu ihnen, und ihr Ruf verbreitete sich überall.

Dieser innere Weg einer tiefen Gottesliebe führte sie zu einer ehrlichen Selbstbegegnung und verhalf ihnen zu einer großen Menschenkenntnis. Man kann sagen, sie waren die Psychologen ihrer Zeit.

Die andere ganz wichtige Gestalt dieser frühen Mönchsbewegung ist der hl. Pachomius, der Begründer des klösterlichen Gemeinschaftslebens (* um 292/298; † 346), der Klöster gründete, in denen Mönche nicht mehr als Einsiedler lebten, sondern eine Gemeinschaft bildeten und sich gemeinsam auf die Gottsuche begaben.

Das Mönchtum breitete sich von den Anfängen in Ägypten, Palästina und Kleinasien rasch über die ganze Kirche aus und war zur Zeit Benedikts auch im Westen des Römischen Reiches und darüber hinaus bis nach Irland lebendig.

Der Hl. Pachomius lebte von 292/298 – 356 in Ägypten. Um 325 gründete er in der Nähe von Theben die erste christliche Mönchsgemeinschaft.

Dabei nahm es je nach den örtlichen Gegebenheiten und den jeweiligen Klostervorstehern verschiedene Ausformungen an. Es kam teilweise auch zu Übertreibungen in der Übung des geistlichen Lebens, die nicht mehr den elementaren Bedürfnissen des Menschen entsprachen.

Der Hl. Benedikt, ist Patron Europas. Abteikirche Neuburg, Ausschnitt aus dem Benediktsfenster im Chor der Kirche von Valentin Feuerstein.

Der hl. Benedikt von Nursia, der Vater der abendländischen Mönche, steht am Ende einer langen Mönchsbewegung. Dabei konnte er auf eine reiche Überlieferung zurückblicken. Er schrieb seine Regel im 6. Jahrhundert für sein Kloster, das er auf dem Montecassino in Süditalien gegründet hatte und dem er als Abt vorstand.

Die von der Tradition überlieferten Lebensdaten des hl. Benedikt sind sehr fraglich: 480 Geburt, 529 Beginn in Montecassino, 530 Abfassung der Regel, 547 sein Tod. Nach neusten Forschungen wird die Regel heute später datiert. Benedikt starb frühestens um 560.

Benedikts Verdienst ist es, in seiner Klosterregel verschiedene bewährte Traditionen des Mönchtums zu einer ausgewogenen, realisierbaren Lebensordnung zusammengeführt zu haben. Seine Anleitung zum klösterlichen Leben ist konsequent auf den Willen Gottes ausgerichtet. Ihn sollen die Mönche unaufhörlich suchen. Als Leitbild für das Leben der Gemeinschaft steht Benedikt die Urgemeinde von Jerusalem vor Augen, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Alles hatten sie gemeinsam, und lobten miteinander Gott“ (vgl. Apg 4,32 ff.).

Der Ruf Benedikts als heiliger Mönch und Lehrer lebte nach seinem Tod weiter. Papst Gregor der Große († 604) hat eine Lebensbeschreibung über ihn verfasst, in der er biographische Elemente mit hagiographischen vermischt hat. Benedikt erscheint als exemplarischer Christ und Vorbild im Glauben. Sein Erbe, die Klosterregel, wurde von seinen Schülern durch die Wirren der Zeiten gerettet und überliefert. Sie verbreitete sich rasch und prägte wegen ihrer Qualität das abendländische Mönchtum. In karolingischer Zeit wurde die Benediktsregel im fränkischen Reich zur einzig gültigen Klosterregel.

