Unsere Sicht

Über die Benediktinerabtei Stift Neuburg wurde in der Vergangenheit Vieles berichtet und erzählt. Wahres wurde im gleichen Satz mit Halbwahrem und vollkommen aus der Luft Gegriffenem verbreitet. Wir hatten uns entschlossen, die Kommunikation mit der Presse zu minimieren. Dies war insbesondere auch dem laufenden Gerichtsprozess geschuldet.

Inzwischen ist der Prozess in der Sache abgehandelt und zu unserer großen Freude berichtet inzwischen auch die Presse neutral. Leider hat sich dies in der öffentlichen Meinung nur bedingt niedergeschlagen. Die Mitbrüder des Klosters sind nach wie vor Nachfragen und leider auch nicht allzu selten offenen Anfeindungen ausgesetzt.

Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die Dinge ein letztes Mal von unserer Seite darzustellen.

1. Die Handelnden

Auf der Fläche der Abtei Stift Neuburg existieren oder existierten folgende Rechtspersonen:

Verein der Benediktiner Abtei Neuburg e.V.

Dieser Verein ist der rechtliche Träger des Klosters. Er ist gemeinnützig und Eigentümer der Liegenschaften, die grob umrissen das Kloster mit den darum liegenden Wiesen sind. Von ihm ist immer dann die Rede, wenn über das „Kloster“, das „Stift“ oder den „Verpächter“ gesprochen wird.

Klosterhof Neuburg GmbH & Co. KG

Hierbei handelt es sich um den Pächter der Liegenschaften, unseren Prozessgegner. Die Firma startete als Klosterhof KG, nannte sich später Klosterhof Neuburg KG und firmierte später um. Komplementär ist die Klosterhof Verwaltung GmbH, Kommanditisten sind oder waren Sylvia Gassert, Hartmut Jäger, Zeljko Dadic. Geschäftsführer sind oder waren Hartmut Jäger und Zeljko Dadic, Prokuristin ist oder war Sylvia Gassert. Die drei Genannten sind oder waren einzelvertretungsberechtigt oder besitzen oder besaßen Einzelprokura. Von dieser Gesellschaft ist immer dann die Rede, wenn vom Pächter gesprochen wird.

Gasthaus zum Klosterhof GmbH

Diese GmbH wurde als NNR Gastro GmbH gegründet und firmierte später um. Gesellschafter sind oder waren Hartmut Jäger, Sylvia Gassert, Jan Sund.

Klosterhof Verwaltung GmbH

Deren Gesellschafter sind oder waren Sylvia Gassert, Hartmut Jäger, Zeljko Dadic.

Brauerei zum Klosterhof GmbH

Die Brauerei ist unabhängig von allen oben Genannten. Sie ist lediglich Unterpächter und spielt keine Rolle in den Auseinandersetzungen.

Zu den oben genannten wären noch Herr Dietz und Frau Decker zu erwähnen, die aber an der jetzigen Situation unbeteiligt sind. Anmerkung: Die Formulierung „sind oder waren“ dient zur rechtlichen Absicherung und erklärt eventuell vorkommende Personen.

Luftaufnahmen des Klosterhofs.

Luftaufnahmen des Klosterhofs.

2. Der Vertrag

Am 1. Juli 2007 wurde der Pachtvertrag mit der Klosterhof KG von Abt Franziskus Freiherr Heereman von Zuydtwyck unterschrieben. In den Vertragsgrundlagen wurde der Wunsch des Klosters formuliert: „Die bisherige Bewirtschaftung soll durch die Pächterin im Sinne eines nachhaltigen, ökologisch geprägten Gesamtkonzeptes ausgebaut und um forstwirtschaftliche, gastronomische und eine Fortbildungskomponente erweitert werden. Geleitet von der Vorstellung, die Klosterwirtschaft zu erhalten und im vorstehenden Sinn weiter zu entwickeln und in dem erklärten Willen, die klösterliche Prägung zu wahren, und das kirchliche Anliegen weiter zu fördern, treffen die Beteiligten die nachstehenden Vereinbarungen, die in diesem Lichte auszulegen sind.“

Ohne konkrete und verbindliche Ausformulierungen mag dieser Passus sicherlich auch Anlass für die nachfolgenden Differenzen sein. Der Vertrag wurde im Auftrag beider Seiten von der Beratungsfirma GUD erarbeitet, für die oben genannte Frau Gassert als Geschäftsführerin tätig war. Sie wechselte danach in die diversen Klosterhof Gesellschaften.

Der Vertrag umschloss die Landwirtschaft samt Inventar, den gastronomischen und den Fortbildungsbereich, den Klosterladen, die Ladenflächen und sonstigen Flächen der Gärtnerei.

Die Gesamtpacht beträgt 37.000 Euro pro Jahr.

