Was zu sagen ist.

„Muss der Klosterhof schließen? Die Benediktinerabtei kündigt ihrem Pächter. Die Pläne der Mönche sind unklar. Ein weiteres Heidelberger Ausflugsziel könnte bald Geschichte sein.“

Solche Fragen und Feststellungen, wie in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 27. Oktober 2016 publiziert, machen hellhörig. Sie machen uns, die Benediktiner des Stift Neuburg, aber auch betroffen. In keiner Weise verfolgt das Kloster gegenüber den Pächtern der Klosterhof GmbH & Co KG unlautere Absichten. Richtig ist, dass es seit Jahren Differenzen zwischen den Benediktinern und dem Klosterhof wegen der Betriebsführung, der Nutzung des Areals und der Instandhaltung gibt. Zudem haben Veranstaltungen, die von Seiten der Klosterhof GmbH initiiert wurden, nicht dem klösterlichen Rahmen entsprochen.

Diese Differenzen haben letztendlich dazu geführt, dass der 2015 amtierende Abt
Franziskus Heeremann, nach Versuchen der Verständigung die Kündigung gegenüber den Pächtern von Landwirtschaft und der untervermieteten Gastronomie ausgesprochen hat.

Die Details der vorgenannten Differenzen möchten wir hier nicht ausführen. Eine emotionale Bewertung durch neue Schlagzeilen entspricht nicht unseren Denk- und Handlungsweisen. Das Amtsgericht Heidelberg hat als erste Instanz durch Urteil festgestellt, dass die Kündigung per Ende 2016 wirksam ist. Dagegen hat die Klosterhof GmbH & Co KG Berufung eingelegt. Am 16. November findet die nächste mündliche Verhandlung statt.

In vielen Gesprächsangeboten an die Pächter hat die benediktinische Gemeinschaft des Stift Neuburg versucht eine Verständigung herbeizuführen. Anlässlich eines Gerichtstermins vor dem Amtsgericht Heidelberg, am 25. Januar 2016, wurde von einem der Pächter, Herrn Zeljko Dadic, explizit bestätigt, dass er den Pachtvertrag beenden wolle. Das veranlasste den Vorsitzenden Richter zu der Frage, ob sich die Parteien auf eine Beendigung des Pachtvertrages verständigen könnten. Abt Franziskus bestätigte dies, der Vertreter des Klosterhofs widersprach jedoch.

Von der Klosterhof GmbH & Co KG wird eine Abfindung/Ausgleich für einen angeblich entgangenen Gewinn – über die Vertragsrestlaufzeit bis 2026 – eingefordert. Die benediktinische Gemeinschaft des Stift Neuburg kann und will dem jedoch so nicht entsprechen. Das Stift bietet jedoch einen Ausgleich für die von dem Klosterhof getätigten und nachgewiesenen Investitionen an. Trotz vielfacher Aufforderung wurden bis heute keine Investkosten genannt und auch nicht nachgewiesen.

Die benediktinische Gemeinschaft meint mehr als nur das geregelte Zusammenwohnen einiger frommer Beter in einer losen Gruppe. Gemeinschaft setzt die Bereitschaft voraus, Verantwortung zu übernehmen. Im Alltag ebenso wie im geistlichen Leben. In Gemeinschaft zu leben heißt gemeinsame Werte zu teilen. So wird menschliches Reifen möglich.

Im Wirken der Benediktiner hat die Lehrtätigkeit, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung sowie die Landwirtschaft und die Missionstätigkeit (in Afrika und Asien) eine lange Tradition.

Die benediktinische Gemeinschaft des Stift Neuburg mit ihrem Abt Winfried Schwab
möchte dem Stift Impulse geben, Nachwuchs gewinnen. Wir Benediktiner haben etwas zu sagen. Gerade in Zeiten einer sich ruhelos, in atemloser Geschwindigkeit entwickelnden Gesellschaft können unsere Botschaften dazu beitragen Orientierung zu gewinnen.

Das Stift Neuburg sucht den Austausch und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Kultur, von Wissenschaft und Forschung und der Jugendarbeit. Basierend auf den ökologischen Traditionen der Benediktiner ist es unsere erklärte Absicht, die landwirtschaftlichen Flächen zukünftig einer nachhaltigen Nutzung zuzuführen.

Unser Ziel dabei ist die unbedingte wirtschaftliche Eigenständigkeit, da wir in keiner Weise an den Einnahmen der Kirchensteuer partizipieren.

In den letzten Tagen haben sich Bürger der Stadt und Freunde des Stifts über die sozialen Netzwerke und in Form von Leserbriefen an die benediktinische Gemeinschaft des Stift Neuburg und Abt Winfried gewandt. Die geäußerten Bitten und Befürchtungen haben uns in der Verantwortung für den Erhalt des Klosters und seiner Wirtschaftsflächen erneut bestätigt. Andersgeartete Vorstellungen oder Planungen hat es auch nie gegeben. Unsere Türen gehen nach innen auf! Die klösterliche Gastfreundschaft wird – auch in Form der Klosterhofgastronomie – Bestand haben.

Heidelberg, am 2. November 2016