Die benediktinischen Klöster durchlebten bewegte Zeiten. Es gab Höhen und Tiefen, Phasen der Blüte und äußerst fruchtbarem Wirkens, aber auch Niedergang und Zerfall. Einige Abteien bestehen seit ihrer Gründung im frühen Mittelalter bis heute fort, wie z.B. die Cistercienserinnen-Abtei Lichtenthal in Baden Baden, andere gingen unter, wurden aufgelöst und später wiederbesiedelt wie etwa Neuburg oder auch erst in jüngster Zeit gegründet, wie die neue Mönchsgemeinschaft auf der Reichenau. Etliche Klöster mussten unlängst geschlossen werden wie z.B. die Benediktinerabteien in Bad Wimpfen oder Weingarten. Gleichzeitig gibt es überall in der Welt immer wieder Neuaufbrüche zum christlichen Gemeinschaftsleben, das sich an den Weisungen Benedikts orientiert.

Benediktinisches Leben in unserer Region

Abtei Marmoutier

Der hl. Pirmin

Allem voran muss der hl. Pirmin (* um 670, † 753 im Kloster Hornbach) genannt werden.
Er zählt zu den sogenannten Wandermönchen, der die „Peregrinatio“, d.h. die Nachfolge des Herrn, wortwörtlich verstanden. Pirmin gehörte zur iro-schottischen Missionsbewegung, die zur Zeit der Karolinger im fränkischen Reich, das nach der Völkerwanderungszeit noch lange vom Heidentum durchdrungen war, missionierte. Im Auftrag der fränkischen Herrscher, insbesondere von deren Hausmeier Karl Martell, organisierte er das kirchliche Leben neu. Kennzeichnend für sein Wirken war die Gründung von Klöstern, die zu Zentren der Glaubensverkündung des jeweiligen Raumes wurden. In allen Klöstern galt die Benediktsregel.

724 gründete Pirmin Kloster Mittelzell auf der Bodenseeinsel Reichenau, danach mehrere Klöster zwischen Schwarzwald und Vogesen, darunter Gengenbach, Murbach im Elsass, Weißenburg (Wissembourg im Elsass), Maursmünster (Marmoutier im Elsass) und Neuweiler (Neuwiller-lès-Saverne im Elsass), wahrscheinlich auch Schwarzach im heutigen Rheinmünster. Um 730 errichtete er die erste Kirche in Murrhardt und erneuerte das Kloster Schuttern. Pirmins letzte Klostergründung war um 741 Kloster Hornbach bei Zweibrücken in der Pfalz. Hier starb er auch und fand seine letzte Ruhestätte.

Seine Reliquien wurden zur Zeit der Reformation nach Innsbruck in Sicherheit gebracht, so dass er nicht nur der Patron der Pfalz und des Elsasses wurde, sondern auch Stadtpatron von Innsbruck ist. Die Stadt Pirmasens verdankt ihm ihren Namen.

Abtei Murbach
Abtei Wissembourg
Abtei Schwarzach

Die Reichenau

Das Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau im Bodensee wurde im damals weitgehend heidnischen Alamannien gegründet. In der Folgezeit genoss es die Unterstützung der fränkischen Hausmeier und Könige. So fiel eine erste Blütezeit in das ausgehende 8. und 9. Jahrhundert. Abt Waldo (786–806) war der Gründer der Reichenauer Gelehrtenschule. Die drei romanischen Kirchen der Insel entstanden in dieser frühen Zeit. Damals entstand die Cella St. Peter und Paul an der Westspitze der Insel. Abt Haito (806–823) war der Erbauer des Marienmünsters in Mittelzell. Hatto III. (888–913), Abt und späterer Erzbischof von Mainz, ließ die Georgskirche in Oberzell errichten.

Um die Jahrtausendwende erlangte die Reichenau in der Zeit der ottonischen Könige ihre zweite kulturelle Glanzzeit. Die berühmte Reichenauer Schreibschule gehört hierher, ebenso die Wandmalereien in der Oberzeller Georgskirche.

Hermann der Lahme (* 1013; † 1054) soll als bedeutender Wissenschaftler, Komponist und Schriftsteller genannt sein. Seine Geschichtsschreibung und die Berthold‘s von Reichenau sind eine Hauptquelle für die Geschichte des mittleren 11. Jahrhunderts.

Wichtige monastische Impulse empfing die Reichenau im 10. und 11. Jahrhundert durch die Klosterreform des lothringischen Klosters Gorze bei Metz.