3. Der Streit

Streitgründe sind immer subjektiv, dessen sind wir uns sehr bewusst, aber Abt Franziskus war immer um gütliche Einigung bemüht. Dass Verstöße gegen getroffene Vereinbarungen deshalb nicht mit dem juristischen Nachdruck verfolgt wurden, sei dahingestellt, führte aber im Endeffekt dazu, dass die angestrebten Kompromisse nicht fruchteten. Wir möchten daher nur einige wenige Fälle aus der sehr langen Gesamtliste aufführen, deren Dokumentationen von „unverdächtigen Dritten“ kommen. Soweit der Link für sich alleine spricht, haben wir dies nicht weiter kommentiert.

Wenn die Kuh schon Laub frisst

Die RNZ berichtete am 14.08.2015 über die mangelnde Versorgung der Kühe.

Internet Bewertungen

Die Bewertungen sind teilweise vernichtend. Dies ist insofern für uns schwer zu ertragen, da viele Beschwerden auch bei uns auflaufen, da der normale Besucher keinen Unterschied zwischen dem Kloster und dem Pächter macht.

Die Fällung alter Eichen

Der Pächter fällte drei alte Eichen, obwohl dies verboten ist. Leider hat er noch im letzten Jahr im Baumbestand unseres kleinen Waldstücks, in dem seit 70 Jahren kein Baum mehr gefällt wurde, viele Bäume gefällt.

Der Zustand der Obstbäume

Leider stand und steht es mit den Obstbäumen auf den Wiesen auch nicht zum Besten, wie diesem Gutachten zu entnehmen ist.

4. Das Verfahren

Nachdem aus Sicht des Klosters die Lage immer schwieriger wurde, beschloss der Konvent unter der Leitung von Abt Franziskus die Einreichung einer Klage. Leider wurde die lange geübte Kompromissbereitschaft und die damit einhergehende Duldung der für das Kloster untragbaren Zustände nun zum Problem. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Kündigung bedeutete, jede weitere Verfehlung gerichtsfest zu dokumentieren und zu prozessieren. Auf Anraten unseres Anwalts wurde ein weiterer Punkt, nämlich die fehlende Schriftform des Vertrages, in den Vordergrund gestellt.

Dass dies später durch die Presse als juristischer Kniff von Abt Franziskus missdeutet werden würde, stand zu befürchten, doch die Gründe für diese Entscheidung wogen schwerer. Der Abt ist immer und zuerst für seine Gemeinschaft verantwortlich, Schmähungen hierfür gehören durchaus zur „Stellenbeschreibung“ eines Abtes.

5. Der neue Abt

Mit der Wahl von Abt Winfried Schwab keimte im Kloster die Hoffnung auf eine friedvolle Einigung neu auf. Personenwechsel, so zeigt die Erfahrung, können oft Wunder bewirken. In einem vertraulichen Erstgespräch auf neutralem Boden, das auf Bitten von Abt Winfried Schwab stattfand, wurden die Gespräche in einem guten Geist gestartet. Leider wurde das Gespräch, in klarem Widerspruch zu den Vereinbarungen, vom Pächter zu seinem Anwalt getragen, der daraufhin unabgestimmt eine Fristverlängerung des laufenden Prozesses beantragte. Auch aus diesem Grund sehen wir uns an unsere Zusage der Vertraulichkeit nicht mehr gebunden.

6. Die Landwirtschaft

Einen besonderen Schwerpunkt unserer Darstellung muss der Landwirtschaft gewidmet werden. Wir werden die Landwirtschaft weiter betreiben, wenngleich mit einem erweiterten Anspruch. Dazu erfahren wir viel positive Rückmeldung und Unterstützung seitens der Stadt und des Landes.

Die Errichtung einer Landwirtschaft unter mensch- und tiergerechten sowie ökologischen Aspekten ist unser Ziel. Das bedeutet beispielsweise, dass wir soweit möglich auf Stallhaltung verzichten. Auch der Kaninchenstall mit Betonboden und die Haltung von Ziegen auf einer eng umgrenzten Fläche entspricht nicht unserem Konzept. Einen weiteren Schwerpunkt soll auch die Wertschätzung unserer Mitarbeiter bilden.

Dies wird ein langer Weg, doch wir sind uns sicher, dass er sich lohnt. Eine kurze Sicht auf den derzeitigen Stand haben zwei Fachleute zusammengetragen.

7. Aktueller Stand

Derzeit gibt es zwei Verfahrensstränge.

Den Hauptstrang, in dem wir beide Instanzen gewonnen haben und in dem dem Pächter die Revision am BGH versagt wurde. Gegen diese Nichtzulassung hat er Beschwerde eingelegt, die, so die Auskunft des BGH, nicht vor Mitte Juni bearbeitet wird.

