Kooperation mit Heidelberger Zoo geplant

Geistliche Betreuung bei sensiblen Vögeln im Zoo Heidelberg

Seit kurzem besteht eine Kooperation mit dem Kloster Stift Neuburg und dem Zoo Heidelberg. Ausgangspunkt war zunächst die Suche des Stifts nach einer kompetenten Unterstützung bei der Neuausrichtung der tiergerechten Nutztierhaltung im Kloster. Dr. Klaus Wünnemann, Zoodirektor des Zoo Heidelberg, bot hierfür spontan seine Unterstützung an. Er berät die Abtei aktuell bei der Auswahl der Tiere, die neu im Kloster aufgenommen werden.

In weiteren Gesprächen mit dem Klosterleiter Abt Winfried Schwab erfuhr er dabei über die besondere Dienstleistung, die von dem Kloster angeboten wird: Beratung für sensible Tiere, die besonderen geistlichen Beistand benötigen.

(c) Bettina Boemans
(c) Diana Deutsch

Einige Tierarten führen diese besondere Empfänglichkeit für christlich spirituelle Betreuung bereits im Namen. Deren Haltung war bislang im Zoo nicht vorgesehen, da das Zooteam dies nicht abdecken konnte. Nun steht der Aufnahme ganz besonderer Vogelarten in den Zoo nichts mehr im Wege. „Mit dem Kloster Stift Neuburg haben wir vereinbart, zuerst eine Gruppe Mönchsgeier im Zoo aufzunehmen“, informiert Dr. Wünnemann. „Diese größte europäische Geierart ist im Freiland bedroht und nur noch in den katholisch geprägten Ländern Spanien, Portugal und Griechenland in größeren Restbeständen zu finden. Die besten Bestände finden sich in der Nähe der berühmten spanischen Wallfahrtsorte Guadalupe und El Rocio. Für den Anfang ist daran gedacht, dass die Mönche des Klosters die Mönchsgeier einmal in der Woche im Zoo Heidelberg besuchen. Abt Winfried Schwab ist überzeugt, dass der regelmäßige geistliche Beistand den Tieren mentale Lebenshilfe geben wird.

Berührend für den Mönch sind besonders die direkten Kommunikationswege, mit denen Mönchsgeier in die Interaktion mit dem Geistlichen treten. Hierzu verwenden die Vögel neben herumliegenden Gegenständen auch die Stimme. „Es ist für mich sehr beeindruckend, wie mitteilsam sich diese Vögel mir gegenüber öffnen und ihre Gefühle ausdrücken“, erklärt Bruder Peter. „Nicht immer kann ich dem mit weltlichem Trost begegnen, doch die Bewältigung durch spirituellen Gesang scheint die Mönchsgeier zu beruhigen und so stimmen die Tiere selbst auch in die Gesänge ein.“

Abendliche Spaziergänger, die im Neuenheimer Feld am Zoo Heidelberg vorbeigehen, können dann eventuell auch die Klänge von kirchlichen Chorälen aus der Voliere des Mönchsgeiers vernehmen.

(c) Zoo Heidelberg
(c) Zoo Heidelberg

Wird das Projekt erfolgreich sein, sind auch schon weitere Vogelarten auf der Wunschliste des Zoodirektors: „Bischoftstangaren und Papstfinken wären eine wunderschöne Bereicherung unseres Tierbestandes. Leider ist eine Zusammenarbeit bei anderen Arten nicht möglich. Die Kapuzineraffen des Zoos können die Mönche des Stiftes Neuburg nicht betreuen - als Benediktiner fühlen sie sich dazu nicht berufen.“

Für Ostersonntag, 01. April 2018, ist nun ein erstes öffentliches gemeinsames ökumenisches Treffen mit dem ersten Mönchsgeier und interessierten Besuchern angesetzt. Dieser wird ab 14 Uhr im Zoo Heidelberg in der begehbaren Voliere im Vogelrevier stattfinden. Gäste sind herzlich willkommen.

Heidelberg, 1.4.2018

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.