Das Pirminbild von 1624 zeigt die Ankunft des Heiligen auf der Insel Reichenau, wahrend das „üble Getier“ von der Insel flüchtet.
Das Kloster Mittelzell auf der Insel Reichenau. Es wurde um 724 vom Hl. Pirmin gegründet.
Die Klosterkirche St. Georg auf der Reichenau ist mit zahlreichen Fresken ausgemalt.

Um 1200 begann der geistige und materielle Niedergang. Reformversuche scheiterten wiederholt. Im ausgehenden Mittelalter fasste das benediktinische Mönchsideal noch einmal Tritt - das Münster in Mittelzell wurde durch den spätgotischen Chor erweitert.

1540 verzichtete der letzte Abt auf die Klosterleitung, die er an den Bischof von Konstanz abtrat. In der Folgezeit war die Reichenau als Priorat mit zwölf Mönchen nur mehr eine Verwaltungsstelle des Bistums Konstanz. Im Jahr 1757 wurde es aufgelöst und 1803 im Rahmen der Säkularisation endgültig aufgehoben.

Kloster Lorsch

Die Abtei Lorsch zwischen Worms und Darmstadt gelegen, wurde während der Regierungszeit König Pippins des Kurzen (751-768) gegründet und von Erzbischof Chrodegang von Metz mit Mönchen aus dem lothringischen Reformkloster Gorze besiedelt.

Die spätere Reichsabtei war eines der bedeutendsten Zentren benediktinischer Kultur ihrer Zeit. Besonders die Karolinger förderten die junge Abtei, sodass sie über große Besitzungen zwischen Holland und dem Bodensee verfügte. Von ihrer geistigen Blüte legen heute noch der „Codex Laureshamensis“ und andere bedeutende Handschriften Zeugnis ab. Der Dichter der Nibelungensage soll ein Lorscher Mönch gewesen sein.

Im 10. Jahrhundert immer noch wohlhabend, wurde das Kloster 1090 durch einen Brand verwüstet und im 12. Jahrhundert wieder aufgebaut. Der Niedergang begann aber schon im 12. Jahrhundert. Mit der Eingliederung in das Erzbistum Mainz verlor Lorsch 1232 einen großen Teil seiner Privilegien. Das Kloster wurde aufgehoben. Den Benediktinern folgten erst Zisterzienser, dann Prämonstratenser. In der Reformationszeit schließlich erlosch das klösterliche Leben.

Von diesem bedeutenden Kloster der frühen Zeit wurde bereits zum 870 eine Kirche auf dem Heiligenberg errichtet und in der ersten Hälfte des 11. Jahrhundert dort das Michaelskloster. 1130 wurde Neuburg von Lorsch besiedelt.

An seine Blütezeit erinnert heute die berühmte Torhalle, eines der wenigen Denkmäler der Karolingerzeit.

Die Tor- oder Königshalle des ehemaligen Kloster Lorsch.
Rekonstruktion des Michaelsklosters auf dem Heiligen in Heidelberg, Bauzustand nach 1450.

St. Blasien, Hirsau, St. Georgen

Die Kloster- und Kirchenreform des 11. Jahrhunderts führte zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Klosterlandschaft Südwestdeutschlands. Neben dem Schwarzwaldkloster St. Blasien, gegründet Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts, muss in diesem Zusammenhang insbesondere die Mönchsgemeinschaft von Hirsau genannt werden, die 1059 mit Mönchen des Klosters Einsiedeln in der Schweiz gegründet wurde.

Hirsau im Nordschwarzwald war im 11. Jahrhundert Ausgangspunkt der gleichnamigen Klosterreform, der sich viele Klöster anschlossen. Das Kloster wurde 1692 zerstört.
Die Ostkrypta der Michaelsbasilika mit der Grablege des als Heiligen verehrten Friedrich von Hirsau (+ 1070)

Der erste Abt Friedrich, der dort mit seinen Brüdern das neue Kloster Peter und Paul errichtete, musste 1069 sein Amt niederlegen und fand Zuflucht in Heidelberg im Kloster Sankt Michael auf dem Heiligenberg.