Den Nebenstrang der Räumungsklage, die vom Gericht bis zum BGH-Entscheid ausgesetzt wurde. Dieses Verfahren wird weitergeführt, wenn der Pächter die Pachtgegenstände nicht freiwillig räumt. Dies kann im schlimmsten Fall mit einer gerichtlich angeordneten und polizeilich durchgeführten Zwangsräumung enden.

Drei weitere Punkte gibt es noch in diesem Zusammenhang zu erwähnen.

Die Abfindung: Das Kloster hat den Pächtern mehrfach angeboten, über eine Abfindung zu sprechen. Diese bedingt aber zwingend eine ordentliche Bewertung durch einen vereidigten Prüfer und eine uns mehrfach verweigerte Begehung. Das Zahlen eines nicht nachweisbaren Betrages ist uns durch die Gemeinnützigkeit der Abtei Stift Neuburg verwehrt. Durch die Zahlung würde sich Abt Winfried Schwab strafbar machen.

Die Gier: Oft wurde uns vorgeworfen, wir betrieben diesen Prozess aus reiner Gier. Dieser Vorwurf sollte nach obigen Ausführungen geklärt sein. Was aber auch gesagt werden soll ist, dass das Kloster nicht aus Mitteln der Kirchensteuer finanziert wird, sondern für seinen Erhalt selbst sorgen muss. Dies umfasst die enorme Baulast sowie die Versorgung der Mitbrüder bis an ihr Lebensende, da diese in der Regel keine Rente beziehen. Wenn sie mit offenen Augen über das Klostergelände laufen, können Sie den Instandhaltungsstau und die damit verbundenen Kosten leicht erahnen. JA, wir wollen Geld verdienen. Nicht nur für uns, sondern auch für Sie. Denn so lange das Kloster lebt, wird es nicht zu einem Spekulationsobjekt.

Das Abstellen des Stroms: In einem Zeitungsartikel hieß es, der Pächter hätte die Kühe verkauft, weil wir ihm den Strom abstellen wollten. Dies ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass wir den Pächter aufgefordert haben, sich einen eigenen Zähler installieren zu lassen. Derzeit bezieht der Pächter den Strom von uns, wobei wir durch unterschiedliche Messungen jedes Jahr mehrere Tausend Euro verlieren. Den dafür notwendigen Zugang zu den technischen Einrichtungen hatte er jederzeit.

8. Die Zukunft

Sehr oft konnte man hören, wir wollen die ökologische Landwirtschaft zerstören und die Gastronomie schließen. Auch die Errichtung eines Wallfahrtsortes mit 60 Bussen pro Tag sei geplant. Dazu sei folgendes gesagt:

- Wir wollen die Landwirtschaft komplett neu aufstellen. Rinder, Schafe und Ziegen sollen ganzjährig auf der Weide stehen. Dies soll mit alten Rassen umgesetzt werden, die diese Fähigkeiten noch besitzen. Auch die Fischzucht vom Rogen an wird wiederbelebt.

- Die Gastfreundschaft ist ein Hauptanliegen des Heiligen Benedikt, nach dessen Regel unsere Gemeinschaft lebt. Dass diese nicht auf Raubbau an Natur und Mitarbeitern fußt, ist uns ein Herzensanliegen.

- Gut, die 60 Busse mit Wallfahrern hätten wir wirklich gern. Leider gibt es in Deutschland überhaupt keinen Wallfahrtsort, der diese Zahlen erreicht. Auch müsste unsere Kirche dafür um ein Vielfaches vergrößert werden, da im Moment maximal zwei Busladungen in den Kirchenraum passen. Bei einer schnellen Messe von 60 Minuten mit Ein- und Auszug der Gläubigen bräuchte der Tag 30 Stunden. Nun vergeht die Zeit in einem Kloster zwar gemächlicher, doch selbst damit kommen wir nicht auf die benötigte Stundenzahl.

Vor allem aber werden wir das Kloster als Standort für Wissenschaft und Kunst ausbauen. Dies wird stets in Einklang mit der Natur stattfinden. Dies war den Benediktinern, die schon vor über 1000 Jahren die Pflanzung von zwei Bäumen für jeden gefällten Baum forderten, von Beginn ein Herzensanliegen.

In diesem Sinne wünschen wir Benediktiner aus der Abtei Stift Neuburg Ihnen alles Gute. Seien Sie gewiss, dass wir Heidelberg mit all seinen Bewohnern und darüber hinaus in unserem Gebet haben und uns bei allem überlegen, wie wir in guter Nachbarschaft leben können. Wir würden uns freuen, wenn auch Sie uns unterstützen und für uns beten.

Ihre Benediktinergemeinschaft der Abtei Stift Neuburg / Ziegelhausen