Dort starb er 1070/1071 und wurde in der Ostkrypta der Michaelsbasilika beigesetzt. Reste der Grabstätte sind dort noch vorhanden. Nach seinem Tod ereigneten sich Wunderzeichen an seinem Grab, und das Kloster wurde zu einem beliebten Wallfahrtsort.

Abt Wilhelm von Hirsau (* um 1030; † 1091) wurde der große Klosterreformer.

Die Hirsauer Reform erfasste in Weiterentwicklung des cluniazensischen Mönchtums fast ganz Mitteleuropa von Schwaben bis nach Thüringen, die St. Georgener Reformbewegung als Teil der Hirsauer Reform verbreitete sich vom Elsass bis nach Österreich.

Zusammen mit der Hirsauer Reform fanden Hirsauer Gewohnheiten und Hirsauer Baustil Verbreitung. Die Reform von St. Blasien war in Südwestdeutschland, der Schweiz und Österreich verbreitet, insbesondere beeinflusste sie auch einige Schwarzwaldklöster wie Alpirsbach oder Ettenheimmünster.
Sanktblasianische, Hirsauer und St. Georgener Klosterreform bedeuteten dabei die Hinwendung zu einer strengeren benediktinischen Lebensform nach dem Vorbild der Reformabtei Cluny. Das Leben in Gemeinschaft mit strenger Klausur und eine aufwändige Liturgie gehören hierher.

Das Kloster Alpirsbach im Schwarzwald wurde 1095 gegründet. Es ist ein gut erhaltenes Beispiel für den Hirsauer Baustil.

Die Erzabtei Beuron

Die Erzabtei St. Martin in Beuron im Oberen Donautal, Stammkloster der Beuroner Kongregation, wurde 1072 als Augustiner-Chorherrenstift gegründet.

Nach der Säkularisation 1802 fiel es an das Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen.

Aufgrund einer Stiftung der Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen wurde 1863 ein Neubeginn des klösterlichen Lebens in Beuron durch die Benediktinermönche Maurus und Placidus Wolter möglich. Die Brüder, die aus Bonn stammten, waren zunächst als Mönche in der römischen Abtei St. Paul vor den Mauern eingetreten. Sie orientierten sich schließlich an dem aufblühenden monastischen Leben in Frankreich, das mit dem Namen der Abtei Solesmes verbunden ist. Während des Kulturkampfes mussten die Mönche von 1875 bis 1887 Beuron verlassen. Dadurch kamen Gründungen und Neubesiedlungen anderer Klöster zustande, die später zu einem Zusammenschluss in der Beuroner Kongregation führten.

Die Erz-Abtei Beuron um 1930.
Beispiel von der Beuroner Kunstschule.

Bedeutenden Einfluss auf die religiöse Kunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte die Beuroner Kunstschule, die sich an frühchristlichen und byzantinischen Vorbildern orientierte.

Seit 1884 erscheint ein Laienmessbuch, das nach seinem Begründer, dem Beuroner Pater Anselm Schott (1843–1896), auch als „Der Schott“ bekannt wurde.

Die Beuroner Kongregation

Heute zählt die Kongregation acht Männer- und neun Frauenklöstern in Deutschland, Italien und Dänemark.

Als nach der Säkularisation in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten Klöster wieder errichtet waren, hatten alle reichlich Nachwuchs. Dies erlaubte den neuerstandenen Abteien alte Klöster wieder zu besiedeln oder neue zu gründen. Beurons erste Gründung war das belgische Kloster Maredsous (1872). Während des Exils in Österreich (1875 - 1887) gründete Beuron dann das Kloster Erdington in England (1876), sowie die Klöster Emaus in Prag (1880) und Seckau in der Steiermark (1883).

Abtei Maredsous in Belgien.
Ehemalige Abteikirche Erdington.
Kloster Emaus, Prag.
Abtei Seckau.
Romanisches Kreuz in der Basilika der Abtei Seckau.
Abtei Mont César-Keizersberg.
St. Gabriel in Prag.
Kloster Maria Laach.
Abtei St. Hildegard.
Abtei Gerleve.

Nach der Rückkehr des Konvents nach Beuron (1887) wurde 1888 in Löwen/Belgien ein Studienhaus eingerichtet, aus dem 1899 die Abtei Mont César-Keizersberg hervorging, 1889 wurde das erste Frauenkloster errichtet: St. Gabriel in Prag. 1892 kam es zur Wiederbesiedlung von Maria Laach und 1900 zur Neugründung des Frauenklosters St. Hildegard bei Rüdesheim. In der Folgezeit wurde 1904 von Beuron aus das Kloster Gerleve im Münsterland neu gegründet, 1906 erfolgte die kanonische Errichtung des Priorates Mariä Heimgang (Dormitio) auf dem Sion/Jerusalem. Die aufgehobenen Abteien Neresheim wurden 1919, Weingarten und St. Matthias in Trier 1922 sowie Grüssau in Schlesien 1924 wiederbesiedelt.

Dormitio Abtei Jerusalem.
Abtei Neresheim.
Abtei Weingarten.
Abtei St. Hildegard.
Abtei St. Matthias.
Abtei Grüssau.

Infolge des Ersten Weltkriegs trennten sich die ausländischen Konvente von der inzwischen konstituierten Beuroner Kongregation und die deutschen Mönche mussten in ihr Heimatkloster zurückkehren. 1924 schlossen sich zwei weitere Frauenklöster der Kongregation an: Herstelle und Kellenried. Im gleichen Jahr begannen Mönche aus Emaus mit dem Gotteslob in Lublin (Polen), diese Gemeinschaft wurde 1939 unter nationalsozialistischer Herrschaft aufgelöst. 1926 wurde unser Kloster durch Beuroner Mönche bezogen. Ein Jahr später schloss sich die Abtei Vaals (Holland) der Kongregation an, trennte sich jedoch 1947 wieder. 1936 eröffnete Beuron Kloster Tonogaoka in Japan, das 1940 an die Kongregation von St. Ottilien übergeben wurde.

1948 eröffneten die aus Grüssau vertriebenen Mönche das Gotteslob im ehemaligen Ritterstift in Bad Wimpfen, ein Jahr später wurde die ehemalige Abtei in Tholey/Saar durch Mönche aus St. Matthias/Trier,
Beuron und Maria Laach neu besiedelt. Ebenfalls 1949 wagten Mönche aus der Beuroner Kongregation gemeinsam mit Mönchen aus Solesmes eine Gründung in Las Condes (Chile). 1951 sandte Gerleve die ersten Mönche nach Nütschau zur bisher letzten Gründung eines Männerklosters in der Beuroner Kongregation.

Abtei Herstelle.
Abtei Kellenried.
Abtei Vaals.
Abtei Bad Wimpfen.
Abtei Tholey.

1962 besiedelten Nonnen von Herstelle aus das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Engelthal wieder. In den siebziger und achtziger Jahren wuchs die Zahl der Frauenklöster in der Beuroner Kongregation an, da bereits bestehende Klöster sich dem Klosterverband anschlossen: 1974 wurde die Abtei Säben (Südtirol) aggregiert (1995 inkorporiert), 1980 die beiden Abteien Fulda und Varensell und 1988 das Priorat Asebakken (Dänemark).Im gleichen Jahr gründete die Abtei Eibingen in Marienrode ein neues Kloster, das 1998 zum selbstständigen Priorat erhoben wurde.2006 verließen die letzten Mönche die Abtei Grüssau in Bad Wimpfen. Im Herbst 2010 wurde die Abtei Weingarten aufgehoben. Schwerpunkte sind für die Beuroner Kongregation die kontemplative Ausrichtung, die Feier der Liturgie, die Pflege des gregorianischen Chorals, das Leben in Gemeinschaft und eine große Offenheit für Gäste.

Kloster Nütschau.
Abtei Säben
Abtei Fulda.
Abtei Varensell.
Abtei Marienrode.
Abtei Assebacken.